Letztes Update am Mi, 16.04.2014 16:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU

Im Schlafsack für ein bisschen Aufmerksamkeit

Martin Ehrenhauser („Europa anders“) protestiert am Heldenplatz. Das BZÖ präsentierte sein Programm, die SPÖ fordert ein Atomkraft-Aus.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Bis Sonntag war der EU-Mandatar Martin Ehrenhauser nur durch den Bruch mit Hans-Peter Martin, auf dessen Liste er stand, bekannt. Dass er erneut für das EU-Parlament kandidierte, und zwar als Spitzenkandidat auf der Liste „Europa anders“, änderte daran nichts. Am Sonntag dann verließ er vor laufender Kamera die ORF-„Pressestunde“ mit den Kleinstparteien und kündigte seinen Protest gegen das Hypo-Debakel an. Diese Aktion brachte dem Europaparlamentarier eine Nacht auf einem Feldbett im Freien ein, außerdem steigerte sie seine Bekanntheit.

Und Ehrenhauser will weiter vor dem Bundeskanzleramt campieren, mit Kartons, Isomatten und Schlafsäcken sowie einigen Mitstreitern ausgestattet. „Ich bin der Meinung, es schadet keinem Politiker, wenn er ein bisschen Straßenluft schnuppert“, begründete er seine Aktion und forderte eine Volksabstimmung über einen „Hypo-Haftungsboykott“. Wie lange der Protest noch dauert, wollte er nicht sagen, nur so viel: „Jetzt bin ich einmal hier.“

Auch das BZÖ, das den Einzug in den Nationalrat verpasst hat, gehört zu den kleinen Parteien, die ins EU-Parlament wollen. Bisher fiel die orange Truppe dadurch auf, dass sich die prominente Spitzenkandidatin – Ulrike Haider, die Tochter des verstorbenen Parteigründers Jörg Haider – von ihrem Posten zurückzog. Gestern stellten BZÖ-Obmann Gerald Grosz und die neue Nummer eins, Angelika Werthmann, das Wahlprogramm vor. Ihr Tenor: Ja zu Europa, aber die EU müsse verändert werden. Die Diskussion um Kritik, dass sie das BZÖ-Programm nicht kenne, ist für die EU-Abgeordnete Werthmann – auch sie ging mit Martin nach Brüssel – „absolut unverständlich“. ORF-Moderator Armin Wolf hatte auf Twitter auf Aussagen der Spitzenkandidatin reagiert, die einen NATO-Beitritt Österreichs ablehnt. Im Programm würde etwas anderes stehen, so der Journalist. Grosz reagierte gereizt, dass diese Forderung lediglich in einem Sicherheitskonzept angedacht wurde, bedankte sich beim ZiB2-Moderator aber für „tadelloses Marketing“. 178.000 Zugriffe habe es seit dem Twitter-Streit auf die BZÖ-Homepage gegeben.

Sachlicher empfiehlt sich SPÖ-Spitzenkandidat Eugen Freund den Wählern. Er fordert keine Gentechnik in Lebensmitteln, weniger Pestizide und ein Atomkraft-Aus. Sein Ziel sind österreichische Standards auch in der EU.




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