Letztes Update am Do, 06.07.2017 12:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NR-Wahl

Wahlallianz geschmiedet: Griss dockt bei NEOS an

Parteichef Matthias Strolz hofft, mit der einstigen Richterin und Hofburg-Kandidatin ein zweistelliges Ergebnis einzufahren.

Irmgard Griss setzt den Spekulationen ein Ende: Die ehemalige unabhängige Präsidentschaftskandidatin tritt gemeinsam mit den NEOS bei der Nationalratswahl am 15. Oktober an.

© ReutersIrmgard Griss setzt den Spekulationen ein Ende: Die ehemalige unabhängige Präsidentschaftskandidatin tritt gemeinsam mit den NEOS bei der Nationalratswahl am 15. Oktober an.



Von Karin Leitner

Wien – Nicht hemdsärmelig wie üblich tritt Matthias Strolz auf. Mit Sakko und Krawatte ist er unterwegs – ob des für ihn erbaulichen Ereignisses. Ex-Hofburg-Anwärterin Irmgard Griss steht im Presseclub Corncordia neben ihm; bis zum 15. Oktober wird sie oft an seiner Seite sein. Die einstige Höchstrichterin, die es bei der Präsidentschaftswahl auf 18,9 Prozent und sich damit beinahe in die Stichwahl gebracht hat, tritt mit den NEOS an. Eine „Allianz für Freiheit und Verantwortung“ hat sie mit Strolz geschmiedet.

Formal ist das noch nicht; kommenden Samstag müssen seine Parteigänger das Bündnis absegnen – eine Zweidrittelmehrheit ist nötig. Und so sei noch nicht fix, wie die gemeinsame Liste heißt. Der Name Griss werde vorkommen, sagt Strolz. Auch welchen Platz sie darauf bekommt, werde erst entschieden. Spitzenkandidat ist jedenfalls Strolz.

Nicht nur er hat Griss umworben; der neue ÖVP-Chef Sebastian Kurz hätte sie ebenfalls gerne als Stimmenbringerin gehabt. Mehrmals haben die beiden über eine mögliche Polit-Liaison gesprochen. Warum dockt sie bei den NEOS an? Ihr seien Werte wichtig; und ihre deckten sich mit den Grundsätzen von Strolz’ Partei: „Respekt, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft, Solidarität.“ Konkretes gibt es vorerst nicht. Sie wolle „bewusst machen, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in dem das Recht die Politik regiert, nicht die Politik das Recht“, sagt Griss. In der Hypo-Kommission, die sie geleitet hat, habe sie „hautnah erlebt, dass Verantwortung im politischen Bereich ein Fremdwort ist“. Und „die populistische Politik, die wir tagtäglich erleben“, missfalle ihr. Sie wolle sachlich sein.

Warum hat sie so lange gebraucht, um sich mit den NEOS zusammenzutun? „Das ist ja keine einfache Entscheidung: Soll ich etwas machen? Wenn ja, in welcher Form?“

Auf wie viel Zuspruch glaubt Strolz mit der neuen Verbündeten zu kommen? „Zweistellig“ wolle er werden, sagt der Pinke, der 2013 fünf Prozent erreicht hat. Fürchtet er Peter Pilz als weiteren Konkurrenten, weil der auch Bürgerini­tiativen-Vormann sein will? Strolz gibt sich gelassen: „Die höchste Auszeichnung ist die Nachahmung.“