Letztes Update am Mi, 05.06.2019 14:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Politiker erschossen: Steinmeier verurteilt rechte Reaktionen im Netz

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde am Wochenende auf seiner Terrasse erschossen. Die Hintergründe sind noch unklar. Der deutsche Bundespräsident verurteilt die Reaktionen im Netz als „zynisch, geschmacklos, abscheulich, widerwärtig“.

Deutsche, die nicht für die Grundwerte des Landes einstehen, könnten das Land auch verlassen. Diese Aussage des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke von 2015 ist vielen Rechten offenbar Grund genug, sich über seinen gewaltsamen Tod zu freuen.

© dpaDeutsche, die nicht für die Grundwerte des Landes einstehen, könnten das Land auch verlassen. Diese Aussage des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke von 2015 ist vielen Rechten offenbar Grund genug, sich über seinen gewaltsamen Tod zu freuen.



Dortmund – Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat pietätlose rechte Reaktionen in sozialen Netzwerken auf den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke scharf verurteilt. Hergang und Hintergrund der Tat seien noch unklar, sagte Steinmeier am Mittwoch in Dortmund.

„Aber wie manche Akteure in den sozialen Medien sich über seinen Tod hermachen und Genugtuung zeigen, geradezu Beifall klatschen, das ist einfach nur zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig.“ Der CDU-Politiker Lübcke war in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha erschossen aufgefunden worden. Die Hintergründe der Tat blieben bisher unklar. Als Regierungspräsident war Lübcke im Jahr 2015 auch für die Einrichtung von Erstaufnahmelagern für Flüchtlinge in seinem Regierungsbezirk zuständig.

Häme und Schadenfreude

Auf Anfeindungen bei einer Bürgerversammlung sagte er einmal, es lohne sich, in Deutschland zu leben und für die hiesigen Werte einzutreten. „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen – das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“ Sein Tod wurde in sozialen Netzwerken von rechten Akteuren teils mit Häme und Schadenfreude kommentiert.

Lübckes Tod mache ihn „fassungslos“, sagte Steinmeier in Dortmund nach Angaben des Präsidialamts. Angesichts der rechtspopulistischen Reaktionen wünsche er sich „etwas mehr Empörung, als ich sie im Augenblick feststellen kann“. Zudem forderte der deutsche Bundespräsident ein „Verantwortungsgefühl bei den Plattformen, die solche Hetze auch noch verbreiten“, ein.

Steinmeier verurteilte in seiner Rede Hassangriffe und Aggressionen gegen kommunale Verantwortungsträger scharf. „Verleumdungen und Angriffe, Hasskampagnen und körperliche Gewalt gegen Stadt- und Gemeinderäte und gegen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind durch nichts zu rechtfertigen“, sagte er. „Wir werden das in unserem Land nicht hinnehmen.“ (APA/AFP)