Letztes Update am Do, 08.03.2018 17:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Video

Aufregung um Video von ungarischem Minister zu Wien

Der ungarische Kanzleramtsminister Janos Lazar machte mit einem Video auf sich aufmerksam. Darin äußert er sich zur Migration in Wien. Kritiker verurteilten den Clip als fremdenfeindlich, auch von Facebook wurde er gelöscht. Indes gibt es eine Antwort in Form eines Videobeitrages.

© YouTube/ScreenshotDer ungarische Minister beklagte sich in dem Video nicht nur über die vielen Migranten, sondern auch über Dreck auf den Straßen.



Wien, Budapest — Wien sei schmutzig, unsicher und höchst kriminell, und das nur wegen der Zuwanderer. Das behauptete der ungarische Kanzleramtsminister Janos Lazar in einem Video, das er in der Nacht auf Mittwoch auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. In dem Video drohte Lazar: Würde die Opposition am 8. April bei den Parlamentswahlen in Ungarn siegen, werde Budapest in 20 Jahren so aussehen wie Wien.

Lazar behauptete in dem wohl in der Favoritenstraße in Wien-Favoriten gedrehten Video, dass es vor 20 Jahren noch keinen Zuwanderer in diesem Bezirk gegeben habe, heute seien hingegen nur noch Pensionisten die einzigen verbliebenen Österreicher. Er wollte nach eigener Aussage einige Zuwanderer fragen, wie es ihnen denn in Wien gefalle, doch "keiner antwortete, da keiner Deutsch sprach". Es gebe viele Wiener Schulen, in denen "bereits keine weißen Wiener Kinder mehr lernen, sondern nur noch muslimische Kinder und Kinder aus Nahost", meinte Lazar.

Das Video wurde vorübergehend von Facebook gelöscht, wie Lazar später bekannt gab. Der Minister zeigte sich in einem Facebook-Eintrag empört und forderte das soziale Netzwerk auf, das Video wieder einzustellen, da ansonsten sein "Recht auf Rede- und Meinungsfreiheit" beschnitten würde. Er veröffentlichte den Screenshot einer Facebook-Mitteilung an ihn, aus dem hervorgeht, dass das soziale Netzwerk Beiträge entfernt, die Menschen etwa aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit angreifen. Später stellte Facebook das Video wieder her. Facebook begründete diesen Schritt laut Reuters mit dem Nachrichtenwert des Beitrags.

Empörung in Wiener Stadtführung

Aus der Wiener Stadtführung hagelte es Empörung über das Video. Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) meldete sich etwa via Twitter mit harscher Kritik. Als Stadträtin für Internationales und "stolze Wienerin" protestiere sie "auf das Schärfste" gegen die Darstellung ihrer Heimatstadt. Auch Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) übersandte dem Minister mittels Facebook-Posting "wienliebe" und "favoritenpride".

Auch die FPÖ hatte mit dem Kurzfilm keine Freude. Zwar hätten sich in den vergangenen Jahren unter der rot-grünen Rathaus-Koalition tatsächlich viele Dinge in die falsche Richtung entwickelt, befand der blaue Vizebürgermeister Dominik Nepp, aber das Video sei "unangemessen und im Sinne der an sich freundschaftlichen Beziehungen unter Nachbarländen nicht gerade ein Akt der Höflichkeit".

Innenminister Kickl wollte Video nicht kommentieren

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wollte indes das Video des ungarischen Kanzleramtsministers nicht öffentlich kommentieren. Er freue sich, dass Österreich ein "ausgezeichnetes nachbarschaftliches Verhältnis zu Ungarn" habe, sagte Kickl am Donnerstag vor einem EU-Ministerrat in Brüssel.

Er "kenne dieses Video nicht, ich habe darüber gelesen", sagte Kickl. Es sei "eine gute Gepflogenheit, dass man Bemerkungen, selbst wenn sie einigermaßen undiplomatisch sind, nicht in der Öffentlichkeit weiter kommentiert". Er sei aber auch niemand, der sich in einem direkten Gespräch ein Blatt vor dem Mund nehme, sagte der Innenminister.

Kurz pocht auf "guten Umgangston"

"Unter Nachbarn sollte man einen guten Umgangston pflegen sowie so eng wie möglich zusammenarbeiten", betonte Bundeskanzler Sebastian Kurz. "Unsere Beziehungen mit Ungarn sind jedenfalls ausgezeichnet und beim Kampf gegen illegale Migration ziehen wir an einem Strang", sagte der Bundeskanzler in einer der APA am Donnerstag übermittelten Stellungnahme.

Lazar hatte sich zuvor bei einer Pressekonferenz um Schadensbegrenzung bemüht. Nach einem Telefonat mit seinem österreichischen Amtskollegen Gernot Blümel (ÖVP) sagte Lazar: "Ich wollte keinen Wiener beleidigen."

Lazar bekräftigte aber die Kernaussage seines Videos, in dem er Wien als eine Art Schreckensszenario in Sachen Einwanderung dargestellt hatte, die die Stadt "schmutzig" und "unsicher" gemacht habe. Er habe "darauf hinweisen" wollen, "welche Folgen Einwanderung haben kann", bekräftigte der Parteifreund von Ministerpräsident Viktor Orban am Donnerstag. Der Aufruf aus Wien habe vor allem den Ungarn gegolten, schließlich gelte es bei der Parlamentswahl am 8. April zu verhindern, dass Ungarn ein Einwanderungsland werde.

Video-Antwort zerpflückt Clip des Ministers

Von einem ungarischen Nachrichtenportal wurde eine Antwort auf das umstrittene Video des Fidesz-Ministers veröffentlicht. Darauf erklären Österreicher, unter anderem mit dem Beleg von Statistiken, wie sich die Migration Wien in den vergangenen Jahrzehnten entwickelte. Und dass auch viele Ungarn historisch bedingt in Wien leben.