Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


EU-Wahl 2019

Keine klassische Hochrechnung: Neuland für die Wahlforscher

Weil die letzten Wahllokale in Italien erst um 23 Uhr schließen, kann es am Abend des 26. Mai für Österreich nur eine Trendrechnung statt der üblichen klassischen Hochrechnung geben.

Symbolbild.

© TT/BöhmSymbolbild.



Von Michael Sprenger

Wien – Seit der vergangenen Bundespräsidentenwahl gibt es am Wahlabend eine verstärkte Sensibilität im Umgang mit der Auswertung von abgegebenen Stimmen. Bei der EU-Wahl kommt ein weiterer Faktor hinzu. Aufgrund einer Vorgabe der EU-Kommission dürfen die Wahlbehörden Resultate erst nach dem EU-weiten Wahlschluss an Medien weitergeben. Und dieser Wahlschluss ist in Italien erst um 23 Uhr. Obwohl die Wahllokale in Österreich spätestens um 17 Uhr schließen, darf der Innenminister das vorläufige Endergebnis nicht vor 23 Uhr verkünden.

Damit die sechs Stunden zwischen Wahlschluss in Österreich und dem Verkünden des Wahlergebnisses nicht zu einer Zeit des Wartens verkommen, bei der unüberprüfbar Gerüchte über den Wahlausgang gestreut werden können, versuchen die Wahlforscher und Hochrechner von SORA (ORF) und ARGE Wahlen (APA/ATV), in einer gemeinsamen Kraftanstrengung einen neuen Weg zu gehen.

Um 17 Uhr soll am Wahlabend eine Trendrechnung veröffentlicht werden. „Auch wenn wir ein Neuland beschreiten und die Genauigkeitserwartung eine andere sein wird als bei der klassischen Hochrechnung, erwarte ich, dass die Trendrech- nung mit einer Schwankungsbreite von maximal 2,5 Prozent dem Endergebnis inklusive Wahlkarten entsprechen wird“, erklärt SORA-Chef Christoph Hofinger im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Das Fundament für die Trendrechnung soll eine Wahlzeugenplattform liefern. Anders als der Wahlbehörde und deren Mitgliedern ist es den von den Parteien in die Wahllokale entsandten Wahlzeugen nämlich rechtlich erlaubt, das Ergebnis ihres Wahlsprengels bzw. ihrer Gemeinde, wo diese mit einem Wahlsprengel ident ist, weiterzugeben.

Die Herausforderung der Hochrechner und Wahlforscher besteht darin, knapp 400 Wahlsprengel auszuwählen, die einerseits die Wählerschaft in Österreich bestmöglich abbilden, und bei denen andererseits Vergleichsdaten der EU-Wahl 2014 abrufbar sind. Damit der Wahlabend nicht von Gerüchten dominiert wird, ist Hofinger froh, dass „führende Medien und die besten Hochrechnungs-Teams des Landes gemeinsam mit den Bürgern diese Kraftanstrengung unternehmen, um die Öffentlichkeit wie gewohnt verlässlich zu informieren“.

Und APA-Chefredakteur Johannes Bruckenberger ergänzt: „Wir wollen den Wählerinnen und Wählern sowie den Parteien möglichst rasch ein fundiertes Ergebnis zum Ausgang der EU-Wahl in Österreich liefern.“