Letztes Update am Mo, 27.05.2019 06:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl 2019

FPÖ am Konsolidierungskurs durch „Ibizagate“ eingebremst

Die FPÖ stieg weit schlechter aus als ihr die Umfragen zuvor versprachen – und erlitt statt des erwarteten Zuwachses auf gut über 20 Prozent ein Minus.

Die FPÖ landete mit ihrem Spitzenkandidaten Harald Vilimsky hinter der SPÖ auf Platz 3.

© APA/AFP/HALADADie FPÖ landete mit ihrem Spitzenkandidaten Harald Vilimsky hinter der SPÖ auf Platz 3.



Wien – Das Ibiza-Video ihres nunmehr ehemaligen Vizekanzlers und Parteichefs Heinz-Christian Strache hat der FPÖ bei der EU-Wahl zwar keinen Megacrash wie 2004 beschert. Aber sie stieg weit schlechter aus als ihr die Umfragen zuvor versprachen – und erlitt statt des erwarteten Zuwachses auf gut über 20 Prozent ein Minus. Ein solches war bei den 28 Wahlen seit dem Ende von Schwarz-Blau-Orange 2006 die Ausnahme.

Denn seither konsolidierte sich die damals reihum zurückgestutzte FPÖ mit ihrem neuen Parteichef Strache auf allen Ebenen. Nur bei vier Landtagswahlen verlor sie Stimmenanteile – massiv 2013 in Kärnten, wo sie für die aufgebrochenen Skandale und Affären abgestraft wurde und mit minus 28,04 Prozentpunkten vom Landeshauptmannsessel gestoßen wurde. Wesentlich geringer fielen die Verluste in Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg 2013/14 aus – und sie wurden bei den nächsten Wahlen (Vorarlberg wählt erst heuer im Herbst) durch stärkere Zuwächse wieder ausgeglichen.

Bei den Nationalratswahlen nahmen die Freiheitlichen schon 2013 die 20er-Marke, 2017 bauten sie auf 25,97 Prozent aus – und Sebastian Kurz (ÖVP) ging mit ihnen zusammen. In der jetzt türkis-blauen Regierung lief es zwar wesentlich besser für die FPÖ als Anfang der 2000er mit Wolfgang Schüssel – aber die Veröffentlichung von Video-Aufnahmen mit Strache aus dem Jahr 2017 beendete die Harmonie jäh. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass die ÖVP nach der Neuwahl im September wieder mit der FPÖ zusammengeht. Ob es dann eine ausreichende Mehrheit gibt, hängt davon ab, wie sich die FPÖ unter ihrem neuen Obmann Norbert Hofer (der 2016 die Bundespräsidentenwahl verlor) entwickelt.

FPÖ musste Traum von Platz 2 begraben

Den Traum von Platz 2 musste die FPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten Harald Vilimsky jedenfalls bei der jetzigen EU-Wahl – wie zuvor schon bei der Nationalratswahl – wieder begraben; sie landete einmal mehr mit deutlichem Abstand (mehr als fünf Prozentpunkte) hinter der SPÖ. In Wien und der Steiermark – die 2020 beide Landtagswahlen am Programm haben – musste die FPÖ den bei der EU-Wahl 2014 eroberten zweiten Platz wieder räumen; in der Steiermark zugunsten der SPÖ; in Wien fiel sie sogar hinter ÖVP und Grüne auf Platz 4 zurück. In Vorarlberg (mit Landtagswahl im September) nahmen die NEOS der FPÖ Platz 3 ab. Nur im rot-blau regierten Burgenland – das im Jänner 2020 wählt – hielt sich die FPÖ fast unverändert auf Platz 3. (APA)