Letztes Update am Do, 05.09.2019 18:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Migrantenfreundlicher Ex-Bürgermeister darf in sein Dorf zurück

Domenico Lucano alias „Papa Mimmo“ war von Ex-Innenminister Salvini aus Riace verbannt worden. Nun durfte er wieder in sein Dorf zurückkehren.

Domenico Lucano bemühte sich in seiner Zeit als Bürgermeister aktiv darum, Migranten in seinem Dorf eine Lebensperspektive zu geben.

© AFPDomenico Lucano bemühte sich in seiner Zeit als Bürgermeister aktiv darum, Migranten in seinem Dorf eine Lebensperspektive zu geben.



Riace – Kaum ist sein ärgster politischer Gegner aus dem Amt, darf ein wegen seines Einsatzes für Zuwanderer bekannt gewordener früherer Bürgermeister in Italien wieder in sein Dorf zurück. Ein Gericht in der kalabrischen Stadt Locri hob am Donnerstag das Verbot auf, nach dem Domenico Lucano alias „Papa Mimmo“ seine Gemeinde Riace nicht mehr betreten durfte, wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete.

Lucano kehrte sofort nach Riace zurück, um seinen kranken Vater zu besuchen, was ihm zuvor verwehrt worden war. Als Bürgermeister des nahe der Fußspitze des italienischen Stiefels gelegenen Ortes hatte Lucano ein Zeichen für Toleranz gesetzt: Er hatte in dem von Entvölkerung geplagten Dorf Hunderte Migranten aufgenommen und ihnen Arbeit verschafft. Er wurde dafür mit dem Friedenspreis der Stadt Dresden ausgezeichnet. Er zog aber den Hass des damaligen Innenministers Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei auf sich. Lucano wurde unter dem Vorwurf der Begünstigung illegaler Einwanderung vom Dienst suspendiert und zeitweilig festgenommen.

Salvinis Zeit im Innenministerium endete am Mittwoch, die neue italienischen Regierung, der die Lega nicht mehr angehört, wurde am Donnerstag vereidigt. Bei der Kommunalwahl Ende Mai war die Lega in Riace stärkste Kraft geworden, Lucano schaffte es nicht mehr in den Gemeinderat. (dpa)