Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.05.2019


Neuerscheinung

Migration: Die Leser sollen selbst ihre Schlüsse ziehen

Das Reportagebuch von Christoph Lehermayr (l.) und Ricardo Herrgott führt einmal fast um den ganzen Erdball.

© Das Reportagebuch von Christoph Lehermayr (l.) und Ricardo Herrgott führt einmal fast um den ganzen Erdball.



Wien – Migration ist das bestimmende Thema unserer Zeit. Insofern haben Reporter Christoph Lehermayr und Fotograf Ricardo Herrgott mit ihrem soeben im Eigenverlag erschienenen Reportagebuch „Herz oder Hirn. Die wahre Geschichte der Flucht“ tatsächlich ein Zeitdokument vorgelegt. 23 Reportagen aus Europa, der arabischen Welt, Brasilien, den USA und Kuba sind darin erstmals in dieser Form veröffentlicht. Jede für sich packend, dicht, voller detaillierter Vor-Ort-Stimmungsbilder.

Das Autorenduo, das lange zusammen für das Magazin News unterwegs war (Lehermayr ist jetzt bei addendum), zeigt Einzelschicksale von Menschen, die den Leserinnen und Lesern ermöglichen sollen „selbst ihre Schlüsse zu ziehen“. Denn, so Lehermayr im Gespräch mit der TT: „Wir haben nicht die eine Antwort und wollen auch nicht einen Fingerzeig darauf geben, wie es war. Oft wird das Thema Flucht und Migration so schwarz-weiß dargestellt. Unser Eindruck ist: In Wahrheit ist vieles grau.“

Der Erscheinungstermin kurz vor der EU-Wahl wurde nicht zufällig gewählt: „Jetzt wird wieder groß über Migration diskutiert, über ein Thema, das die Rechten groß gemacht hat. 2015 wäre eigentlich die Stunde der EU gewesen, an einem Strang zu ziehen und zu handeln, das ist aber unterblieben“, sagt Lehermayr. Seine Lieblingsgeschichte im Buch? Die über die Trump-Wähler, die „heute so gültig ist wie damals kurz nach der Wahl und erklären kann, warum Donald Präsident werden konnte und gute Chancen auf Wiederwahl hat“. (car)