Letztes Update am Fr, 10.04.2015 08:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wissen

Enzym in Pflegeprodukten kann über die Haut Allergien auslösen

Laut einer publizierten Studie im Journal of Investigation Dermatology kann das Enzym Papain die Hautbarriere auflockern.

(Symbolfoto)

© APA(Symbolfoto)



Wien – Kommen Menschen oder Tiere mit einem der wichtigsten in Pflegemitteln verwendeten Enzyme in Kontakt, können starke allergische Reaktionen der Haut die Folge sein. Das haben Wissenschafter des Messerli-Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna, der MedUni Wien und der Universität Wien herausgefunden. Die entsprechende Studie wurde jetzt im Journal of Investigative Dermatology publiziert.

Bei dem Enzym handelt es sich um Papain. Dieses stammt ursprünglich aus der Papaya und wird auch „pflanzliches Pepsin“ genannt, hieß es jetzt in einer Aussendung. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin der Abteilung für Komparative Medizin an dem Institut, untersuchte mit ihrem Team, wie sich Papain direkt auf der Haut von Mäusen und auf Hautzellen in der Petrischale verhält.

Die Erstautorinnen Caroline Stremnitzer und Krisztina Manzano-Szalai zeigten gemeinsam mit dem Projektteam, dass Papain die Zellverbindungen von Hautschichten aufspaltet. Das führt offenbar zum Verlust der natürlichen Barrierefunktion. „Bereits nach kurzer Einwirkzeit wurden Blutgefäße durchlässiger, und Entzündungszellen wanderten ein“, schilderte Erika Jensen-Jarolim.

Etwa zwei Wochen nach der Behandlung mit Papain fanden die Forschenden in den Mäusen Antikörper gegen Papain. Diese Immunglobuline sind Auslöser der allergischen Reaktion gegen das Enzym. „Bei den behandelten Mäusen kam es also nicht nur zum Verlust der Barrierefunktion der Haut, sondern auch zu einer spezifischen Allergisierung gegen Papain. Die Tiere entwickelten also eine Allergie“, betonte Jensen-Jarolim.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Eröffnung der Hautbarriere scheint jedoch nicht die Voraussetzung für die Allergisierung gegen Papain zu sein. „Das Enzym macht auch allergisch, wenn seine enzymatische Funktion blockiert ist“, erklärte die Expertin. Das Aufbrechen der Hautbarriere könne aber wesentlich für das Eindringen anderer Allergene und Bakterien sein. Das als Enzym wirkende Protein Papain hat große strukturelle Ähnlichkeiten mit einem der wichtigsten Allergene der Hausstaub- und Mehlmilben. Hier könnte es einen Zusammenhang geben. „Menschen mit empfindlicher Haut und Kleinkinder sollten das Enzym möglichst meiden und auf die deklarierte Zusammensetzung von Konsumprodukten achten, die gemäß der Richtlinie 2000/13/EG der Europäischen Union geregelt ist“, erklärte Erika Jensen-Jarolim. (APA)