Letztes Update am Fr, 07.06.2019 12:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien

Wer regiert künftig Großbritannien? Die Bewerber um Mays Nachfolge

Nach ihrem Scheitern beim Brexit hat Theresa May ihren Rücktritt bekanntgegeben. Das Rennen um den Parteivorsitz und das Amt des neuen Premiers Großbritannien nimmt indes langsam Fahrt auf.

Diese sechs kommen am ehesten in Frage: Andrea Leadsom, Boris Johnson, Jeremy Hunt, Michael Gove, Sajid Javid und Dominic Raab.

© AFPDiese sechs kommen am ehesten in Frage: Andrea Leadsom, Boris Johnson, Jeremy Hunt, Michael Gove, Sajid Javid und Dominic Raab.



London – Als Parteichefin der britischen Konservativen tritt Theresa May heute ab, bis Ende Juli gibt sie auch ihr Amt als Regierungschefin auf. Anwärter auf den Parteivorsitz und damit für das Amt des Premiers gibt es einige. Ein Überblick über die aussichtsreichsten Kandidaten:

BORIS JOHNSON

Der frühere Bürgermeister von London war einer der Wortführer der Brexit-Kampagne vor dem Referendum im Jahr 2016. Johnson ist unkonventionell, oft undiplomatisch-polternd und verfügt über Charisma. May ernannte den polarisierenden Politiker nach dem Brexit-Referendum zum neuen Außenminister. Er leistete sich allerdings diverse Ausrutscher und machte insgesamt keine gute Figur auf dem diplomatischen Parkett. Schon vor seinem Rücktritt im Juli 2018 war er ein heftiger Kritiker von Mays Brexit-Kurs.

Boris Johnson.
Boris Johnson.
- AFP

Der 54-Jährige, der oft einfach nur „Boris“ oder „BoJo“ genannt wird, hat sich in den Reihen der Tories einige Feinde gemacht. Doch er hat auch wortgewaltige Unterstützer – etwa US-Präsident Donald Trump. Bei dessen Staatsbesuch in Großbritannien am Dienstag telefonierte er 20 Minuten mit Johnson und verteilte großzügig Lob für „Boris“. Dieser würde nach Trumps Ansicht als Premier „eine sehr gute Arbeit machen“.

ANDREA LEADSOM

Die überzeugte Brexit-Befürworterin hat im Sommer 2016 schon einmal nach der Macht gegriffen – unterlag damals aber ihrer Konkurrentin May. Die 56-Jährige hat drei Jahrzehnte als Bankerin in der City of London gearbeitet, ehe sie in die Politik wechselte. Leadsom ist eine Bewunderin der Tory-Ikone Margaret Thatcher. Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs warf Leadsom vergangenen Monat als Ministerin für Parlamentsangelegenheiten das Handtuch. Nach Mays Rücktritt gilt Leadsom als Kompromisskandidatin, die in der Partei weithin konsensfähig ist. Sie strebt einen EU-Austritt ohne Abkommen mit Brüssel an.

Andrea Leadsom.
Andrea Leadsom.
- AFP

MICHAEL GOVE

Der Brexit-Wortführer Gove wollte bereits in den Wirren nach dem Referendum im Jahr 2016 an die Parteispitze. Er schaffte es bei der Abstimmung in der Fraktion jedoch nicht in die Endrunde. May machte ihn im Juni 2017 zum Umweltminister, wo er mit einer Reihe umweltfreundlicher Ankündigungen in den Schlagzeilen blieb. Der 51-Jährige ist der führende Brexit-Hardliner in Mays Kabinett.

Michael Gove.
Michael Gove.
- AFP

JEREMY HUNT

Der Nachfolger von Boris Johnson im Amt des Außenministers war eigentlich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Allerdings kritisierte der 52-Jährige das Auftreten Brüssels in den Verhandlungen später als „arrogant“. Der frühere Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar. Der Einfluss des 52-Jährigen im Kabinett ist nach und nach gestiegen. Er kann zudem auch auf Unterstützung aus den USA zählen: Trump sagte bei seinem Großbritannien-Besuch am Dienstag, Hunt würde als britischer Regierungschef „sehr gute Arbeit“ machen.

Jeremy Hunt.
Jeremy Hunt.
- AFP

DOMINIC RAAB

Dominic Raab.
Dominic Raab.
- AFP

Der 45-Jährige folgte im Juli als Brexit-Minister auf David Davis, der seinen Posten räumte, weil er die Linie von May gegenüber Brüssel als zu weich empfand. Doch auch Raab hielt es nicht lange auf dem Posten. Er trat im November zurück und bezeichnete das Brexit-Abkommen als „schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie“. Raab ist Boxer und zudem Träger eines schwarzen Karate-Gürtels.

SAJID JAVID

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischen Busfahrers gilt als das Gesicht des modernen, multikulturellen Großbritanniens. Der 49-Jährige gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an und stimmte 2016 für einen Verbleib seines Landes in der EU. Nach dem Ausgang des Referendums unterstützte er aber den Brexit-Kurs.

Sajid Javid.
Sajid Javid.
- AFP

Seit April 2018 ist Javid Innenminister. In liberalen Kreisen wurde er kürzlich kritisiert, weil er einer jungen britischen IS-Anhängerin, die nach Großbritannien zurückkehren wollte, die Staatsangehörigkeit entzog.

MATT HANCOCK

Gesundheitsminister Matt Hancock warf seinen Hut am Tag nach Mays Rücktrittsankündigung in den Ring. „Wir brauchen einen Anführer für die Zukunft“, schrieb Hancock damals bei Twitter. Er kündigte an, beim Brexit „liefern“ zu wollen. Dann müsse das Land auch bei anderen Dingen „vorankommen“ und sich eine „strahlende Zukunft“ aufbauen. (APA/AFP)

Matt Hancock.
Matt Hancock.
- AFP