Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Bundespräsidentschaftswahl

Quereinsteigerin lehrt Platzhirsche das Fürchten

Hypo-Kontrollorin Irmgard Griss führt in Umfragen zur Präsidentschaftswahl. Noch hat der Wahlkampf aber nicht begonnen.

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© APA



Von Wolfgang Sablatnig

Wien – Irmgard Griss (69) spricht lieber von „Kampagne“ statt von „Wahlkampf“. An der Sache ändert die Wortwahl freilich nur wenig: Die frühere Richterin will bei der Bundespräsidentenwahl im Frühjahr in die Hofburg einziehen. Ob sie dafür genug Geld aufstellen konnte, will sie noch vor Weihnachten bekannt geben. In der Gunst der Wählerinnen und Wähler liegt sie aktuell jedenfalls voran, mit großem Abstand auch vor den politischen Platzhirschen Rudolf Hundstorfer und Erwin Pröll, die als wahrscheinliche Kandidaten für SPÖ und ÖVP gelten.

Rot wie Schwarz warten gespannt auf die Entscheidung von Griss. Das Antreten der als Hypo-Kontrollorin bekannt gewordenen Juristin würde die Aufstellung komplett verändern. Vor allem Pröll müsste um seine Stimmen in konservativen Kreisen fürchten. Zum Abschluss seiner politischen Karriere könnte der machtbewusste niederösterreichische Landeshauptmann mit einer Wahlniederlage und ohne Amt dastehen – beides will er keinesfalls.

Nicht viel besser ist die Lage für Hundstorfer. Auch er würde wohl Stimmen an Griss verlieren – vor allem aber auch an den früheren Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, wenn dieser denn antritt.

Bis zum Einzug in die Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg ist es freilich ein weiter Weg – mit vielen Vorteilen für etablierte Politiker mit Parteistrukturen im Rücken. So hat Griss sich die Latte für eine Kandidatur bei einer Million Euro gelegt – SPÖ und ÖVP würden ein Vielfaches investieren.

Parteien tun sich auch leichter beim Sammeln der notwendigen 6000 Unterstützungserklärungen. Gebraucht werden nicht nur Unterschriften, sondern auch eine Bestätigung über die Eintragung im Wählerregister – das bedeutet, dass jeder Unterstützer das Gemeindeamt oder Magistrat aufsuchen muss. Die Wahlordnung gibt den Kandidaten für dieses Sammeln dreieinhalb Wochen Zeit, voraussichtlich von Ende Februar bis Mitte März.

Zu guter Letzt muss Griss auch politisch überzeugen. Zuspruch auch von politischen Parteien wäre ihr willkommen. Geld oder organisatorische Unterstützung würde sie aber nicht annehmen. Am Dienstag ist sie von der FPÖ zu einem Treffen eingeladen, bei den NEOS war sie schon.

Ob die Oppositionsparteien ihre scharfe Kritik am Hypo-Untersuchungsausschuss akzeptieren wollen, muss sich aber erst zeigen.


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