Letztes Update am Di, 24.09.2019 09:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Studie

Kuscheln, ja bitte: Katzen binden sich an Besitzer wie Kinder an ihre Eltern

Katzen kuscheln gerne, das weiß man. Ihre Zuneigung zum Besitzer entspricht dabei aber fast einer menschlichen Mutter-Kind-Beziehung, wie US-Forscher nun im Rahmen einer Studie herausfanden.

Junge Kätzchen suchen die Nähe zu ihrem Besitzer wie ein Kleinkind zu seiner Mutter.

© PixabayJunge Kätzchen suchen die Nähe zu ihrem Besitzer wie ein Kleinkind zu seiner Mutter.



Corvallis – Mag mich meine Katze eigentlich oder betrachtet sie mich lediglich als ihren „Dosenöffner“? Die Samtpfoten werden insbesondere im Vergleich zu Hunden oft als unabhängige Zeitgenossen betrachtet, die auch ganz gut ohne ihren Menschen klarkommen. Eine Studie der US-amerikanischen Oregon State University in Corvallis hat sich nun mit der Frage auseinandergesetzt, ob Katzen tatsächlich eine enge Bindung zu ihren Menschen haben und gerne mit ihnen kuscheln.

Das überraschende Ergebnis: Katzen binden sich auf ähnliche Weise an ihre menschlichen Bezugspersonen und suchen ihre Nähe wie kleine Kinder bei ihren Eltern. Der Versuch, den Kristyn Vitale und ihr Team mit Katzen durchführten, war in seinem Aufbau den klassischen Studien zur Eltern-Kind-Bindung nachempfunden ist. Sie schildern ihn im Journal Current Biology.

Statt Kleinkindern und ihren Müttern wurden für die Studie aber junge Katzen und ihre Besitzer beobachtet. 79 Kätzchen im Alter von drei bis acht Monaten und ihre Halter nahmen an der Studie teil. Die Besitzer mussten ihre Katze jeweils in einen durch Kameras überwachten Raum mitnehmen, in dem sie zunächst zwei Minuten mit dem Tier zusammen waren, dann aber allein hinausgingen. Anschließend war die Katze zwei Minuten lang in dem Raum allein. Danach kehrte der Besitzer zurück.

Anwesenheit des Besitzers mindert Stress

Die Forscher stellten daraufhin bei den Katzen vier klar unterscheidbare und schon von anderen Arten bekannte Bindungsstile fest. Bei vielen Katzen ließ der Stress durch die Rückkehr der Besitzer sofort nach; sie suchten nach der Trennung die Nähe des Besitzers und erkundeten dann weiter den Raum. Dies wurde in der Studie wie bei anderen Spezies als „sichere Bindung“ bezeichnet. Andere Katzen waren nach der Rückkehr des Besitzers weiterhin ängstlich und verhielten sich besonders anklammernd – dies wurde als „unsicher-ambivalente Bindung“ bezeichnet.

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Wieder andere zollten dem rückkehrenden Besitzer wenig Beachtung („unsicher-vermeidende Bindung“). Bei einer vierten Gruppe schienen die Gefühle im Widerstreit zwischen dem Wunsch nach Nähe und nach Vermeidung zu sein („desorganisierte Bindung“).

64 Prozent haben sichere Bindung zum Menschen

Ein Verhaltensmuster – das erste unter den geschilderten – wurde somit als Ausdruck einer sicheren Bindung an den Besitzer klassifiziert, drei andere Verhaltensmuster als Ausdruck einer unsicheren Bindung. Insgesamt waren 64,3 Prozent der jungen Katzen sicher, 35,7 Prozent unsicher gebunden. Auch bei menschlichen Kindern sind 65 Prozent Studien zufolge sicher gebunden. (TT.com, dpa)