Letztes Update am Mi, 06.09.2017 22:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Wahlkampf-Auftritt von Merkel von AFD-Anhängern gestört

Ein Auftritt der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Sachsen wurde durch Personen mit Utensilien von AFD und NPD mit Lärm gestört. Der Polizei zufolge war die Demo von Rechtsextremisten organisiert worden.

Die Gegendemonstranten schwenkten Fahnen von NPD - und auch von AFD.

© AFPDie Gegendemonstranten schwenkten Fahnen von NPD - und auch von AFD.



Berlin – Mit Pfiffen und Buh-Rufen haben mehr als hundert Protestierende am Mittwoch in Torgau (Sachsen) versucht, die Wahlkampfrede der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu übertönen. Sie hielten teilweise Plakate der rechtspopulistischen AfD (Alternative für Deutschland) und der rechtsextremen NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) in die Höhe.

Merkel ging nur zu Beginn kurz auf den Lärm ein und sprach danach rund eine halbe Stunde lang. Ihre Kritiker setzten während Merkels Rede ununterbrochen Trillerpfeifen und Tröten ein und schrien unter anderem „Hau ab“. Nach Einschätzung aus dem CDU-Wahlkampfteam war der Protest in Torgau ungewöhnlich heftig und laut.

Nach Angaben der Polizei kamen rund 1.100 Menschen auf den Marktplatz der nordsächsischen Stadt zum Wahlkampftermin der Kanzlerin. Die Zuhörer, die sich mit Schirmen und Plastikumhängen gegen den Regen wappneten, wurden umrahmt von zahlreichen Demonstranten.

Rechtsextreme und Verein bei Gegendemo

Der Polizei zufolge waren die Gegenveranstaltungen von der rechtsextremen „Volksbewegung Thügida“ und einem Verein namens „Spektrum“ organisiert, der sich nach eigenen Angaben für Meinungsfreiheit und Demokratie einsetzt. Nach Angaben der Polizei versammelten diese beiden Veranstaltungen rund 100 Teilnehmer. Demnach zeigten zwei 36 und 39 Jahre alte Männer aus Finsterwalde und Umgebung den Hitlergruß. Gegen beide sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte die Polizei in Cottbus mit.

Den Angaben zufolge wird zudem gegen zwei weitere Männer im Alter von 21 und 39 Jahren wegen Körperverletzung ermittelt. Diese hätten mit Fäusten andere Teilnehmer der Versammlung geschlagen.

Merkel reagiert gelassen

Merkel reagierte zu Beginn ihres Auftritts betont gelassen auf die Störenfriede. Sie verwies auf ein Treffen, das sie zuvor mit Vertretern der Opposition aus Venezuela gehabt hatte. „Die würden sich freuen“, wenn sie ihrem Protest so Ausdruck geben könnten, sagte die Kanzlerin. Deutschland könne „dankbar sein, dass wir heute Demokratie und freie Wahlen haben“, fügte sie hinzu. In ihrer Wahlkampfrede ging sie nicht weiter auf das Spektakel ein.

Die Kanzlerin war am Dienstag bei einem Auftritt in Heidelberg mit Paradeisern beworfen, aber nicht direkt getroffen worden. Pfiffe und Buh-Rufe hatte es vor einigen Tagen auch bei Merkels Wahlkampf-Auftritt in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt gegeben.


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Boris Johnson nach der Bekanntgabe seiner Wahl.Großbritannien
Großbritannien

Brexit-Hardliner Johnson wird neuer britischer Premierminister

Boris Johnson hat sich gegen seine Konkurrenz durchgesetzt und in der Urabstimmung der Parteimitglieder mit großem Abstand gewonnen. Direkt nach der Wahl kün ...

brexit2017
Boris Johnson hat sich gegen seine Konkurrenz durchgesetzt und in der Urabstimmung der Parteimitglieder mit großem Abstand gewonnen. Fragen und Antworten
Fragen und Antworten

Angst vor Boris? Was das Votum für Johnson für die EU bedeutet

Mit ihrer harten Haltung in den Brexit-Verhandlungen trug die EU maßgeblich zum Ende der politischen Karriere von Theresa May bei. Mit Boris Johnson könnte e ...

brexit2017
Boris Johnson ist in Downing Street Nr. 10 angekommen - als Premierminister. Es erwartet ihn eine schwere Aufgabe.Porträt
Porträt

Boris Johnson: Scharlatan oder genialer Machtpolitiker?

Boris Johnson hat sein Ziel erreicht. Er ist als Premierminister in der Downing Street 10 angekommen – vor allem dank des Chaos um den Brexit. Ein Zustand, d ...

brexit2017
Pedro Sánchez war bei der Wahl erfolgreich, ringt jedoch um eine Mehrheit im Parlament.Spanien
Spanien

Sánchez bei erster Abstimmung über Wiederwahl gescheitert

Der spanische Premier muss um seinen Verbleib im Amt bangen. In einer ersten Abstimmung erhielt er nicht genug Stimmen. Der Sozialist konnte zwar die Wahl ge ...

Flüchtlinge im Mittelmeer.EU
EU

Flüchtlings-Verteilung: Kurz kritisiert auch neuen Plan

Deutschland und Frankreich arbeiten an einem Verteilungsmechanismus für Flüchtlinge in der EU, der auf Freiwilligkeit basieren soll. ÖVP-Spitzenkandidat und ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »