Letztes Update am Di, 28.05.2019 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Tirolerin Thaler kämpft für einen Sitz im EU-Verkehrsausschuss

VP-Kandidatin Barbara Thaler hat ihr Ticket für das EU-Parlament so gut wie in der Tasche. Dort will sie die Rückkoppelung nach Tirol nicht verlieren.

Barbara Thaler ist bereit für den Sprung ins EU-Parlament. Ihr Vorzugsstimmenwahlkampf scheint aufgegangen zu sein.

© ÖVP, AngererBarbara Thaler ist bereit für den Sprung ins EU-Parlament. Ihr Vorzugsstimmenwahlkampf scheint aufgegangen zu sein.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Offiziell wird das Ergebnis der Vorzugsstimmen wohl erst im Laufe des Dienstags verkündet werden. Dass es für die Tiroler VP-Spitzenkandidatin Barbara Thaler, die bei der EU-Wahl auf dem achten Listenplatz kandidierte, aber für ein Mandat im EU-Parlament gereicht hat – davon geht die Tiroler ÖVP inoffiziell bereits seit dem Wahlabend am Sonntag fix aus. Parteiintern ist die Zuversicht jedenfalls groß, dass Thaler einen Sprung nach vorne machen wird und somit eines der sieben VP-Tickets ergattert. Die TT traf am Montag auf eine sichtlich entspannte Kandidatin:

Anlässlich unseres letzten Interviews haben Sie – wenn auch in anderem Kontext – kürzlich gesagt, dass Ihnen Extreme missfallen. Nun denn: Wie nennen Sie ein Plus von knapp zwölf Prozent für die ÖVP in Tirol?

Barbara Thaler: Ich habe mich sehr über dieses vorläufige Endergebnis mit über 44 Prozent für uns gefreut. Ich habe das schon bei meiner „80-Tage-durch-Tirol-Tour“ gespürt. Auch, dass die Wahlbeteiligung so steigen wird.

Wäre so ein Ergebnis auch ohne das „Ibiza-Video“ möglich gewesen?

Thaler: Ich habe in den letzten 24 Stunden verschiedenste Analysen gelesen. Ich traue mich das nicht sagen. Was ich weiß, ist, dass wir mobilisiert haben und in der Tiroler Volkspartei große Mobilisierungskraft steckt. Das hat sich ausgezahlt.

An Niederlagen will keiner schuld sein, Erfolge zeitigen stets viele Mütter und Väter. War das nun ein Erfolg der Barbara Thaler, des Landeshauptmanns Günther Platter oder von Kanzler Sebastian Kurz?

Thaler: Ein Sieg von uns allen gemeinsam. Wahlkämpfen kann man nur zusammen, das habe ich immer betont.

In Ihrem Heimatwahlbezirk Innsbruck-Stadt hat die ÖVP die Grünen von der Spitze verdrängt. Wie gut tut das denn?

Thaler: Ich freue mich über jedes Ergebnis in jeder Gemeinde. Zuhause zu gewinnen ist aber natürlich etwas Besonderes.

Ist Ihr Sieg jetzt wegen oder trotz des Bauernbundes zustande gekommen?

Thaler: Nachdem es das Wahlgeheimnis gibt, weiß ich nicht, wer was gewählt hat. Es war ein gemeinsamer Sieg – auch mit dem Bauernbund.

All Ihre Parteikollegen und auch LH Günther Platter rechnen damit, dass es für Sie mit dem Einzug ins EU-Parlament geklappt hat. Was bedeutet das für Sie, die einzige Tiroler Vertreterin dort zu sein?

Thaler: Das heißt sehr viel für mich. Allein unsere Bewegung hat mich schon sehr stolz gemacht. Und wenn der Einzug jetzt wirklich klappt, umso mehr.

Wie wollen Sie verhindern, dass Ihnen in ein, zwei Jahren – wie so vielen Abgeordneten bisher – der Vorwurf gemacht wird, sich als EU-Abgeordnete nicht mehr so für das Heimatland einzusetzen?

Thaler: Das habe ich mir sehr genau überlegt. Wir reden viel zu wenig über europäische Projekte oder die Union per se. Ich werde pro Bezirk jährlich zwei Bezirkstage machen und für alle greifbar sein. Das ist mein Versprechen.

Gehen Sie davon aus, dass sowohl Othmar Karas als auch Karoline Edtstadler für die ÖVP im EU-Parlament sitzen werden?

Thaler: Ich gehe davon aus.

Sie wollen in den Verkehrsausschuss. Was wäre denn da Ihr vordringlichstes Anliegen?

Thaler: Alles, was mit dem Thema des internationalen Transits zu tun hat. Dafür will ich im Juni kämpfen, dass ich dort auch einen Sitz habe.

EVP und Sozialdemokraten benötigen nunmehr auf EU-Ebene für eine Mehrheit einen Koalitionspartner. Hätten Sie da lieber die Grünen oder die Liberalen?

Thaler: Ich habe mich zwar intensiv mit der EU beschäftigt, wie dort im Parlament aber die Stimmung ist und wie sich die Fraktionen bilden werden – das kann man nicht wissen, bevor man nicht dabei ist. Deshalb kann ich dazu derzeit nichts sagen.

Ist das EU-Wahlergebnis richtungsweisend für die Nationalratswahl im Herbst?

Thaler: Die ÖVP hat sicherlich dadurch einen sehr starken Rückenwind. Es ist auch ein kraftvolles Zeichen für Sebastian Kurz.

Stärkt oder schwächt das Misstrauensvotum Kurz?

Thaler: Egal, wie es ausgeht. Kurz nimmt das Ergebnis im Parlament an. Und dann werden wir sehen, wie die Wahl im Herbst ausgeht.