Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.08.2015


EU

Sarrazin, die Sackgasse Europa und 70 Jahre Forum Alpbach

Die Ungleichheit lässt die eine Welt in viele Teile zerfallen. Alpbach will die Ursachen dafür aufzeigen.

Nicht nur Europa trifft sich in Alpbach. Die kleine Welt im Tiroler Bergdorf beleuchtet die großen Probleme der Gesellschaft.

© www.muehlanger.atNicht nur Europa trifft sich in Alpbach. Die kleine Welt im Tiroler Bergdorf beleuchtet die großen Probleme der Gesellschaft.



Alpbach – Das Forum Alp­bach seziert heuer ab 19. August die Gesellschaft besonders einschneidend. In einem Jahr, in dem die Vereinten Nationen 17 „nachhaltige Entwicklungsziele“ beschließen werden, beleuchtet Alpbach die Ursachen der „UnGleichheit“. Das Auseinanderdriften von Wohlstand und Armut in allen Lebensbereichen steht im Mittelpunkt von 80 Debatten und mehr als 100 Expertensitzungen. 4500 Teilnehmer aus 86 Nationen werden bis 4. September erwartet.

Alpbach-Präsident Franz Fischler hält nichts von Schönwetterdiskussionen, er möchte vielmehr „den Finger in eine klaffende Wunde unserer Gesellschaft legen“. Und dazu gehört nun einmal die Kontroverse, die sich in den traditionellen Alp­bacher Gesprächen entfalten soll; von den Gesundheits- bis hin zu Wirtschaftsfragen.

Das Versagen in der Flüchtlingspolitik steht heuer wohl stellvertretend für die humanitäre Kapitulation Europas. Die Frage, warum es die EU kaum schafft, adä­quat auf diese humanitären Krisen zu reagieren und alle betroffenen Nachbarländer zu unterstützen, dürfte Debatten auslösen. Schließlich wird auch der ehemalige Vorstand der Deutschen Bundesbank und SPD-Politiker Thilo Sarrazin seine provokanten und heftig umstrittenen Thesen zur Migrationspolitik referieren.

An der griechischen Schuldentragödie kommen die „Festspiele des Wissens“ ebenfalls nicht vorbei, der Vorsitzende der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem wird wohl begehrter Gesprächspartner sein. Hochrangige nationale und internationale Politiker, Wissenschafter und Künstler rücken das Tiroler Bergdorf 14 Tage in den Mittelunkt des Interesses. Neben Bundespräsident Heinz Fischer und Mitgliedern der Bundesregierung machen die Vizepräsidentin der EU-Kommission Kristalina Georgieva, die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovi sowie ihr slowenischer Amtskollege Borut Pahor Alpbach ihre Aufwartung. Dazu gesellen sich außerdem Ökonomen wie Jeffrey D. Sachs und Giacomo Corneo, die Nobelpreisträger Daniel Shechtman und José Manuel Ramos-Horta sowie die britische Modemacherin und Polit-Aktivistin Vivienne Westwood. (pn)

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