Letztes Update am Mi, 05.07.2017 08:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesheer

Österreichs Luftraumüberwachung vor Neuordnung: Eurofighter-Aus?

Verteidigungsminister Doskozil will demnächst bekannt geben, wie es mit den Eurofightern weitergeht und ob möglicherweise Saab Gripen zum Einsatz kommen.

Der Eurofighter steht in Österreich nicht zuletzt wegen des U-Ausschusses stark in der Kritik. Experten finden ihn aber besser als seinen Ruf.

© APADer Eurofighter steht in Österreich nicht zuletzt wegen des U-Ausschusses stark in der Kritik. Experten finden ihn aber besser als seinen Ruf.



Wien – Österreichs Luftraumüberwachung steht möglicherweise vor einer Neuordnung. Während im Parlament der bereits zweite Eurofighter-U-Ausschuss ins Finale geht, wird im Verteidigungsministerium in diesen Tagen die Entscheidung über die Zukunft der heimischen Luftraumüberwachung getroffen.

Ob es dabei mit den Eurofightern weitergeht oder die in Österreich seit ihrer Einführung unpopulären Flieger ausgemustert und durch ein anderes System wie den schwedischen Saab Gripen ersetzt werden, soll demnächst feststehen. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte die Entscheidung für Anfang Juli angekündigt.

Gripen schwer zu bekommen

Laut Georg Mader, Österreich-Korrespondent der internationalen Militärfachzeitschrift Jane‘s Defence, kämen seriöserweise nur der Gripen oder US-amerikanische F-16 als Eurofighter-Ersatz infrage. Allerdings seien beide Modelle derzeit kaum zu bekommen. „Das neueste Gripen-Modell kostet kaum weniger als der Eurofighter und ist für Schweden und Brasilien ausgebucht“, erklärte Mader im Gespräch mit der APA. Man könnte also höchstens alte Gripen kaufen oder leasen, so Mader. Alte F-16 seien in Europa derzeit gar nicht am Markt. „Österreich könnte F-16 nur in den USA kaufen – von Trump.“

null
- APA

Der Militärluftfahrtjournalist ortet unter den heimischen Militärs aber ohnehin eine starke Gripen-freundliche Fraktion. „In Teilen des Verteidigungsministeriums gibt es immer noch das Gefühl, man hätte damals den Gripen und nicht den Eurofighter kaufen sollen.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Mader selbst hält wenig von einem Ausstieg aus dem Eurofighter. Der Flieger sei besser als sein Ruf, und zum Teil würden einfach Unwahrheiten verbreitet, etwa dass der Eurofighter nachtfluguntauglich sei. „Das ist schmerzhaft, weil es Unsinn ist. Das Radar und alle anderen System funktionieren natürlich zu jeder Tageszeit. Was der Eurofighter in der Nacht nicht kann, ist per Infrarot identifizieren, weil das Infrarot 2006 rausgenommen wurde.“

Eurofighter besser als sein Ruf

Die Tranche 1, auf die Österreich nach dem Vergleich mit Eurofighter zurückgegangen ist, sei weder veraltet noch schlecht. „Das Problem sind die Geräte, die damals rausgenommen wurden. Dieses Flugzeug ist nicht tot, die Briten fliegen damit bis 2030 weiter. Der Eurofighter ist kein Klumpert und kein Schrott. Es ist eines der modernsten Flugzeuge, nur wir haben es halt in einer abgespeckten Variante.“

Auch die Eurofighter-Betriebskosten, die dem Heer nach eigenem Bekunden große Schmerzen verursachen, seien auch nicht das Problem. „Der Eurofighter kostet pro Flugstunde überall gleich viel. Das Problem ist unser kleines Verteidigungsbudget“, so Mader. Man werde die österreichischen Eurofighter-Modelle auch nicht so einfach verkaufen können. „Da sind US-Kryptoschlüssel und NATO-Technologie drinnen.“ Und der Eurofighter-Hersteller werde die Flugzeuge nach der Klage durch das Verteidigungsministerium wohl kaum zurücknehmen.

Ausstieg wäre Lachnummer

„Sollte das Aus für die Eurofighter verkündet werden, stellt sich die Frage, womit Österreichs Luftraumüberwachung bewerkstelligt wird. Eine Nachbeschaffung dauert ja Jahre.“ Die Anschaffung eines alternativen Systems mit 14 bis 16 Stück würde 1,0 bis 1,5 Mrd. Euro kosten, glaubt Mader. Dazu komme die Frage, ob sich die nächste Regierung an eine solche Entscheidung hält. „Dass man aus einem modernen Flugzeug nach einem Drittel der Betriebsdauer aussteigt, wäre international jedenfalls eine große Lachnummer.“

Viel dringender ist laut Mader die Entscheidung über den Ersatz für die seit 1970 eingesetzten Saab 105-Flieger, die aus Altersgründen spätestens 2020 Geschichte sind. Am besten geeignet seien hier die M345 und die M346 des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo. Auf Vorgängermodellen von Leonardo würden österreichische Eurofighter-Piloten schon jetzt im italienischen Lecce Trainingsflüge absolvieren. Daneben kämen tschechische L-159 oder britische Hawks infrage. (APA)

Ein Eurofighter des Bundesheeres.
Ein Eurofighter des Bundesheeres.
- APA

Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Momentan sondiert die ÖVP eifrig mit den möglichen Koalitionspartnern.Exklusiv
Exklusiv

Auf welche Koalitions-Karte Wirtschaft, Kultur und Sport setzen

Noch hat der Koalitionspoker nicht begonnen, für manche steht die Wunsch-Regierung aber bereits. Was Unternehmer, Künstler und Sportler sagen.

Newsblog Wahl 2019
Newsblog Wahl 2019

ÖVP-Chef Kurz bittet beim Sondieren um “etwas Geduld“

Bundespräsident Van der Bellen erteilte ÖVP-Chef Kurz den Auftrag zur Regierungsbildung. Die Sondierungsgespräche laufen. Wir berichten im Newsblog.

koalition
Straches Facebook-Seite hat für die FPÖ enormen Wert.Österreich
Österreich

Facebook-Seiten von Heinz-Christian und Philippa Strache offline

Die einst offizielle Facebook-Seite von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wurde von der Partei deaktiviert. Auch die Seite seiner Ehefrau Philippa ist offl ...

multimedia
SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch vor Beginn des SPÖ-Parteivorstandes.Bundesparteivorstand
Bundesparteivorstand

Rüge für Dornauer: „Möglicherweise hat er nicht alles verstanden“

Eine Rüge gab es für den Tiroler Parteichef Georg Dornauer vor und im SP-Vorstand. In dem ist der „Erneuerungsprozess“ beschlossen worden.

koalition
NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger wertete die Begegnung mit der ÖVP als „intensives, offenes, vertrauensvolles Gespräch“.Nach der Wahl
Nach der Wahl

Koalition? Kurz hält sich alles offen, aber vertieft sich in Grüne und NEOS

Nach den Sondierungsgesprächen mit den Grünen und den NEOS zog ÖVP-Chef Sebastian Kurz positive Bilanz mit viel Lob für alle Akteure. Eine Präferenz für eine ...

koalition
Weitere Artikel aus der Kategorie »