Letztes Update am Mi, 24.10.2018 15:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kampf gegen Plastikmüll

EU-Parlament stimmt deutlich für Verbot von Wegwerf-Plastik

Ab 2021 sollen Trinkhalme, Einweggeschirr, Wattestäbchen und andere Einwegprodukte aus Plastik verboten werden. Zudem sollen die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet werden, Plastikflaschen zu recyceln.

(Symbolfoto)

© iStockphoto(Symbolfoto)



Straßburg – Das Europarlament hat am Mittwoch in Straßburg ein Verkaufsverbot für Einweg-Kunststoffartikel beschlossen und für Verhandlungen mit dem Rat an den zuständigen Ausschuss zurückgewiesen. Der Parlamentsvorschlag sieht vor, dass jene zehn Wegwerfprodukte, die am häufigsten an Europas Stränden gefunden werden und über 70 Prozent der Abfälle im Meer ausmachen, ab 2021 verboten werden.

Plastikflaschen sollen künftig in der gesamten EU separat gesammelt werden. Zudem sollen die EU-Staaten bis 2025 mindestens 90 Prozent der Einweg-Plastikflaschen wiederverwerten. Unter österreichischem Ratsvorsitz sollen sich die Umweltminister der EU-Staaten noch heuer auf eine gemeinsame Position verständigen, dies sei „eine Priorität des Ratsvorsitzes“, hieß es aus Ratskreisen. Danach beginnen die Trilog-Verhandlungen.

Verboten werden sollen Trinkhalme, Einweggeschirr, Wattestäbchen und andere Wegwerfprodukte aus Plastik. Für die Neuregelung stimmten 571 Europa-Abgeordnete, 53 votierten dagegen und 34 enthielten sich.

Reduktion von anderen Plastikprodukten angepeilt

Die geplante Neuregelung sieht vor, eine Reihe von Einwegprodukten, für die es bereits Alternativen gibt, ab 2021 ganz aus der EU zu verbannen. Für Verpackungen oder Trinkbecher, die nicht unter das Verbot fallen, fordert das Parlament ein Reduktionsziel von 25 Prozent bis 2025.

Die Parlamentarier weiteten die von der Kommission vorgelegte Produktliste noch aus: Nach ihrem Willen sollen auch dünne Plastiksackerl und geschäumte Polystyrol-Einwegbehälter, die etwa in Fast-Food-Restaurants verwendet werden, unter das Verbot fallen. Außerdem fordert das Europaparlament, die Zahl der Zigarettenfilter, die Plastik enthalten, bis 2025 um 50 und bis 2030 um 80 Prozent zu reduzieren.

null
-

Plastikflaschen sollen der Vorlage zufolge separat gesammelt werden. Außerdem sollen die Mitgliedstaaten die Auflage bekommen, bis 2025 Einweg-Plastikflaschen zu 90 Prozent wiederzuverwerten. Neu verkaufte Flaschen sollen dann zu mindestens 35 Prozent aus recyceltem Material bestehen – damit wertvolle Rohmaterialien nicht verschwendet werden.

Fischernetze sollen eingesammelt werden

Die EU-Staaten sollen zudem dafür sorgen, dass mindesten 50 Prozent der Fischernetze, die in den Meeren treiben, eingesammelt werden. Bis 2025 soll dafür eine Recyclingquote von mindestens 15 Prozent vorgeschrieben werden.

Ferner verlangt das Europaparlament, dass die Hersteller von Zigaretten und Fischereigeräten an den Kosten für das Sammeln, Recyceln sowie die Säuberung der Meere und Strände beteiligt werden. Ein einziger Zigarettenfilter könne zwischen 500 und Tausend Liter Wasser verschmutzen und benötige bis zu zwölf Jahre, um sich aufzulösen, begründete das Parlament diese Forderung.

Umweltschützer sehen historischen Tag

Umweltorganisationen begrüßten das geplante Verbot. „Das Europäische Parlament hat heute Geschichte geschrieben“, hieß es in einer Aussendung von Global 2000. Nun seien die nationalen Regierungen am Zug: Diese müssten nun sicherstellen, das die Richtlinie nicht verwässert wird und dem Druck der Industrie nicht nachgegeben wird. Greenpeace forderte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) auf, sich für eine Richtlinie zu stark machen, die keine Schlupflöcher für Konzerne offen lasse.

Die FPÖ habe dem Verbot für Einwegplastik zugestimmt, auch „wenn der Vorschlag ein bisschen überschießend“ gewesen sei, erklärte der FPÖ-Europaabgeordnete Georg Mayer. Wichtig wäre es gewesen, auch die großen Müllverursacher USA und China mit an Bord zu holen. Die NEOS freuen sich über das Abstimmungsergebnis. Die EU sei damit weltweit Pionier im Kampf gegen den Plastikmüll, meinte Europaabgeordnete Angelika Mlinar. (TT.com, APA)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Aufatmen für die 356 Migranten an Bord des Rettungsschiffes „Ocean Viking“.Seenotrettung
Seenotrettung

Lösung für Migranten auf „Ocean Viking“: Malta genehmigt Landung

Das Rettungsschiff „Ocean Viking“ darf in Malta anlegen. Die 356 Migranten an Bord werden auf die EU-Mitgliedsstaaten Frankreich, Deutschland, Irland, Luxemb ...

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat die Regierungskrise losgetreten. Nun wird über das weitere Vorgehen beraten.Krise in Italien
Krise in Italien

Salvini im Abseits: Sozialdemokraten prüfen Allianz mit Fünf Sternen

PD-Chef Zingaretti könnte sich eine Koalition mit den Fünf Sternen vorstellen, jedoch „nicht um jeden Preis“. Berlusconi spricht sich für eine „Mitte-Rechts- ...

Der britische Premierminister Boris Johnson und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (r.).Brexit-Drama
Brexit-Drama

Johnson gibt sich nach Gespräch mit Macron optimistisch

Boris Johnson sagte nach einem Treffen mit Macron, er sei im Brexit-Streit „ermutigt“ – durch die Gespräche mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Auch M ...

brexit2017
Symbolfoto.Deutschland
Deutschland

VW will Namen der Volkswagen-Halle bei AfD-Parteitag verdecken

Die Belegschaft stellte über den Betriebsrat klar, dass sich die Partei „Alternative für Deutschland“ gegen die Werte von VW richte.

Der zurückgetretene italenische Ministerpräsident Giuseppe Conte und Innenminister Matteo Salvini (r.).Internationale Pressestimmen
Internationale Pressestimmen

„Wie ein Vergüngungspark der 60er“: Presse zu Regierungskrise in Rom

Die Regierungskrise in Italien beschäftigt am Donnerstag die Medien. Im Zentrum dabei: Der Plan Salvinis, durch Neuwahlen an die Macht zu kommen.

Weitere Artikel aus der Kategorie »