Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.01.2017


Exklusiv

Kanzler im Visier: Magisterarbeit ist aber blitzsauber

Die ÖVP wirft der SPÖ „Dirty Campaigning“ vor, weil sie das Privatleben von Außenminister Kurz durchleuchtet haben soll. Doch Bundeskanzler Kern ging es nicht besser.

© APA/BKA/ALEXANDER SCHWARZL



Von Peter Nindler

Innsbruck, Wien – Es war der Aufreger zu Beginn des neuen Jahres: Nach einem Bericht der Presse gingen in der rot-schwarzen Bundesregierung die Wogen hoch. Vorwürfe wurden laut, dass die SPÖ im Privatleben von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) herumschnüffle. ÖVP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) empörte sich sogar über eine neue Form des „Dirty Campaigning“ (Schmutzkübelkampagne). Und das gerade bei ihrem Shootingstar, der die Partei vielleicht sogar in die Nationalratswahlen führen soll.

Die SPÖ wies die Anschuldigungen postwendend zurück. Jetzt stellt sich heraus, dass es Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) rund um seine Ernennung zum Regierungschef offensichtlich nicht besser ergeht. Fest steht: Er wird jedenfalls durchleuchtet, seine 1997 an der Universität Wien verfasste Diplomarbeit wurde bereits intensiv ins Visier genommen.

Kern studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaft, 1997 erlangte er seinen Magistergrad. In seiner Diplomarbeit befasste er sich mit Zeitungen. „Media Monitoring: die innenpolitische Berichterstattung der österreichischen Tages- und Wochenzeitungen 1993“ lautete sein Thema. Und just seine Diplomarbeit wurde in den Tagen seiner Bestellung zum neuen SPÖ-Chef und Bundeskanzler im Mai zum Objekt der Begierde. Die Exemplare seiner Diplomarbeit waren plötzlich begehrt, eine Ausführung landete sogar auf dem Tisch des bekannten und anerkannten Plagiatsexperten Stefan Weber in Deutschland. Und das bedeutet nicht irgendetwas:

Denn Weber ist der ausgewiesene Spezialist im deutschen Sprachraum, wenn es darum geht, unkorrektes wissenschaftliches Arbeiten aufzudecken. Zuletzt fertigte er ein kritisches Gutachten zur Dissertation des steirischen VP-Landesrats Christian Buchmann an, die Uni Graz entscheidet in den nächsten Wochen über die Aberkennung seines Doktortitels.

Anders sieht es jedoch beim Kanzler aus. Kerns Arbeit ist blitzsauber. Wie Stefan Weber gegenüber der TT betont, habe er die Arbeit überprüft. „Sie ist eine nahezu rein empirische Arbeit. Es gibt keine Auffälligkeiten bezüglich eines etwaigen Fehlverhaltens.“ Mehr könne er dazu nicht sagen.

Letztlich dürfte eines aber klar sein: Die Giftschränke für den Wahlkampf sollen wohl rechtzeitig gefüllt werden.