Letztes Update am Sa, 29.06.2019 16:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ringen um EU-Topjobs

Lösung mit Weber und Timmermans? Einigung rückt näher

Eines soll nun fix sein: EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber wird nicht neuer EU-Kommissionspräsident. Darauf einigten sich die EU-Staats- und Regierungschefs nun. Noch im Rennen ist der Sozialdemokrat Frans Timmermans. Wenn er EU-Kommissionspräsident wird, könnte Weber EU-Parlamentspräsident werden.

EVP-Chef Manfred Weber.

© AFPEVP-Chef Manfred Weber.



Osaka, Brüssel – Auf der Suche nach einer neuen Führung für die Europäische Union zeichnet sich vor einem EU-Sondergipfel an diesem Sonntag eine mögliche Lösung ab. Wie die dpa in Brüssel erfuhr, ist der niederländische Sozialdemokrat Frans Timmermans als Präsident der EU-Kommission im Gespräch, der CSU-Politiker Manfred Weber als Präsident des Europaparlaments.

Noch sei das Personalpaket aber nicht unter Dach und Fach, betonten Diplomaten und Parteienvertreter. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach am Samstag beim G20-Gipfel im japanischen Osaka von einer möglichen Lösung mit Weber und Timmermans. Die beiden hatten ihre Parteienfamilien als Spitzenkandidaten in die Europawahl geführt - Weber die Europäische Volkspartei (EVP) und Timmermans die Sozialdemokraten (SPE). Das Europaparlament will nur einen der Spitzenkandidaten als Chef der EU-Kommission akzeptieren.

Merkel sagte: „Auf jeden Fall sind die beiden Spitzenkandidaten Teil der Lösung, und das ist ganz wichtig.“ Ein Konflikt mit dem Parlament werde wohl vermieden. Einzelheiten nannte die CDU-Politikern aber nicht und stellte klar, dass die Entscheidung noch ausstehe. Auch der deutsche Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte nichts Näheres, äußerte sich aber „zuversichtlich, dass es zu einer Verständigung kommen könnte“.

Grüne würden Lösung begrüßen

Grünen-Europachef Reinhard Bütikofer begrüßte die Erwägungen. „Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass Frans Timmermans Kommissionspräsident wird und Manfred Weber Parlamentspräsident, ist das aus meiner Perspektive eine gute Lösung“, sagte Bütikofer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntag/Montag). Der Chef der SPD-Abgeordneten im Europaparlament, Jens Geier, sagte der dpa: „Es ist ermutigend, dass das Spitzenkandidatenprinzip nun offenbar überwiegend akzeptiert wird.“

Vor allem der französische Präsident Emmanuel Macron ist Gegner dieses Prinzips, wonach nur einer der Spitzenkandidaten bei der Europawahl Chef der EU-Kommission werden soll. Macron stellte sich vehement gegen den Deutschen Weber, obwohl dessen EVP bei der Wahl stärkste Partei geworden war. Die „Welt am Sonntag“ meldete, Weber sei für den Posten des Kommissionschefs aus dem Rennen. Sollte Timmermans Kommissionspräsident werden, würde das Spitzenkandidaten-Prinzip jedenfalls wieder zur Anwendung kommen.

Wie die dpa erfuhr, hätte Weber wohl nicht nur die Option auf den Posten des Parlamentspräsidenten, sondern könnte auch Erster Vizepräsident der Kommission werden. Die EU-Kommission ist in etwa vergleichbar mit einer Regierung, die Gesetze vorschlägt und deren Einhaltung überwacht.

Auch Macron sieht Fortschritt

Macron sagte in Osaka: „Ich denke, die Sache kommt voran.“ Ob es im Kreis aller 28 Mitgliedstaaten Konsens gebe, werde man aber erst am Sonntagabend beim EU-Sondergipfel in Brüssel sehen. „Ich weiß nicht, was die anderen denken“, sagte Macron. Gegen Timmermans gab es zuletzt Vorbehalte bei Staats- und Regierungschefs einiger östlicher Mitgliedstaaten. Ob sie den Widerstand aufgeben, ist unklar.

Zu besetzen sind insgesamt fünf Spitzenpositionen: Neben dem Kommissions- und dem Parlamentspräsidenten sind das die Ämter des Präsidenten des Europäischen Rats und der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der EU-Außenbeauftragten. Sie sollen in einem Paket aus Männern und Frauen, verschiedenen Parteien und europäischen Regionen besetzt werden. Gestritten wird schon seit einem Monat.

Die Staats- und Regierungschefs haben das Vorschlagsrecht beim EU-Kommissionspräsidenten, das Europaparlament muss den Kandidaten wählen. Für eine solide Mehrheit im Parlament müssen EVP, Sozialdemokraten, Liberale und Grüne zusammenarbeiten. Alle Parteien wollen sich berücksichtigt sehen, wobei die Grünen vor allem inhaltliche Vorgaben für die nächste Kommission durchsetzen wollen. (APA, dpa, AFP)


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