Letztes Update am Mi, 27.03.2019 18:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Plastik-Verbote

EU-Parlament billigt stufenweisen Plan im Kampf gegen Plastik

Ab 2021 wird Einwegplastik in der EU verboten sein – darunter fallen etwa Strohhalme, Plastik-Besteck oder Wattestäbchen. In den Folgejahren werden die Auflagen stufenweise noch strenger.

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Straßburg – Das Europaparlament hat das Verbot von Einweg-Plastikartikeln gebilligt. Für das EU-Gesetz stimmte am Mittwoch eine Mehrheit der Abgeordneten in Straßburg. Spätestens 2021 müssen Produkte wie Strohhalme, Teller und Wattestäbchen aus Einwegkunststoff durch umweltfreundlichere Artikel ersetzt werden. Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) will, dass Österreich die Vorgaben rascher erfüllt.

Ab 2024 müssen außerdem Deckel fest mit den Plastikflaschen verbunden sein. Zudem müssen die Flaschen anteilig aus recyceltem Material bestehen und ab 2029 zu mindestens 90 Prozent eingesammelt werden.

80 Prozent der Abfälle im Meer aus Plastik

Nach Angaben der EU-Kommission sind mehr als 80 Prozent der Abfälle im Meer Plastikmüll. An den Stränden besteht der Müll vorwiegend aus Plastikflaschen, Kunststoffdeckeln und Zigarettenstummeln.

Die Tabak-Hersteller werden künftig zur Deckung der Kosten für Abfallbewirtschaftung, Reinigung und Sensibilisierung beitragen müssen. Auch für die Hersteller von Fanggerät soll eine solche Regelung gelten. Sie – und nicht die Fischer – müssen die Kosten für die Sammlung von im Meer verlorenen Netzen tragen.

Köstinger sieht „notwendigen Kulturwechsel“

„Es braucht solche ambitionierten Maßnahmen, damit uns das Umdenken in Sachen Plastik in ganz Europa gelingen kann“, sagte die SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach. „Wir müssen drei Dinge schaffen: Erstens Produkte ersetzen, für die es gute Alternativen gibt; zweitens in Forschung in neue Umwelttechnologie investieren, damit noch mehr Alternativen entstehen; drittens durch eine starke EU-Außenpolitik andere Teile der Welt beim Kampf für Nachhaltigkeit einbinden“, meinte der ÖVP-Europaabgeordnete Lukas Mandl.

Köstinger erinnerte daran, dass unter österreichischer EU-Ratspräsidentschaft im Vorjahr die Verhandlungen zwischen den EU-Staaten, dem EU-Parlament und der EU-Kommission abgeschlossen wurden. „Allein die Tatsache, dass rund 50 Prozent des Plastikmülls an europäischen Stränden aus Einwegplastik bestehen, verdeutlicht, wie notwendig hier ein Kulturwechsel ist“, sagte sie.

Zu dem Verbot gehört auch die Reduktion bestimmter Artikel wie Fast-Food-Verpackungen oder Trinkbecher, wie auch die Kennzeichnungspflicht und Entsorgungsempfehlungen bei Produkten mit negativen Umweltauswirkungen (z.B. Feuchttücher, Luftballons).

Deutlich strengere CO2-Auflagen für Autos

Das Europaparlament brachte am Abend auch die neuen CO2-Auflagen für Autos auf den Weg. Bis 2030 sollen die Emissionen neuer Pkw um 37 Prozent verringert werden. Für leichte Nutzfahrzeuge gilt ein Ziel von 31 Prozent bis 2030. Als Zwischenetappe muss bis 2025 in beiden Fahrzeugklassen eine Minderung um 15 Prozent erreicht sein. Formell müssen nun noch die EU-Mitgliedstaaten zustimmen.

Die Vorgaben sind deutlich schärfer, als die Autoindustrie und die deutsche Regierung dies ursprünglich wollten.

Greenpeace begrüßt die positive Abstimmung des EU-Parlaments über die Plastik-Richtlinie. Die Umweltschutzorganisation sieht hier die österreichische Regierung gefordert. „Diese soll entsprechend ihren eigenen Ankündigungen die Richtlinie umgehend in nationales Recht umsetzen. Darüber hinausgehend braucht es ein Pfandsystem, um die Plastik-Krise einzudämmen“, hieß es von der NGO. (APA/dpa)