Letztes Update am Mo, 30.07.2018 21:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU

UNHCR verurteilt rassistische Attacken in Italien

„Zügellose Gewalt“ gegen Flüchtlinge, aber auch gegen Italiener ausländischer Abstammung prangert das UNO-Hilfswerk an. Innenminister Matteo Salvini bestreitet, dass Italien einen „Rassismus-Notstand“ erlebe.

© AFPIn immer mehr Städten protestieren Italiener gegen die extreme Verschärfung der Migrationspolitik unter Innenminister Salvini.



Genf, Rom - Das UNO-Flüchtlingswerk UNHCR hat die Welle rassistischer Angriffe in Italien verurteilt. Es gebe immer mehr „Attacken gegen Migranten, Asylsuchende, Flüchtlinge sowie italienische Staatsbürger ausländischer Abstammung“, hieß es in einer Aussendung vom Montag. „Wir können dieses Eskalieren zügelloser Gewalt nicht erdulden“, sagte Felipe Camargo, Vertreter für Südeuropa des Flüchtlingswerks.

Fall Osakue schlägt hohe Wellen

In der Nacht auf Montag wurde die italienische Sportlerin Daisy Osakue in Moncalieri in der norditalienischen Region Piemont angegriffen. Die Diskuswerferin mit nigerianischen Wurzeln wurde von einem vorbeifahrenden Auto von Unbekannten mit Eiern beworfen. Die 22-Jährige, deren Eltern seit 24 Jahren in Italien leben, wurde an einem Auge verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei ermittelt in dem Fall.

Sozialdemokraten-Chef Maurizio Martina rief zu einer Solidaritätskundgebung für die Athletin und gegen jede Form von Rassismus auf. „Überall in Italien mehren sich rassistische Vorfälle, doch Innenminister Matteo Salvini leugnet das“, kommentierte Martina. Zahlreiche Solidaritätserklärungen trafen bei Osakue ein. „Die Regierung darf das Phänomen Rassismus nicht ignorieren. Wir müssen menschlich bleiben“, so Ex-Premier Matteo Renzi auf Twitter.

Innenminister Matteo Salvini bestritt, dass Italien einen „Rassismus-Notstand“ erlebe. Er wünschte Osakue eine baldige Genesung. „Ich hoffe, sie bald zu treffen“, sagte der Chef der rechten Lega. Er verteidigte seine Einwanderungspolitik. „Angreifen und schlagen ist ein Verbrechen, dieses Verhalten muss bestraft werden. Aber die Italiener und die Regierung wegen einiger weniger Vorfälle des Rassismus zu bezichtigen, ist verrückt. Täglich begehen Ausländer in Italien circa 700 Verbrechen pro Tag, das sind fast ein Drittel aller Delikte“, betonte Salvini. (APA)