Letztes Update am Fr, 23.09.2016 12:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


BP-Wahl 2016

Alt-Bundespräsident Fischer: „Ich wähle Van der Bellen“

Heinz Fischer appelliert in dem Essay „Eine Wortmeldung“ ans Wahlvolk: „Werfen Sie Ihre Stimme nicht weg.“

 Heinz Fischer während der Buchpräsentation "Eine Wortmeldung" am Freitag in Wien.

© APA/Fohringer Heinz Fischer während der Buchpräsentation "Eine Wortmeldung" am Freitag in Wien.



Wien - Alt-Bundespräsident Heinz Fischer wird bei der Bundespräsidentenwahl am 4. Dezember den Grünen Alexander Van der Bellen wählen. Zugleich ruft Fischer in seinem am Freitag präsentierten Buch „Eine Wortmeldung" die Österreicher auf, zur Wahl zu gehen. „Gehen Sie wählen. Werfen Sie Ihre Stimme nicht weg." Jede Stimme zähle in der Demokratie, betonte Fischer. Die Bundespräsidentenwahl sei eine wichtige Weichenstellung für das „geistige Klima" und die „politische Kultur" in Österreich.

Auf die Frage, ob er Van der Bellen im Wahlkampf unterstützen werde, stellte Fischer auch klar: „Ich werde nicht ein Wahlkampfmitarbeiter von Van der Bellen sein, ich werde keine Wahlkampfaktivitäten im Einzelnen unterstützen." Beim ersten Wahldurchgang habe er seinen guten Freund „Rudi Hundstorfer" (SPÖ, Anm.) gewählt, ließ Fischer noch auf Nachfrage wissen: „Das ist die Wahrheit."

„Ich werde den Enkelkindern später einmal erzählen, warum ich nach sorgfältiger Überlegung bei der Bundespräsidentenstichwahl am 22. Mai 2016 für Professor Alexander Van der Bellen gestimmt habe, den ich seit langem kenne und zu dem ich Vertrauen habe." Und: „Ich werde durch meine neuerliche Stimmabgabe für Van der Bellen jene (Mit-)Verantwortung übernehmen, die dem Gedanken der Demokratie zugrunde liegt, für die wir alle Verantwortung tragen", schreibt Fischer in seinem 56-seitigen Essay zur Lage der österreichischen Demokratie, dem auch noch die Rede des Bundespräsidenten anlässlich seiner Verabschiedung im Parlament sowie ein Nachwort der Journalisten-Legende Hugo Portisch angehängt sind.

Appell für Demokratie und offene Gesellschaft

Fischers „Wortmeldung" ist ein leidenschaftlicher Appell für die Demokratie und eine offene Gesellschaft, für soziale Gerechtigkeit, Toleranz und die europäische Integration, zugleich ein Aufruf gegen Populismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Österreichs Demokratie sei heute „viel stabiler, als das in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen der Fall war. Aber sie ist nicht unzerstörbar", warnt Fischer. „Sie darf nicht durch eine hasserfüllte Sprache, durch die Erfindung von Sündenböcken, das Schüren von Emotionen oder durch einen sorglosen Umgang mit der Verfassung und dem Rechtsstaat in Gefahr gebracht werden."

Populismus dürfe den Parlamentarismus nicht beiseite schieben. „Eine populismusdurchtränkte Schlagwortdemokratie wäre eben nicht die beste Demokratie", so der ehemalige Bundespräsident. Dies gelte in Fragen zur Europäischen Union, aber auch bei anderen aktuellen politischen Themen. „Die EU war und ist ein Friedensprojekt und als solches - trotz aller Probleme - unentbehrlich." Eine Aufsplitterung Europas wäre gefährlich und unklug. „Daher ist es wichtig, einen Bundespräsidenten und eine Bundesregierung zu haben, die dem europäischen Projekt mit entsprechendem Verständnis und mit positiver Energie gegenübersteht."

Kritik an Hofer ohne namtliche Nennung

Ohne namentliche Nennung übt Fischer Kritik an FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer: Der Bundespräsident sollte ein „europäischer Teamspieler" sein und mithelfen, bei den Österreichern und insbesondere bei der Jugend Verständnis für die historische Bedeutung des Projekts Europa zu wecken. „Er sollte gut und objektiv informieren und er sollte ein glaubwürdiger Europäer sein. Zu sagen, dass man nicht mehr ganz so eindeutig wie vor einem Jahr einen Austritt aus der EU in Erwägung zieht, ist zu wenig." (TT.com, APA)