Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Bezirk Reutte

Zahnlose EU-Vorschriften lassen Motoren heulen

EU-Abgeordnete Claudia Schmidt sieht sich als Mitstreiterin im Kampf gegen den Motorradlärm. Symposium soll Aufsehen erregen.

Diskussion über Motorradlärm (v. l.): Gastgeber Armin Walch (Burgenwelt Ehrenberg), Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller, Europa-Abgeordnete Claudia Schmidt, REA-Geschäftsführer Günter Salchner und der Reuttener Vizebürgermeister Klaus Schimana.

© Tea MarenceDiskussion über Motorradlärm (v. l.): Gastgeber Armin Walch (Burgenwelt Ehrenberg), Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller, Europa-Abgeordnete Claudia Schmidt, REA-Geschäftsführer Günter Salchner und der Reuttener Vizebürgermeister Klaus Schimana.



Reutte – An den beliebten Biker-Strecken im Außerfern und im Oberallgäu kehrt wieder Ruhe ein. Nicht leiser werden hingegen die Rufe nach Maßnahmen gegen den Krach, mit dem rücksichtslose Biker die Region beschallen. Diese Rufe werden längst auch im Europaparlament gehört. Kürzlich besuchte die EU-Abgeordnete Claudia Schmidt von der Europäischen Volkspartei (EVP) das Außerfern. REA-Geschäftsführer Günter Salchner nutzte diesen Besuch, um auf die europäische Dimension dieses Problems hinzuweisen. „Zum einen sind viele Regionen in Europa von dieser Art von Lärm betroffen. Zum anderen sind zahnlose EU-Vorschriften für die Zulassung neuer Motorradmodelle eine der zentralen Wurzeln des Problems“, weiß Salchner.

Schmidt sieht sich als Mitstreiterin im Kampf gegen diesen unnötigen Lärm. Sie berichtete von einer gemeinsamen Initiative von EVP, Sozialdemokraten und Grünen zur Verschärfung des entsprechenden europäischen Regelwerks. „Derzeit sind beim Zulassungsverfahren Lärmgrenzwerte nur bei höchstens 80 km/h einzuhalten. Diese Testbedingungen sind absolut realitätsfern“, sagt Schmidt und fügt hinzu: „Wir fordern daher, dass diese besser an die tatsächliche Situation auf der Straße angepasst werden. Lärmgrenzwerte müssen auch für höhere Geschwindigkeiten und Drehzahlen gelten. Zudem besteht laut EU-Verordnung 540/2014 derzeit keine Pflicht, bei der Beantragung der EU-Typengenehmigung auch tatsächlich Prüfungen durchzuführen. Hersteller müssen lediglich schriftlich versichern, dass die Modelle die Norm einhalten.“ Auch hier sieht Schmidt Handlungsbedarf.

Eine weitere Schwachstelle liegt für Salchner in der EU-Richtlinie zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm. Demnach wird eine unzulässige Lärmbelästigung nur anhand von Mittelwerten abgeleitet. Motorradlärm lässt sich auf diese Weise aber nicht abbilden. „Es sind die aggressiven Lärmspitzen beim Beschleunigen der Maschinen, die den Anrainern und Urlaubern den Nerv rauben“, hält Salchner fest.

Um auf europäischer Ebene Gehör zu finden, setzt REA auch auf die internationale Vernetzung mit anderen betroffenen Regionen. Kürzlich meldete sich Peter Cremer, Bürgermeister der Stadt Heimbach in Nordrhein-Westfalen, bei seinem Weißenbacher Kollegen Hans Dreier. Cremer plant in der dortigen Nationalparkregion Eifel für das Frühjahr 2019 ein deutschlandweites Symposium gegen Motorradlärm. Ziel der Veranstaltung ist es, internationales Aufsehen zu erregen und die verantwortlichen Politiker in Land, Bund und Europäischer Union auf die Problematik aufmerksam zu machen. Kontakte bestehen auch in die Leader-Region Südschwarzwald. Ende November wird Christopher Krull, Tourismusdirektor von Oberstaufen und früher im Schwarzwald tätig, im Rahmen einer grenzüberschreitenden Regionalkonferenz berichten, welche Maßnahmen im Südschwarzwald ergriffen wurden. Im Außerfern und im Oberallgäu erwartet man sich davon wertvolle Inputs. Fahrverbote für Motorräder wie an der Schau-ins-Land-Strecke zeugen jedenfalls von einer etwas strengeren Handhabe im Bundesland Baden-Württemberg. (TT, fasi)