Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.08.2015


Innenpolitik

Stronachs Projekt vor dem Abgrund

Auflösungstendenzen setzen dem Team Stronach zu. Das Polit-Experiment verschlang 25 Mio. Euro.

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Von Cornelia Ritzer

Wien – Dass er eine Partei gegründet hat, habe er nie bereut. Das sagte der Unternehmer und Magna-Milliardär Frank Stronach erst vor wenigen Wochen in einem Interview. 25 Millionen Euro hat er in sein Polit-Experiment gesteckt, die Erwartungen des 83-Jährigen waren enorm. „Wahrheit, Transparenz, Fairness“ wurde den Bürgern auf den Wahlplakaten versprochen, immer wieder pochte Stronach auf die „Werte“, die er und seine Mitstreiter vertreten werden. Von einer wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Politik hört man aber nichts mehr. Die Partei ist von Personalchaos gezeichnet und von Abgängen geschwächt.

Elf Teammitglieder zogen nach der Wahl 2013 ins Parlament ein, sieben bekennen sich – noch – zu Franks Werten. Dass Kathrin Nachbaur, einst engste Vertraute des Steirers mit dem Hang zu exzen­trischen Sagern, ebenfalls zur ÖVP überlief, soll ihn besonders „tief enttäuscht“ haben, heißt es. Dabei hatte sich der Bruch bereits abgezeichnet, im November 2014 ist sie aus der Bundespartei ausgetreten – verwirrenderweise aber Abgeordnete geblieben. Auffassungsunterschiede sollen der Grund gewesen sein.

Auch andere berufliche Beziehungen endeten chaotisch: Erst kürzlich wurde der Oberösterreichischen Landespartei mit dem Aus gedroht, zuvor wurde Vizechef Wolfgang Auer öffentlich demontiert. „Ich habe das Vertrauen verloren“, begründete Stronach dessen Abwahl. Konkretere Begründungen gab es – wie auch bei Konflikten zuvor – nicht. Pa­rallelen zu Stronachs Engagement im Fußball sind offensichtlich: Auch hier steckte er sich zu hohe Ziele. Und zog sich enttäuscht zurück.