Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Innsbruck-Land

Ein Bad für Kaiser Maximilian in Thaur

Beim jüngsten Fund unweit der Thaurer Burg handle es sich um eine Badstube aus der Zeit Maximilians, ist sich der Verein Chronos sicher.

© BertschBeim jüngsten Fund unweit der Thaurer Burg handle es sich um eine Badstube aus der Zeit Maximilians, ist sich der Verein Chronos sicher.



Noch vor Kurzem haben auf der Wiese unterhalb der Thaurer Burg Schafe gegrast. Dass zehn Zentimeter unter dem saftigen Gras die Reste einer „Badstube" aus der Zeit Kaiser Maximilians verborgen lagen, dürfte sie nicht weiter bekümmert haben.

Den emsigen Thaurer Geschichtsverein Chronos hat es sehr wohl interessiert: 2018 hatten sich bei einer Befahrung mit dem Bodenradar im Untergrund deutliche Mauerstrukturen abgezeichnet. Dass es sich dabei um die im Inventar von 1537 erwähnte Badstube handeln könnte, war für Vereinsobmann Joe Bertsch vorerst nur eine Vermutung. Doch beim Graben sei daraus rasch Gewissheit geworden: Zuerst waren es nur ein paar Reihen sauber verlegter Ziegel, dann fanden sich reichlich Kachelreste und schließlich die Feuerstelle für den Badofen mit einem kräftigen Aschehorizont.

Für die Archäologin Tamara Senfter „eigentlich ein recht sauberer und auch spannender Befund. Hinsichtlich der exakten Funktionsweise wird man wohl noch Vergleiche studieren." Dass die Badstube aus der Zeit Maximilians stammt, ergibt sich für Bertsch aus dem Vergleich der Inventare. Zudem habe der Kaiser sich ja häufig im Thaurer Schloss aufgehalten — etwa zur Jagd im nahen Halltal — und auch ordentlich in dessen Ausstattung investiert, wie sich aus erhaltenen Anweisungen schließen lässt. „Dabei wird er sich auch den Luxus einer Badestube geleistet haben", meint Bertsch.

Spannend war die Grabung aber noch aus einem anderen Grund: Unter den Fundamenten des Bades zeichnen sich nämlich noch ältere Baustrukturen ab. „In Thaur ist es fast schon egal, wo man gräbt", meint Bertsch verschmitzt, „überall geht was her." (TT)