Letztes Update am So, 28.02.2016 20:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU

Homosexueller Politiker bekam per Leihmutter Kind: Diskussion in Italien

Nichi Vendola ist seit mehr als zehn Jahren mit seinem Partner zusammen. Beide wollten ein Kind. Da ihnen dies nach italienischem Recht verwehrt blieb, wichen sie nach Kanada aus.

(Symbolfoto)

© PantherMedia / Losevsky(Symbolfoto)



Rom – Drei Tage nachdem der Senat in Rom ein umstrittenes Gesetz zur Einführung eheähnlicher Homo-Lebenspartnerschaften gebilligt hat, spaltet sich Italien im Fall des Linkspolitikers und Homosexuellen-Aktivisten Nichi Vendola, der mit Leihmutterschaft Vater eines Buben geworden ist.

Das Kind kam am Samstag in Kanada dank einer indonesischen Frau mit US-Staatsbürgerschaft zur Welt, berichteten italienische Medien.

Vater des Kindes sind laut kanadischem Recht der 57-jährige Vendola, Chef der italienischen Linkspartei SEL, und sein 38-jähriger Lebensgefährte Eddy Testa, der Italo-Kanadier ist. Die beiden sind seit 2004 Paar und hatten öfters ihren Vaterschaftswunsch geäußert. Da in Italien das Adoptionsrecht für Homosexuelle nicht vorgesehen ist, entschloss sich das Paar zu einer Leihmutterschaft in Kanada.

Der Fall sorgte für Aufruhr, da unter dem Druck konservativer Kreise das Adoptionsrecht für Schwule aus dem Gesetz über die Homo-Lebenspartnerschaften in Italien ausgeklammert worden ist. Das Gesetz muss jetzt noch von der Abgeordnetenkammer verabschiedet werden. Der Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, bezeichnete die Geburt von Vendolas‘ Kind mit der Leihmutterschaft als Ausdruck von „abscheulichem Egoismus“. Kritik an Vendola übten andere Vertreter konservativer Parteien. Homosexuellenverbände gratulierten dagegen Vendola zur Geburt des Kindes.

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Das katholisch geprägte Italien ist eines der wenigen EU-Länder, in denen bisher gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt waren. Das vom Senat verabschiedete Gesetz enthält einige umstrittene Neuerungen. So sollen homosexuelle Partner vor Gericht, am Finanzamt oder im Krankenhaus wie Eheleute behandelt werden. Sie können auch den Namen des anderen annehmen. Im Todesfall gehen Pensionsbezüge auf den Hinterbliebenen über. (APA)