Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.03.2017


Innenpolitik

Muslimische Frauen als Zielscheibe

Der Präsidentschaftswahlkampf führte zu einem Anstieg der Angriffe auf Muslime. Vor allem auf Frauen mit Kopftuch entlädt sich der Hass.

Eine Frau dekoriert die Auslage eines Geschäftes, das Mode für Musliminnen verkauft. 2016 kam es zu Beschmierungen ähnlicher Shops.

© APA/GindlEine Frau dekoriert die Auslage eines Geschäftes, das Mode für Musliminnen verkauft. 2016 kam es zu Beschmierungen ähnlicher Shops.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Eine Frau wird als „Scheißmoslem“ beschimpft. „Sie gehören angezündet“, bekommt eine andere, die einen Hijab – ein Kopftuch – trägt, im Vorbeigehen gesagt. Verbale Angriffe und Diskriminierungen sowie andere Hassverbrechen wurden im Antimuslimischen Rassismus Report 2016 gesammelt. Insgesamt 253 islamfeindliche sowie antimuslimische Vorfälle wurden dokumentiert. Das ist ein enormer Anstieg von 62 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015. Besonders auffallend: 98 Prozent der Beschimpfungen und verbalen Angriffe richten sich gegen Frauen. Die Politik hat dabei einen großen Einfluss auf die Häufigkeit der Angriffe. So sei es in heißen Phasen des Präsidentschaftswahlkampfes zu vermehrten Beleidigungen sowie Anfeindungen gekommen.

Die Mehrzahl der Fälle (62 Prozent) wurden in der Öffentlichkeit begangen, erklären Elif Öztürk und Ümmü Selime Türe von der Doku­stelle, etwa beim Vorbeigehen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Taten, die strafrechtlich nicht verfolgt werden können. Und die auch kaum Raum für Interventionen lassen, sind die Täter doch in den wenigsten Fällen greifbar. Die NGO-Mitarbeiterinnen betonen auch, dass es in vielen Fällen durchaus Hilfe aus der Bevölkerung gab. „In einem Drittel der verbalen Angriffe haben Betroffene Unterstützung bekommen, bei physischen Angriffen wurde in 50 Prozent der Fälle eingegriffen“, sagte Öztürk. Die Dokustelle plädiert dafür, Zivilcourage in der Gesellschaft weiter zu forcieren.

Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und Antimuslimischer Rassismus waren 31 Prozent der Vorfälle verbale Angriffe, 30 Prozent fielen in die Kategorie Hassrede, zwölf Prozent betrafen muslimische oder Islamfeindlichkeit bekämpfende Institutionen. Bei sieben Prozent handelte es sich um Beschmierungen, fünf Prozent betrafen Hassverbrechen und vier Prozent Diskriminierungen.