Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.10.2019


Bezirk Imst

Haimings Waale haben Geschichte

Die Chronik über die künstliche Bewässerung reicht zurück bis in das Jahr 1504.

Historiker Werner Holzner (r.) übergab die aufgearbeitete Haiminger Waalgeschichte an BM Josef Leitner (2. v. r.) im Beisein von Hubert Wammes, Peter Zaderer und Burghard Fiechtner (v. l.).

© WegleiterHistoriker Werner Holzner (r.) übergab die aufgearbeitete Haiminger Waalgeschichte an BM Josef Leitner (2. v. r.) im Beisein von Hubert Wammes, Peter Zaderer und Burghard Fiechtner (v. l.).



Haiming – Am Samstag findet in Haiming der erste der beiden traditionellen Markttage statt. Der Apfelanbau in der Inntalgemeinde ist nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil man auf ein funktionierendes Bewässerungssystem zurückgreifen kann. Dieses hat eine lange Geschichte. Und die Historie der Waale in Haiming wurde nun aufgearbeitet und kürzlich an Bürgermeister Jose­f Leitner übergeben.

Grundlage der Forschung ist die Doktorarbeit von Walter Zaderer aus dem Jahr 1950, der die künstliche Bewässerung zwischen Zams und Kematen erforscht hatte. Darauf aufbauend haben sich der pensionierte Historiker Werner Holzner und der ehemalige HTL-Lehrer Burghard Fiechtner mit der Haiminger Waalgeschichte befasst. Auch Zaderers Sohn Peter war in die Neuaufnahme der Waalsysteme eingebunden.

Zwischen Nauders und Kematen sind 350 Waale erfasst. „Die Haiminger Waalanlagen reichen bis Anfang des 16. Jahrhunderts zurück“, erklärt Holzner. „Bereits 1504 wurde das für das Haiminger Trockengebiet dringend benötigte Nass aus dem Stuibenbach in der Ebene über die Waale nach Haiming geleitet, 1538 wurde ein zusätzlicher Tragwaal gemeinsam mit Silz errichtet.“ Auch Fiechtner unterstreicht die Pionierleistungen: „Da der Bedarf an Nutzwasser laufend anstieg, wurde im Jahre 1616 das Wasser zusätzlich aus der Ötztaler Ache abgeleitet.“ Dieser Waal leitete das Wasser in die Fraktionen Riedern und Unterriedern, ein Großteil floss in das „Toalhäusl“, wo die Aufteilung zwischen Haiming (1/3) und Silz (2/3) erfolgte.

Eine weitere große Baumaßnahme erfolgte in den Jahren 1947 bis 1952, als an der Ache bei den Brunauer Feldern ein Stauwerk errichtet wurde. Das Wasser wird seitdem durch den Amberger Stollen in die Haiminger Waale geleitet.

Die einzelnen Verläufe der vier Tragwaale, die während der 446 Jahre gebaut wurden, haben Holzner und Fiechtner auf historischen Karten und Beschreibungen ausfindig gemacht, sind alle abgegangen, haben sie mittels GPS vermessen und neu kartiert. BM Josef Leitner, Hubert Wammes als Obmann der Bewässerungsgenossenschaft Haiming-Silz West und Ortschronist Manfred Wegleiter zeigten sich von der Arbeit der beiden „Waalforscher“ beeindruckt. (TT)