Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.04.2019


Forum Alpbach

Franz Fischler: „Für die Freiheit planen, nicht für die Sicherheit“

Das Europäische Forum Alpbach widmet sich vom 14. bis 30. August der Frage, wie Freiheit und Demokratie bewahrt werden können.

„Demokratie muss gelebt werden“: Forums-Präsident Franz Fischler rief zur Teilnahme an der EU-Wahl am 26. Mai auf.

© APA„Demokratie muss gelebt werden“: Forums-Präsident Franz Fischler rief zur Teilnahme an der EU-Wahl am 26. Mai auf.



Wien – Franz Fischler zitierte zur Präsentation des Programms für das heurige Forum Alpbach den Philosophen Sir Karl Popper: „Wir müssen für die Freiheit planen, nicht für die Sicherheit.“

„Freiheit und Sicherheit“ lautet auch das Generalthema des heurigen Europäischen Forums, das von 14. bis 30. August das Alpbachtal bespielen wird. Beides sei wichtig, betonte der frühere EU-Kommissar, der dem Forum Alpbach seit 2012 vorsteht.

Ein Spannungsfeld sieht Fischler im Wechselspiel zwischen Freiheit und Sicherheit: „Wir sind tendenziell noch nicht in der Lage, eine gute Balance zu finden.“ Im Moment neige die Gesellschaft dazu, Freiheit für mehr Sicherheit – „zum Teil vermeintliche Sicherheit“ – aufzugeben. Womit er beim Problem der Angst war: „Es geht uns darum, wie wir Angst nehmen können, nicht wie wir sie schüren können. Dafür gibt es genug Leute.“

Den besten Garanten für die Freiheit sieht Fischler in der Demokratie – wobei er sich eine Spitze gegen Ungarns Premier Viktor Orbán und dessen „illiberale Demokratie“ nicht verbeißen konnte: „Illiberale Demokratie ist per definitionem keine Demokratie.“ Demokratie sei aber auch praktisches Leben, nicht nur Theorie – weshalb Fischler dazu aufrief, sich an der EU-Wahl am 26. Mai zu beteiligen.

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Das Europäische Forum Alp­bach 2019 beginnt am 14. August mit der Seminarwoche – besonders stolz sind die Organisatoren, dass sich heuer erstmals mehr als 4000 Studierende aus aller Welt um die rund 700 Stipendiatenplätze beworben haben.

Die Tirol-Tage und die offizielle Eröffnung steigen am 17. und 18. April. Als Festrednerin hat die ungarische Philosophin Ágnes Heller zugesagt. Thema der Tirol-Tage ist die Forschung in der Europaregion.

Den „Tag der Begegnungen“ am 21. August gestaltet die Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann („Waldheims Walzer“). Die Wirtschaftsgespräche (27. bis 29. August) stellen die Frage nach der künftigen Ordnung des Welthandels.

Alpbach wäre aber nicht Alpbach ohne große Namen: Aus der Politik haben sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und zahlreiche Minister angesagt – nicht aber Innenminister Herbert Kickl (FPÖ): Er habe eine Einladung ausgeschlagen, berichtete Fischler. Statt ihm diskutiert nun der frühere freiheitliche Justizminister Dieter Böhmdorfer mit dem Autor Ilija Trojanow über das Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit.

Auf der Liste der internationalen Gäste finden sich u. a. Ex-UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der frühere EU- Zentralbanker Jean-Claude Trichet sowie Mitglieder der EU-Kommission. (sabl)


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