Letztes Update am Di, 04.07.2017 17:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


“Falter“-Bericht:

Außenministerium “bearbeitete“ Islamkindergarten-Studie

Laut „Falter“ haben die Mitarbeiter von Außenminister Sebastian Kurz die Studie zu Islamkindergärten zugespitzt und umgeschrieben und so ein negativeres Bild gezeichnet. Studienautor Ednan Aslan verteidigt sich gegen Kritik.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

© APABundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).



Wien — Die viel beachtete Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan dürfte vom Außenministerium bearbeitet worden sein. Das legt ein Bericht des Falter nahe. Demnach nahmen Beamte des Ressorts von ÖVP-Chef Sebastian Kurz, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, auch inhaltliche Korrekturen vor, die ein möglichst ungünstiges Bild in den Islam-Kindergärten darstellen sollten.

Passagen gestrichen und umgedeutet

Dem Falter liegt das Word-Dokument inklusive Korrektur-Modus vor. Demnach wurden mehr als 900 Änderungen eingegeben. Laut Falter handelt es sich dabei nicht nur um formale Kleinigkeiten und Redigaturen, wie das Ministerium ursprünglich versichert hatte. Etwa wurden Passagen, wo die Qualifikation der Pädagogen gelobt wurde, gestrichen und umgedeutet.

Ein weiteres Beispiel: Aslan schrieb, dass auch muslimische Eltern in den Kindergärten für ihre Kinder „Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln" suchten. Ein Beamter des Ministeriums formuliert stattdessen: „Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden".

An anderen Stellen seien Aussagen des Forschers einfach in das Gegenteil verkehrt worden, schreibt der Falter weiter. Chefredakteur Florian Klenk veröffentlichte einige Auszüge aus den Dokumenten auf Facebook:

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Aslan: „Ich stehe hinter dem Bericht"

Aslan zeigte sich zunächst gegenüber dem Falter überrascht, dass auch inhaltlich in die Studie eingegriffen worden sei. Später erklärte er, dass jede inhaltliche Änderung mit ihm abgestimmt worden sei. Der entsprechende Auszug aus dem Falter:

Gegenüber der APA verteidigte sich Aslan am Dienstag gegen die Kritik: „Ich stehe hinter dem Bericht bis auf den letzten Punkt." Jene inhaltlichen Änderungen, die von Beamten des Außenministeriums vorgenommen worden seien, seien von ihm persönlich angeordnet worden: „Ich würde niemandem erlauben, mir für meine Arbeit Anweisungen zu geben", so Aslan.

Die Vorwürfe, wonach die Studie vom Ministerium überarbeitet worden sei, stellen für Aslan eine „wissenschaftliche Diffamierung und persönliche Beleidigung" dar. Man habe den Bericht ergänzen müssen, „um weitere Komplikationen zu vermeiden". Was er damit genau meint, sagte Aslan nicht. Der Wissenschafter war im Zusammenhang mit der Studie in Kritik von muslimischen Organisationen geraten und soll auch Klagsdrohungen ausgesetzt gewesen sein.

Außenamt: Wollten Aslan vor Klagen schützen

Man habe Aslan etwa vor Klagen islamischer Verbände schützen wollen, verteidigte ein Sprecher des Außenamts die Änderungen gegenüber dem Falter. Ressortchef Sebastian Kurz wusste demnach nichts von den Korrekturen.

Der Integrationsminister meinte, dass alles in der Studie "die Handschrift Aslans" trage. Wenn jemand glaube, nun die Problematik schön reden zu können, halte er das für falsch, sagte der ÖVP-Obmann am Dienstag in Innsbruck.

"Es gibt diese Problematik", betonte Kurz. Kinder würden sprachlich und religiös abgeschottet aufwachsen und dies sei für die Integration äußerst problematisch. "Wir brauchen ein Miteinander und keine Parallelgesellschaft", erklärte Kurz. Diese würde durch islamische Kindergärten aber entstehen.

Der Falter will alle internen Dokumente am Dienstag um 17 Uhr auf www.falter.at veröffentlichen. (TT.com, APA)



Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Innenpolitik
Innenpolitik

Neugegründete „Neue Aula“ nach einer Ausgabe wieder eingestellt

Nach der Neugründung des rechtsextremen Magazins „Aula“ als „Neue Aula“ wird die Zeitschrift nach einer Ausgabe wieder eingestellt. Auf der ...

Da sich heute zwischen der Aussage des ersten und des zweiten Zeugen ein Zeitfenster aufgetan hat, bot Richterin Hohenecker Grasser die Möglichkeit, Stellung zu nehmen.Tag 115
Tag 115

Grasser-Prozess: Grassers Schwiegermutter und des Treuhänders Mutter

Am 115. Verhandlungstag stand wieder die Meinl Bank im Fokus. Im Zeugenstand waren der ehemalige Geldwäsche-Beauftragte des Geldhauses und die frühere Vorsta ...

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.Video
Video

So sieht ein Tag bei Kanzlerin Bierlein aus

Brigitte Bierleins Zeit als Kanzlerin neigt sich dem Ende zu. Das „Magazin 1“ hat sie ganz exklusiv bei ihrer Arbeit begleitet.

koalition
Die freie Abgeordnete Philippa Strache während der konstituierenden Sitzung des Nationalrates am Mittwoch.Nationalrat
Nationalrat

Nach Annahme des Mandats: FPÖ wirft Philippa Strache aus der Partei

Die FPÖ begründet den Ausschluss von Philippa Strache damit, dass die Annahme ihres Mandates eindeutig parteischädigenden Charakter habe.

koalition
Nationalrat
Nationalrat

Auf einen Blick: Das brachte die erste Sitzung im Nationalrat

Das Nationalratspräsidium bleibt überwiegend mit bekannten Gesichtern besetzt. Wolfgang Sobotka (ÖVP) wurde bei der konstituierenden Sitzung des Nationalrats ...

koalition
Weitere Artikel aus der Kategorie »