Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.08.2017


Exklusiv

Rudolf Taschner: Quereinstieg mit Altlasten

© APA



Wien – „Die Rache der Journalisten an den Politikern ist das Archiv“, sagte ORF-Mann Robert Hochner einst. Rudolf Taschner, der für Sebastian Kurz bei der Wahl kandidiert, ist zwar noch kein Politiker. Er spürt aber schon, wie es ist, einer zu sein. Auch Polit-Konkurrenten haben ein Archiv. In diesem haben sie gestöbert. Gefunden wurde zweierlei; es betrifft Taschners bisheriges Wirken in der Presse, in der er seit 2006 Gastkommentare schreibt; künftig aber nicht mehr. In einer dieser Kolumnen zweifelte der Mathematiker, der an der Wiener TU werkt, den Klimawandel an („Klimakatastrophe abgesagt – aber niemand will es wahrhaben“), qualifizierte diesen als „Scheinproblem“.

Derlei Aussagen sind just jetzt, ob großer Hitze und deren Folgen, die Wissenschafter auf den Wandel des Klimas zurückführen, besonders heikel. Vor allem die Grünen, die keine Hoch-Zeit haben, sehen darin Verbalmunition gegen Kurz, zeihen ihn ob seines Nationalratsanwärters der „Klima-Ignoranz“.

2012 hat sich Taschner, unter dem Titel „Pädagogisch unkorrekte Notiz zu einer pädagogisch unkorrekten Bemerkung“ positiv zu Ohrfeigen als Erziehungsmittel geäußert („Kein Platz mehr für das Kokettieren mit einer Watsche?“). Wegen der Kritik an den damaligen Befunden und deren rasanter Verbreitung auf Facebook & Co. fühlen sich der Autor und seine nunmehrigen Polit-Heimatgeber zu Erklärungen bemüßigt: Taschner leugne den Klimawandel nicht; er habe – ob der CO2-Abgas-Hysterie – lediglich mehr Sachlichkeit eingefordert. Tascher sagt in Sachen „G’sunde Watschn“, dass das „selbstverständlich unmöglich“ sei. „Das schreibe ich heute nicht mehr.“

Schwarze glauben nicht, dass „Hoppalas von früher“ Kurz schaden. Grosso modo nutzten ihm die Quereinsteiger, die er auf die Bundesliste nimmt. Weil er damit „Öffnung“ signalisiere, zeige, dass er sich vom alten Parteimachtgefüge löst.

Manche Funktionäre sind ob Kurz an der Spitze so euphorisch, dass sie auch die – notorisch schwache – Wiener ÖVP im Aufschwung sehen. Genährt durch eine Umfrage in einem Boulevardblatt, laut der die ÖVP sogar in der Hauptstadt knapp vor der SPÖ liegt, ist von einem Deal die Rede: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hätte keine Freude mit Schwarz-Blau unter einem ÖVP-Kanzler – mit Verweis auf die Erfahrungen der Freiheitlichen mit der Schüssel-ÖVP. Er würde sich lieber mit den Roten zusammentun. Um ihm einen Bund mit Kurz schmackhaft zu machen, werde ein Geschäft erwogen: Strache macht Kurz zum Kanzler, die ÖVP Strache nach der nächsten Gemeinderatswahl zum Bürgermeister von Wien. 2015 hat es die SPÖ auf 39,6 Prozent gebracht, die FPÖ auf 30,8, die ÖVP auf 9,2. In der Bundespartei will man von solchen strategischen Überlegungen nichts wissen. Gerüchte seien das. (kale)