Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.07.2017


Falschmeldung

Fake News und die Schlacht am Brenner

Busweise sollen Afrikaner in der Nacht durch Tirol nach Bayern gebracht werden: Was in sozialen Netzwerken für Empörung sorgt, ist eine Falschmeldung.

© Thomas Boehm / TT



Wien – Die Brennergrenze ist seit Wochen ein Dauerthema in den Medien. Da sorgte zuletzt die Politik selbst dafür, weil sie ihrerseits die Grenze als Wahlkampfzone entdeckte. Zu den Schlagzeilen über Pressekonferenzen vor dem Grenzbalken, Notfallpläne und Radpanzer gesellten sich auch Gerüchte über illegale Grenzübertritte von Afrikanern auf ihrem Marsch nach Norden. Und diese wurden seit Tagen immer penetranter.

Sie gipfelten nun in einer bewussten Produktion von Fake News, also gefälschten Nachrichten. Von 37 Bussen voll mit Afrikanern ist da die Rede, die in den Nachtstunden über den Brenner durch Tirol nach Deutschland gebracht werden. Die Meldung verbreitet sich via Facebook und Twitter in Windeseile, schlägt bei selbst erklärten Internet-Nachrichtenportalen auf. Die Falschmeldung wird ins Englische übersetzt und fleißig geteilt.

Nur es stimmt kein Wort daran. „Das Internet gibt nicht nur die Möglichkeiten, Blödsinn zu vertreiben und in die Welt zu schicken. Es gibt auch genügend Menschen, die den Blödsinn glauben – und von uns verlangen, das Gegenteil zu beweisen. Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie wichtig seriöser und faktenorientierter Journalismus ist.“ Denn die Story mit den Bussen voll von Afrikanern ist „weder wahr noch gut erfunden“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Er ist seit Dienstag damit konfrontiert zu erklären, dass an der Geschichte nichts stimmt. Auch die „faktenfinder“ von tagesschau.de ebenso wie die Berliner Morgenpost haben sich des Themas bereits angenommen, um sich mit der Propaganda­schlacht am Brenner und den verbreiteten Fake News zu beschäftigen. (misp)