Letztes Update am So, 26.05.2019 08:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl

Zwei junge Frauen und Männer über 50: Spitzenkandidaten im Kurzporträt

Nur NEOS und KPÖ gehen mit Frauen an der Spitze in die EU-Wahl im Mai. Die Spitzenkandidaten der sieben antretenden Parteien im Kurzporträt.

Johannes Voggenhuber (JETZT), Werner Kogler (Die Grünen), Claudia Gamon (NEOS), Andreas Schieder (SPÖ), Harald Vilimsky (FPÖ) und Othmar Karas (ÖVP) bei der Diskussion im Radiokulturhaus.

© APAJohannes Voggenhuber (JETZT), Werner Kogler (Die Grünen), Claudia Gamon (NEOS), Andreas Schieder (SPÖ), Harald Vilimsky (FPÖ) und Othmar Karas (ÖVP) bei der Diskussion im Radiokulturhaus.



Sieben Parteien stehen am Sonntag bei der EU-Wahl am Stimmzettel stehen, nur zwei von ihnen werden von einer Frau in die Wahl geführt. Claudia Gamon (NEOS/30 Jahre) und Katerina Anastasiou (KPÖ/35 Jahre) sind zudem die mit Abstand jüngsten Listenersten. Alle anderen sind über 50, zwei über 60 Jahre alt. Drei der sieben Spitzenkandidaten sind oder waren schon im Europaparlament.

Zu den Kandidaten mit Straßburg-Erfahrung zählen die beiden über 60-Jährigen: ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas (61) ist künftig auch der dienstälteste in der Österreicher-Riege, im Juli feiert er sein 20-Jahres-Jubiläum. JETZT/Initiative 1-Kandidat Johannes Voggenhuber ist mit 68 der älteste Listenerste – und war für die Grünen mehr als 14 Jahre (bis 2009) im Europaparlament. Harald Vilimskys (52) ist Delegationsleiter der FPÖ und führt sie zum zweiten Mal in die Wahl.

Neu dabei sind nicht nur Gamon und Anastasiou. Auch SPÖ-Spitzenkandidat Andreas Schieder (50) und der Grüne Parteichef Werner Kogler (57) haben ihre Premiere am EU-Parkett – aber schon reichlich parlamentarische Erfahrung in Österreich gesammelt. Der Altersschnitt der sieben (sicher zur Wahl antretenden) Listenersten liegt knapp über 50 Jahren. Kurzbiografien der Spitzenkandidaten:

ÖVP: Othmar Karas

Schon seit 1999 im EU-Parlament, tritt Karas nicht nur zum zweiten Mal als ÖVP-Spitzenkandidat an, um Platz 1 zu verteidigen - sondern ist künftig auch der Dienstälteste in der Österreicher-Riege. Zwar ist sein Verbleib nicht absolut sicher, vergibt die ÖVP die Mandate doch strikt nach Vorzugsstimmen. Aber Karas war 2009 und 2014 Vorzugsstimmenkaiser. Das verhalf ihm auch unter dem neuen Parteichef Sebastian Kurz noch einmal zu Listenplatz 1 - obwohl sich der (seit 2011 nach Ernst Strasser Abgang) Delegationsleiter so manche Abweichung von der Parteilinie leistet.

Othmar Karas.
Othmar Karas.
- APA/Hochmuth

Der am 24. Dezember 1957 in Ybbs an der Donau geborene Karas schloss sein Studium der Politikwissenschaften 1996 ab, 2017 machte er das Doktorat. Zunächst noch im Banken- und Versicherungsbereich tätig, machte er in der Politik Karriere: Als Obmann der ÖVP-nahen Union Höherer Schüler (UHS) und der Jungen ÖVP, von 1983 bis 1990 als Nationalratsabgeordneter, 1995 als Generalsekretär unter Wolfgang Schüssel, ab 1999 im EU-Parlament, seit 2011 ÖVP-Delegationsleiter. Karas ist verheiratet mit der Tochter des früheren Bundespräsidenten Kurt Waldheim, Christa, und hat einen Sohn.

SPÖ: Andreas Schieder

Schieder ist Newcomer in der EU-Riege – aber reich an parlamentarischer Erfahrung, gesammelt im Wiener Landtag und im Nationalrat (seit 2013 als Klubobmann). Der Versuch, in Wien Bürgermeister Michael Häupl zu beerben, scheiterte im Jänner 2018. Die neue Parteichefin Pamela Rendi-Wagner nahm ihm im Herbst 2018 auch den KIubchef-Posten ab – allerdings mit dem Trostpflaster des EU-Listenersten. Schieder bringt dafür auch einige Erfahrung am internationalen Parkett mit, schon seit 2007 war er außenpolitischer Sprecher der SPÖ.

Andreas Schieder.
Andreas Schieder.
- APA

Der am 16. April 1969 geborene Wiener ist Magister der Volkswirtschaftslehre – und schon seit Jugendtagen in der Sozialdemokratie tätig. Von 1997 bis 2006 saß er im Wiener Landtag, im Oktober 2006 wechselte er in den Nationalrat, im Juli 2008 machte ihn Werner Faymann zum Staatssekretär (Kanzleramt, dann Finanzen), und im Oktober 2013 zum Klubobmann. Seit Juni 2016 Parteichef-Stellvertreter blieb Schieder nach der Wahlschlappe 2017 bis zur Ablösung durch Rendi-Wagner im Oktober 2018 noch geschäftsführender Klubchef. Schieder lebt mit der früheren Wiener Stadträtin Sonja Wehsely in einer Lebensgemeinschaft, sie haben einen gemeinsamen Sohn.

FPÖ: Harald Vilimsky

2014 schaffte Vilimsky als Ersatzmann für den rassismus-bedingt ausgefallenen Andreas Mölzer satte Zugewinne, heuer führt er die FPÖ zum zweiten Mal in die EU-Wahl. Der frühere EU-Gegner strebt – wie er bei aller Kritik beteuert – nicht mehr den Austritt, sondern die Reform der Union an, und dies in einer von ihm mitgebauten breiten Rechtspopulisten-Allianz u.a. gemeinsam mit Italiens Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini und Frankreichs Rechts-Außen-Politikerin Marine Le Pen. Der Innenpolitik blieb er auch nach seinem Einzug ins EU-Parlament 2014 treu, Vilimsky behielt den seit der BZÖ-Abspaltung 2006 an der Seite Heinz-Christians Straches eingenommenen Posten des FPÖ-Generalsekretärs. Sein ebenfalls damals übernommenes Nationalratsmandat wechselte er 2014 gegen den EU-Parlamentssitz ein.

Seine Parteikarriere gestartet hatte der am 22. Juli 1966 geborene Wiener - der von Beruf „akademisch geprüfter PR-Berater“ (er absolvierte einen Hochschullehrgang) - als Pressereferent, schon unter Jörg Haider im Parlamentsklub (1991 bis 1996), danach im Wiener Rathausklub, wo er 2004 bis 2006 auch Landesparteisekretär war. 2006 nahm ihn Strache als Generalsekretär in die Bundespartei und in den Nationalrat mit. Vilimsky ist verheiratet und Vater einer Tochter.

NEOS: Claudia Gamon

Auf eine junge, noch eher unbekannte Spitzenkandidatin setzen die NEOS: Die 30-jährige Nationalratsabgeordnete Claudia Gamon ersetzt heuer Angelika Mlinar, die sich wegen mangelnder Unterstützung durch die Partei zurückzog und jetzt in Slowenien antritt. Mit ihr hatten die NEOS gleich beim ersten EU-Anlauf 2014 8,1 Prozent und ein Mandat geholt. Gamons Ziel ist, „stärker abzuschneiden“ und ein zweites pinkes Mandat zu erreichen.

Claudia Gamon.
Claudia Gamon.
- APA

Politische Erfahrung hat die Jüngste im Feld der Listenersten bereits einige gesammelt. Schon während des (mit Master beendeten) Studiums International Management/CEMS engagierte sie sich für die Jungen Liberalen in der Hochschulpolitik, sie war zweimal Spitzenkandidatin bei den ÖH-Wahlen. Seit Oktober 2015 ist die am 23. Dezember 1988 in Feldkirch geborene Vorarlbergerin Abgeordnete zum Nationalrat.

Grüne: Werner Kogler

Quasi das Comeback der Bundes-Grünen - nach dem Rauswurf aus dem Nationalrat 2017 - soll die EU-Wahl werden. Also hat Werner Kogler sie zur „Chefsache“ gemacht. Der nach dem Desaster eingesprungene und im November 2018 dann offiziell gekürte Parteichef ist Spitzenkandidat. Zumindest die für ein Mandat nötigen rund fünf Prozent sind sein Ziel. Ein relativ bescheidenes nach Ulrike Lunaceks Rekordergebnis von 14,5 Prozent und drei Mandaten im Jahr 2014 - aber laut den Meinungsforschern auch ein realistisches. Viel Geld für den Wahlkampf hat Kogler nicht; er setzt auf „Herzblut und Überzeugung“, Social Media-Wahlkampf mit klassischen Grün-Themen wie Klimaschutz - und „Promi-Faktor“ mit der bekannten deutschen Köchin Sarah Wiener als Listenzweiter.

Werner Kogler.
Werner Kogler.
- APA

Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler – ein Magister der Volkswirtschaft – ist Grünes Urgestein. In den 1980er-Jahren war er Gründungsmitglied der steirischen Partei, bis 2014 ihr Landessprecher - und saß zuvor schon von 1985 bis 1988 im Grazer Gemeinderat. 1999 zog er in den Nationalrat ein, war Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher, stellvertretender Klubchef unter Eva Glawischnig - und fiel nicht nur mit langen Reden (2010 filibusterte er fast 13 Stunden lang) und Sachkenntnis, sondern auch als Aufdecker u.a. in der Causa Hypo auf.

JETZT/Initiative 1 Europa: Johannes Voggenhuber

Die vom Ex-Grünen Peter Pilz gegründete Liste JETZT würde bei der EU-Wahl gern den Nationalrats-Wahlerfolg wiederholen - und setzt dabei auf einen Ex-Grünen. Voggenhuber bemüht sich mit JETZT/INITIATIVE 1 EUROPA um sein Straßburg-Comeback. Große Chancen darauf geben ihm die Meinungsforscher aber nicht. Der älteste der sieben Spitzenkandidaten bringt nicht nur große politische Erfahrung mit, sondern auch Begeisterung für Europa: Mit der Volksabstimmung 1994 wurde der vehemente EU-Gegner zum glühenden Befürworter – und war von Anfang an (seit 1995) Europaparlamentarier. 2009 zog er bei der Listenwahl der Grünen allerdings den Kürzeren gegen Ulrike Lunacek – und brach daraufhin erbost mit seiner Partei.

Johannes Voggenhuber.
Johannes Voggenhuber.
- APA

Begonnen hatte die Karriere des am 5. Juni 1950 geborenen Salzburgers - der zunächst als Versicherungsfachangestellter tätig war - 1997 als Sprecher bei der grünen Bürgerliste in seiner Heimatstadt. Und dies gleich fulminant: 1982 holte er bei der Gemeinderatswahl ein „Traumergebnis“ und zog als erster Grüner Europas in eine Stadtregierung ein. 1988 wurde er Bundesgeschäftsführer der Grünen, 1990 zog er in den Nationalrat ein, bis 1992 war er Klubobmann, und 1995 wurde er (damals noch ohne Wahl) zum EU-Mandatar der Grünen nominiert.

KPÖ: Katerina Anastasiou

Die KPÖ (heuer mit dem Namen „KPÖ PLUS - European Left“) geht mit einer der beiden Spitzenkandidatinnen in die Wahl – und als einzige Partei mit einer Listenersten, die nicht österreichische Staatsbürgerin ist.

Katerina Anastasiou.
Katerina Anastasiou.
- KPÖ Plus

Die 35-jährige Katerina Anastasiou ist am 20. Juni 1983 in Griechenland geboren. Aber sie kennt Österreich gut, kam sie doch im Alter von 20 nach Wien, wo sie seither lebt und arbeitet. Seit 2015 ist sie für transform!europe tätig, ein Netzwerk von 32 europäischen Organisationen und Stiftung der Partei der Europäischen Linken. Dort koordiniert sie Projekte zum Thema Migration und internationale Angelegenheiten, außerdem ist sie in sozialen Initiativen und Flüchtlings- und Migranten-Organisationen aktiv. Die KPÖ war zwar – allein oder in Bündnissen – bei allen EU-Wahlen dabei, kam aber noch nie in die Nähe der für ein Mandat nötigen fast fünf Prozent.

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