Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Exklusiv

Tiroler VP forciert Vize-Obfrau für EU-Wahl

Wirtschaftskammervizepräsidentin und Platter-Stellvertreterin Barbara Thaler soll für die EU-Wahl kandidieren. Eine VP-Westachse gibt es aber nicht.

Barbara Thaler soll zur „bestplatziertesten“ Kandidatin der Tiroler Volkspartei auf der ÖVP-Bundesliste gekürt werden.

© BöhmBarbara Thaler soll zur „bestplatziertesten“ Kandidatin der Tiroler Volkspartei auf der ÖVP-Bundesliste gekürt werden.



Innsbruck — Ende der Woche läuft die Nominierungsfrist der ÖVP-Landesorganisationen für die Europawahl am 26. Mai ab. Sollte nicht noch ein politisches Wunder geschehen, wird es keinen gemeinsamen Westachsenkandidaten der ÖVP-Landesorganisationen aus Tirol, Vorarlberg und Salzburg geben.

Weil die Salzburger weiter die bisherige EU-Abgeordnete Claudia Schmidt unterstützen, die aber in der Tiroler ÖVP auf wenig Gegenliebe stößt, legen es die hiesigen Schwarzen auf ein EU-Solo an. Ein schwieriges Unterfangen, entscheiden doch bei der ÖVP-internen Mandatsvergabe zum Schluss die Vorzugsstimmen. Die stellvertretende VP-Obfrau und Wirtschaftskammervizepräsidentin Barbara Thaler wird von der Tiroler VP als EU-Bewerberin forciert. Zugleich mehren sich kritische Stimmen, die von einem Übergewicht der Wirtschaft sprechen.

Tirol mit Europa-Solo

Eigentlich hätte Tirols ÖVP-Chef und Landeshauptmann Günther Platter gerne einen gemeinsamen Kandidaten der Westachse von Tirol, Vorarlberg und Salzburg für die Europawahl am 26. Mai präsentiert. Doch Salzburg machte diesen Bestrebungen einen Strich durch die Rechnung: Die dortige Volkspartei hält an der bisherigen Europaparlamentarierin Claudia Schmidt fest. Unterstützung für sie gibt es von der Tiroler ÖVP keine, zu wenig hat sich die EU-Abgeordnete um die Anliegen des westlichen Nachbarn in Brüssel und Straßburg gekümmert.

Deshalb setzt die Tiroler Volkspartei zu einem Europa-Solo an. An sich spielt die Reihung auf der ÖVP-Bundesliste — Österreich ist bei der Europawahl ein einziger Wahlkreis — ohnehin keine Rolle, weil beim VP-internen Vorzugsstimmenmodell jede Stimme zählt. Unter den zehn Erstgereihten sollte der Vertreter der Tiroler VP aber trotzdem sein, um zumindest einen Hauch von einer Chance zu haben. Bei den drei großen ÖVP-Bünden gehen die Tiroler nämlich leer aus. Der Wirtschaftsbund forciert die Oberösterreicherin Angelika Winzig, die Bauern die Steirerin Simone Schmiedtbauer und die Arbeitnehmer (AAB) schicken den Europaabgeordneten Lukas Mandl aus Niederösterreich ins Rennen. An Othmar Karas dürfte Parteichef und Vizekanzler Sebastian Kurz nicht vorbeikommen, dann ist noch eine Quereinsteigerin im Gespräch.

Übergewicht der Wirtschaft

Für die Tiroler ÖVP wird es möglicherweise erst ab Platz sechs oder sieben spannend. Ende der Woche werden die Kandidaten nach Wien gemeldet, intern gilt es allerdings als ausgemacht, dass Platters Stellvertreterin und Wirtschaftskammervizepräsidentin Barbara Thaler (Wirtschaftsbund) forciert wird. Thalers größtes Manko: In der Vergangenheit wurde sie immer wieder für diverse Funktionen und Mandate gehandelt, doch schlussendlich reichte es nur zur stellvertretenden Bundesrätin. Zuletzt mehrten sich jedoch die kritischen Stimmen in der Tiroler VP, weil von einem gewissen Übergewicht der Wirtschaft die Rede ist. Neben den drei Nationalratsabgeordneten stellt der Tiroler Wirtschaftsbund auch die Wirtschaftsministerin.

Innerparteilich hat Thaler ebenfalls nicht nur Freunde, der Rückhalt in der Partei ist enden wollend. Ihr Vorteil: Die Bauern werden auf einen jugendlichen Kandidaten vertrauen, der AAB überlegt noch. Will die Tiroler Volkspartei seit Richard Seeber (bis 2014) wieder im Europaparlament vertreten sein, muss die gesamte Partei hinter ihrer Kandidatin stehen. Das weiß auch Platter. Ob das allerdings gelingt, ist derzeit mehr als ungewiss. (pn)