Letztes Update am Mo, 10.06.2019 16:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlingskrise

Ägäis wieder „Route Nummer 1“: Schlimme Zustände in Lagern

Der stärkere Grenzschutz in Spanien sorgt für höhere Flüchtlingszahlen in Griechenland, wodurch sich dort die Zustände in den Insel-Lagern verschlimmern. Laut Frontex-Direktor Leggeri habe sich die Lage an den Außengrenzen insgesamt aber „deutlich verbessert“.

Wegen der erhöhten Ankünfte der vergangenen Tage sind die Registrierungslager für Flüchtlinge auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Leros und Kos überfüllt. Die Zustände seien "menschenunwürdig".

© AFPWegen der erhöhten Ankünfte der vergangenen Tage sind die Registrierungslager für Flüchtlinge auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Leros und Kos überfüllt. Die Zustände seien "menschenunwürdig".



Berlin – Die Lage an den EU-Außengrenzen hat sich laut der Grenzschutzagentur Frontex „deutlich verbessert“. „Insgesamt haben wir in der EU seit Beginn des Jahres rund 30.000 irreguläre Grenzübertritte registriert“, sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri der Welt (Montag). In der ersten Jahreshälfte 2018 waren rund 60.430 registriert worden.

Die Ägäis sei derzeit erneut „Route Nummer 1“. Im vergangenen Jahr hatten bis Juli erstmals die meisten Flüchtlinge und Migranten die westliche Mittelmeerroute über Spanien bei der illegalen Einreise in die EU genutzt. Für die Verschiebung machte Leggeri den Grenzschutz von Spanien und Marokko verantwortlich. „Man passt zum Beispiel besser auf, dass Boote erst gar nicht ablegen können.“

16.000 derzeit in Lagern auf Ägäis-Inseln

Das Flüchtlingsaufkommen in der Ägäis war ungeachtet der EU-Vereinbarung mit der Türkei jüngst deutlich gestiegen. Die Zahl der Menschen, die in den Registrierlagern (sogenannte Hotspots) auf den griechischen Inseln ausharren, stieg laut griechischem Migrationsministerium Anfang Juni wieder auf mehr als 16.000. Die Unterkünfte sind damit hoffnungslos überfüllt – eigentlich fassen sie nur etwa 9000 Menschen. Flüchtlingshilfsorganisationen kritisieren die Zustände besonders in Auffanglagern auf Samos und Lesbos als „menschenunwürdig“. Zudem werden Migranten von Schleppern durch Griechenland geschleust, ohne je im Land registriert zu werden.

Mit einem Ende der illegalen Zuwanderung rechnet Leggeri nicht. Er forderte die EU-Staaten dazu auf, eng mit den Herkunftsländern zusammenzuarbeiten und „dort das Leben lebenswerter machen“. „Politik darf sich nicht nur auf Grenzschutz beschränken.“

Schiff mit 100 Migranten vor Malta in Seenot

Vor Malta geriet indes am Wochenende ein Schiff mit 100 Migranten an Bord in Seenot, berichtete am Montag die Hilfsorganisation „Alarm Phone“, die Seenotfälle meldet. Seit über drei Tagen würden die Menschen an Bord auf Hilfe warten.

Die Flüchtlinge seien ohne Wasser und Lebensmittel an Bord, viele von ihnen seien behandlungsbedürftig, teilte die Hilfsorganisation mit. An Bord befänden sich auch schwangere Frauen und Kinder. Die Küstenwache Maltas sei alarmiert worden.

Kleinere Boote landen in Italien, Kritik an Salvini

Die italienische Regierung lässt keine privaten Rettungsschiffe mit Migranten mehr in die Häfen des Landes einlaufen. Mehrere NGO-Boote wurden in den vergangenen Monaten tagelang auf dem Meer blockiert. Inzwischen treffen jedoch immer häufiger kleinere Boote in Süditalien ein. Am Wochenende wurde die Landung von 360 Migranten in Süditalien gemeldet. Am Montag trafen 15 afrikanische Migranten an Bord eines Schlauchbootes auf Lampedusa ein.

Wegen der Ankunft kleinerer Migrantenboote in Süditalien gerät Innenminister Matteo Salvini ins Kreuzfeuer der Kritik. Die oppositionelle Demokratische Partei (PD) behauptete, seine Einwanderungspolitik der „geschlossenen Häfen“ funktioniere de facto nicht, weil es weiterhin immer wieder zu Migrantenankünften in Süditalien komme. (APA/dpa)