Letztes Update am Fr, 08.01.2016 11:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundespräsidentenwahl 2016

Van der Bellen kandidiert bei Präsidentenwahl

Monatelang hat Alexander Van der Bellen abgewägt, nun tritt er tatsächlich bei der Bundespräsidentenwahl an. Der frühere Grünen-Chef soll als überparteilicher Kandidat positioniert werden. Die Grünen wollen ihn tatkräftig unterstützen.

© APA/Georg HochmuthAlexander Van der Bellen kandidiert für die Nachfolge Heinz Fischers.



Wien – Jetzt ist es offiziell: Alexander Van der Bellen kandidiert für das Amt des Bundespräsidenten. Mit einer Videobotschaft auf Facebook gab der ehemalige Bundessprecher der Grünen am Freitag seine Kandidatur bekannt. „Mein Name ist Van der Bellen. Ich kandidiere für das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich. Und ich bitte um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung“, so der 71-Jährige darin. Details will er in einer Pressekonferenz am Sonntag verkünden.

„Mutig in die neuen Zeiten“

In dem Video äußert sich Van der Bellen zu seinen Beweggründen. Er glaube an Menschenrechte und auch -pflichten. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit solle man nicht als selbstverständlich ansehen, sondern darauf achten, dass diese auch in Zukunft garantiert seien. „Ich fühle mich verpflichtet, das Meinige dazu beizutragen.“

Betitelt ist das Video, in dem der Kandidat vor dem Parlament, auf einem Markt und in einem Auwald zu sehen ist, mit der Bundeshymnen-Zeile „Mutig in die neuen Zeiten“. Auch in den SPÖ-Zitatenschatz wird gegriffen: „Lassen Sie uns ein Stück des Weges gemeinsam gehen“, so Van der Bellen, der damit einen alten Bruno-Kreisky-Slogan bemühte.

„Ich möchte Sie einladen, da mitzutun“, erklärt Van der Bellen weiter. „Lassen Sie uns gemeinsam an einer guten Zukunft arbeiten. An einer hellen, hoffnungsfrohen Zukunft. Lassen Sie uns eine Zukunft schaffen, in der wir die Ängste und Sorgen, die uns alle zugegeben beschäftigen, mit Verstand und Mut und Zuversicht überwinden.“

Überparteilicher Kandidat

Offizieller Kandidat der Grünen wird Van der Bellen jedoch nicht. Wie schon am Donnerstag seitens der Grünen betont, soll die ehemalige Parteigröße als überparteilicher Kandidat positioniert werden. Laut Aussendung wird seine Kandidatur von einem Verein namens „Gemeinsam für Van der Bellen - Unabhängige Initiative für die Bundespräsidentschaftswahl 2016“ organisiert. Als Vorsitzender fungiert dort allerdings ein Mann mit kräftigem Grün-Stallgeruch, nämlich Van der Bellens früherer Partei-Pressesprecher Lothar Lockl. Auch Klubdirektor Robert Luschnik und die aktuelle Parteikommunikationschefin Nives Sardi sind im Verein mit dabei.

Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig begrüßte das Antreten ihres Vorgängers. „Ich freue mich sehr“, betonte sie. „Sein überlegtes, ehrliches und respektvolles Auftreten sind Gewähr dafür, dass er ein über den Parteien stehender, allein seinem Gewissen und der Bevölkerung verpflichteter Bundespräsident sein kann.“ Die Grünen würden ihn selbstverständlich tatkräftig unterstützen, es sei aber gut, dass er als unabhängiger Kandidat antreten wolle, so Glawischnig in einer Aussendung. Sie sei überzeugt, dass Van der Bellen auch weit über die Parteigrenzen hinaus breites Vertrauen entgegengebracht werde. Er sei durch seine hohe Glaubwürdigkeit, Integrität und Unabhängigkeit in den Augen sehr vieler Menschen der Richtige für dieses Amt. „Ich wünsche ihm und seinem Team viel Erfolg“, so Glawischnig.

Hochzeit heizte Spekulationen an

Über eine mögliche Kandidatur Van der Bellens war in den vergangenen Monaten bereits spekuliert worden. Dass Ende Dezember bekannt wurde, dass der 71-Jährige wieder geheiratet hat, wurde als weiteres Indiz für eine Kandidatur gewertet. Van der Bellen ist jetzt mit Doris Schmidauer, Geschäftsführerin im Grünen Parlamentsklub, verheiratet.

In der Geschichte der Grünen gab es erst einen offiziell von der Partei nominierten Präsidentschaftsbewerber, nämlich Robert Jungk im Jahr 1992. 1986 waren die Grünen noch nicht im Parlament vertreten, als die spätere Klubobfrau Freda Meissner-Blau antrat. 1998 unterstützten die Grünen die frühere evangelische Superintendentin Gertraud Knoll als unabhängige Kandidatin. 2004 gab es keinen Kandidaten und auch keine offizielle Wahlempfehlung der Grünen. Ähnlich war das 2010, für Amtsinhaber Heinz Fischer gab es aber deutliche Schützenhilfe. (tt.com, APA)