Letztes Update am Fr, 09.06.2017 13:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien-Wahl

Die nordirische DUP: Wer ist Mays neue Partnerin?

Trotz drastischer Verluste für ihre Konservativen bei der Parlamentswahl will Premierministerin Theresa May eine neue Regierung bilden. Berichten zufolge will die nordirische DUP (Democratic Unionist Party) die Tories im Unterhaus unterstützen, ohne aber eine formelle Koalition einzugehen. Doch wer ist Mays neue Partnerin?

DUP-Chefin Arlene Foster.

© X03756DUP-Chefin Arlene Foster.



London – Die Democratic Unionist Party (DUP) ist die wichtigste protestantisch-unionistische Partei in Nordirland. Sie wurde 1971 von dem als politischer Hardliner geltenden protestantischen Pfarrer Ian Paisley (1926-2014) gegründet. Derzeit wird sie von Arlene Foster geführt. Die DUP setzt sich strikt für den Erhalt der Einheit des Vereinigten Königreichs ein und vertritt im Nordirland-Konflikt die pro-britische Seite.

Die DUP befürwortet den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Beim Brexit-Referendum, bei dem Nordirland insgesamt für den Verbleib in der EU stimmte, hatten vor allem Gebiete der Unionisten für den Austritt votiert. Foster sprach sich aber wegen der besonderen Situation des einstigen Bürgerkriegsgebiets an der Grenze zur Republik Irland gegen einen harten Brexit aus, der Grenzkontrolle über die Zugehörigkeit zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion stellt. Nach einem Brexit verläuft nämlich eine EU-Außengrenze zwischen Irland und Nordirland, die Nordiren befürchten dann wirtschaftliche Nachteile und Probleme, wenn sie ihre Verwandten auf der anderen Seite besuchen wollen.

Die DUP und die katholisch-republikanische Sinn Fein, die sich seit 2007 die Macht teilen, verhandeln seit Wochen erfolglos über eine neue Regierungskoalition in Belfast. Aus der Parlamentswahl im März gingen die Unionisten nur noch mit hauchdünnem Vorsprung als stärkste Partei hervor. Das Bündnis war im Jänner im Streit über ein misslungenes Förderprogramm für erneuerbare Energien zerbrochen.

die britische Premierministerin Theresa May in der Parlamentswahl die Mehrheit verloren hat, könnte die DUP zum „Königsmacher“ werden und ihr helfen, weiterhin eine Regierung zu führen. Offenbar wissen auch viele Briten nicht Bescheid über die nordirische Partei, die plötzlich landesweit so wichtig ist. Jedenfalls war sie die am meisten gegoogelte Partei im Land in der Nacht auf Freitag. Auch die DUP-Website brach unter den vielen Anfragen fast zusammen. (dpa)