Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Tirol

Umweltanwalt kritisiert Obernberg-Entscheidung

Nach Bestätigung des Naturschutzbescheids für Seminarhotel: Kostenzer bemängelt Stellenwert der Schutzgebiete, Betreiber kämpft jetzt um Zufahrt.

Das baufällige Gasthaus am Obernberger See soll durch ein neues samt eingegrabenen Wohntanks ersetzt werden.

© BöhmDas baufällige Gasthaus am Obernberger See soll durch ein neues samt eingegrabenen Wohntanks ersetzt werden.



Obernberg – Das langfristige öffentliche Interesse am umstrittenen Seminarhotel mit den teils eingegrabenen Wohntanks am Obernberger See bewertet auch das Landesverwaltungsgericht höher als die Beeinträchtigungen der Naturschutzinteressen. Der Naturschutzbescheid für das „Natur Refugia“-Projekt (Alpengasthof plus „Wohntanks“) wurde deshalb bestätigt und die Beschwerden des Umweltanwaltes abgelehnt. „Darin sieht man wieder einmal, welchen Stellenwert Schutzgebiete in Tirol haben“, bedauert Umweltanwalt Johannes Kostenzer die Entscheidung. Wegen seiner landschaftlichen Schönheit wurde der Obernberger See 1935 schließlich zum Naturdenkmal erklärt. Für Kostenzer verändert das Seminarhotel den Raum massiv. Wie geht es weiter? „Wir werden jetzt die ausführlich begründete Entscheidung prüfen“, kündigt Kostenzer an. Gebe es anfechtbare formale Fehler, werde man das Verwaltungsgericht anrufen.

Erleichtert ist hingegen Clemens Unteregger von der Betreiberfamilie. Wobei er über die bisherige Dauer des Verfahrens von sieben Jahren den Kopf schüttelt. „Wir hätten schon 2012 aufsperren können.“ Abgesehen von der noch ausstehenden bau- und gewerberechtlichen Genehmigung, über die das Höchstgericht noch entscheiden muss, geht es jetzt vor allem um die Zufahrt. Die Projektbetreiber haben am Dienstagabend im Obernberger Gemeinderat den Antrag eingebracht, dass die Gemeinde bei der Tiroler Landesregierung die Aufhebung der Bringungsgemeinschaft Obernbergerseeweg beantragen und den derzeitigen Bringungsweg „zu einer öffentlichen Interessentenstraße“ erklären soll.

Unteregger argumentiert, dass die Trasse schon zum Gründungszeitpunkt der Gemeinschaft 1971 nicht nur ein landwirtschaftlicher Bringungsweg gewesen sei. Diesen Rechtscharakter habe der Weg nie erfüllt, heute diene er vielmehr als Zufahrt zu Wochenendhäusern oder für Fischereiberechtigte und werde zudem als öffentlicher Rodelweg genützt. „Vor allem aber war er von Anfang an Geh- und Fahrweg zum Gasthof Obernbergersee“, sagt Unteregger. Aber er gehe davon aus, dass „wir ohnehin ein Zufahrtsrecht haben, weil wir Mitglied der Bringungsgemeinschaft sind und 70 Prozent der Erhaltungskosten des Weges tragen“.

Obernbergs BM Josef Saxer glaubt, dass die Kontroverse weitergeht und sich die Wegegemeinschaft gegen den Vorschlag wehren wird. „Es gibt einen bestehenden Bescheid, der die Wegeangelegenheit regelt.“ Die Frage sei, inwieweit dieser aufzuheben und durch eine Neuregelung zu ersetzen sei. „Wir müssen mit der Agrarbehörde abklären, welche Voraussetzungen es dazu braucht – zumal der Weg ja auch über Privatgrund führt.“ (pn, md)


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