Letztes Update am Mi, 05.07.2017 14:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Uni prüft Islamkindergarten-Studie, Kern stellt sich hinter Kurz

Laut einem „Falter“-Artikel haben Beamte des Integrationsministeriums die viel diskutierte Studie des Islamforschers Ednan Aslan derart bearbeitet, dass ein möglichst ungünstiges Bild der Islam-Kindergärten entsteht. Die Universität Wien will die Studie nun einer wissenschaftlichen Prüfung unterziehen. Aslan erhielt indes Rückendeckung von einem Kollegen.

Der Auftraggeber und der Autor der umstrittenen Kindergarten-Studie: Außenminister Sebastian Kurz (l.) und Islamwissenschafter Ednan Aslan auf einem Archvibild.

© AUSSENMINISTERIUMDer Auftraggeber und der Autor der umstrittenen Kindergarten-Studie: Außenminister Sebastian Kurz (l.) und Islamwissenschafter Ednan Aslan auf einem Archvibild.



Wien – Die Universität Wien will die umstrittene Kindergartenstudie des Islamwissenschafters Ednan Aslan einer wissenschaftlichen Prüfung unterziehen. Der Falter hatte am Dienstag ein Dokument veröffentlicht, wonach die Studie von Beamten des Außen- und Integrationsministeriums manipuliert und zugespitzt worden sein soll. Aslan und das Ministerium bestritten dies. Mehr dazu: http://go.tt.com/2up3hgW

Die Universität Wien sammelt nun alle Fakten zu den medial erhobenen Vorwürfen. „Auf dieser Grundlage wird eine Prüfung des Sachverhalts erfolgen, um festzustellen, inwieweit die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis eingehalten wurden“, teilte die Universität am Dienstagabend mit. Zur Untersuchung von Hinweisen und Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens habe die Uni Wien eine Kommission eingerichtet. Diese Ombudsstelle berichtet an den Rektor der Universität. Die Ergebnisse der Prüfung werden zeitnah erwartet.

NEOS bringen Anfrage ein

Die NEOS bringen in der Angelegenheit am Mittwoch eine parlamentarische Anfrage ein. Man fordert unter anderem Aufklärung darüber, auf wessen Anordnung die kolportierten Änderungen erfolgten, ob Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) darüber informiert war, ob personelle Konsequenzen geplant sind und ob vorgesehen ist, die Studie, deren wissenschaftliche Integrität nun nicht mehr gegeben sei, neu auszuschreiben. „Wenn tatsächlich eine Studie von Mitarbeiten des Ministeriums so verändert wird, dass mit den Ergebnissen politisches Kleingeld geschlagen werden kann, dann ist das ein Skandal. Das Außenministerium muss hier für Klarheit sorgen“, erklärte der stellvertretende NEOS-Klubobmann Nikolaus Scherak.

Kern stellt sich hinter Kurz

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zeigte sich am Mittwoch vor Journalisten überzeugt, dass ÖVP-Obmann Kurz nicht persönlich in Manipulationen verwickelt sei. Kern plädierte aber dafür, die Details und Fakten zu analysieren. Diese geschehe nun ohnehin mit der Überprüfung durch die Universität.

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Für Kerns Parteifreund, Wiens Bürgermeister Michael Häupl, liegt die Verantwortung für die Änderungen der Kindergartenstudie hingegen bei Kurz. Und dieser müsse er sich auch stellen, forderte der Stadtchef am Mittwoch vor Journalisten. „Entsetzt“ zeigte sich Häupl darüber, „dass man mit solchen Methoden Wahlkampf macht“. Es spiele letztlich keine Rolle, ob die Beamten des Ministeriums oder Studienautor Ednan Aslan „auf Druck der Beamten“ die Vorstudie inhaltlich verändert hätten. „Es stellt sich die Frage: Was hat der Herr Minister davon gewusst?“ Die Frage, ob er glaube, dass die Manipulationen explizit im Auftrag von Kurz durchgeführt wurden, wollte der Bürgermeister und Wiener SPÖ-Chef nicht konkret beantworten: „Aber verantwortlich sind allemal die Chefs. Und er ist der Chef.“

Politische Konsequenzen für Kurz forderte Häupl nicht expressis verbis. Dass man allerdings eine Studie „fälscht - und ich nenne das jetzt bewusst so: fälscht“ -, um die eigenen politischen Interessen durchzusetzen, sei „so ziemlich das allerletzte“. Er habe so etwas nicht für möglich gehalten.

Kritik kam am Mittwoch auch von den Wiener Grünen: „Studien für innenpolitische Machtspiele und Wahlkämpfe zu manipulieren und tendenziös umzuformulieren, ist politisch letztklassig“, urteilte Integrationssprecherin Faika El-Nagashi in einer Aussendung.

Islam-Theologe nimmt Aslan in Schutz

Studienautor Ednan Aslan erhielt indes Rückendeckung von einem Kollegen: Statt die Wissenschaftlichkeit der Studie infrage zustellen, sollte man lieber über Verbesserungsbedarf in islamischen Kindergärten reden, erklärte der österreichische Islam-Theologe Mouhanad Khorchide in einer Stellungnahme.

Aslans Studie „weist zum Teil auf alarmierende Zustände an manchen Kindergärten hin. Statt sich mit den eigentlichen Fragen nach der Qualität dieser Kindergärten und deren Bildungsauftrag auseinanderzusetzen, wird die Debatte seitens derer, denen die Ergebnisse der Studie zu negativ erscheinen, personifiziert“, monierte Khorchide. „Dabei wird mit aller Wucht versucht, die Wissenschaftlichkeit der Studie und die Loyalität des Wissenschaftlers zu seiner Glaubensgemeinschaft infrage zu stellen“, so Khorchide, der 1989 aus Palästina nach Österreich kam, hier studierte und inzwischen das Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität im deutschen Münster leitet.

„Zu versuchen, Probleme zu relativieren, indem man die Wissenschaftlichkeit der einen oder anderen Studie angreift, ist nur ein Verdrängungsmechanismus und Ausdruck einer ablehnenden Haltung, sich offen und mutig den Problemen zu stellen“, so der Islam-Theologe.

Umstrittene Studie

Die vom Integrationsministerium in Auftrag gegebene Studie hatte schon seit ihrem Erscheinen im Dezember 2015 immer wieder für Aufregung gesorgt. Einerseits setzte eine Debatte über integrationsfeindlich geprägte Islam-Kindergärten ein, andererseits wurde dem Wissenschafter vorgehalten, nicht gerade umfassende Informationen über die entsprechenden Einrichtungen eingeholt zu haben. Letztlich einigte man sich, dass Stadt Wien und Integrationsministerium eine gemeinsame Studie unter Mitwirkung Aslans erstellen lassen. Sie soll bis Herbst vorliegen. (TT.com, APA)


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