Letztes Update am Mo, 23.05.2016 15:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rechtspopulisten

Eklat bei Gespräch zwischen AfD und Zentralrat der Muslime

Die Rechpopulisten der deutschen AfD brachen ein Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime nach kurzem Schlagabtausch wieder ab.

Frauke Petry, umstrittene Vorsitzende der AfD.

© X00227Frauke Petry, umstrittene Vorsitzende der AfD.



Berlin – Bei der Aussprache zwischen der rechtspopulistischen AfD (Alternative für Deutschland) und dem Zentralrat der Musime ist es zum Eklat gekommen. der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek hatte die AfD-Spitze zu einem Gespräch aufgefordert, um über die ablehndene Haltung der Partei gegenüber dem Islam zu sprechen. Die AfD habe am Montag das Gespräch aber wieder abgebrochen, teilte mit. So hätten die AfD-Vorsitzende Frauke Petry und zwei Parteifreunde schon nach knapp einer Stunde ein Treffen in einem Berliner Hotel abgebrochen.

Mazyek wirft der AfD vor, den gesellschaftlichen Frieden zu gefährden. Sie fälle ein pauschales Urteil gegen eine ganze Religionsgemeinschaft. Er sagte über AfD auch, sie sei die erste Partei seit Hitlers NSDAP, die eine ganze Religionsgemeinschaft diskriminiere. Hintergrund der Vorwürfe: Bei ihrem Parteitag Anfang Mai forderten die AfD-Delegierten eine Reihe von Einschränkungen für Muslime wie Verbote von Minaretten und der Vollverschleierung. In Erfurt will die Thüringer AfD den Bau einer Moschee verhindern.

Verbale Schlagabtausch endete noch unharmonischer als erwartet

AfD-Chefing Petry entgegnete den Vorwürden, die Muslimenvertreter des ZMD hätten die AfD in die Nähe des Dritten Reichs gerückt. Das sei inakzeptabel. Deshalb habe man das Gespräch beendet. Der postwendende Konter von Aiman Mazyek, die AfD habe klargemacht, „dass man den Weg des Populismus und der Diffamierung und auch vor allem der Vorurteile weitergehen will“.

So hätten sich AfD-Vertreter sich geweigert, Passagen aus ihrem Parteiprogramm zu streichen, die sich gegen die Muslime richteten. Dazu gehörten die Einmischung in die Frage, wie Moscheen in Deutschland gebaut werden sollten. Nach dem Treffen sagte Mazyek: „Wir haben gesagt, dass das Grundgesetz nicht verhandelbar ist und dass das die Grundlage unseres Gespräches ist.“

Kopftuch und Burka als „Knackpunkte“

Petry berichtete, sie habe versucht, mit dem Zentralrat über den Islam und über die Scharia zu sprechen. Die Verbandsvertreter hätten sich ihren konkreten Fragen jedoch verweigert.

Streit gab es auch um das islamische Kopftuch. Mazyek sagte, eine Frau könne von ihrem „Selbstbestimmungsrecht“ Gebrauch machen und ein Kopftuch tragen oder auch nicht. Die AfD fand diese Argumentation absurd.

Demnächst werde man auch noch das Tragen der Burka als Freiheitsrecht verkaufen, sagte Paul Hampel, der den Landesverband der AfD im norddeutschen Niedersachsen leitet. (dpa)