Letztes Update am Mo, 09.10.2017 06:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Maria Chelucci: Peter Pilz klingt in Tirol sehr italienisch

Maria Chelucci aus Wiesing ist die Spitzenkandidatin in Tirol für die Liste Pilz. Sie hat es auf Protest- und Nichtwähler abgesehen.

© Thomas Boehm / TT



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Die Liste Pilz hat nur ein Wahlplakat. Entsprechend groß sei das „G’riss“ darum, erzählt die Tiroler Spitzenkandidatin der Liste Pilz, Maria Chelucci. Da das Plakat gerade in Graz gebraucht werde, müsse es in Tirol ohne gehen. Auch der Frontmann der Liste, der ehemalige, langjährige Nationalrat der Grünen, Peter Pilz, ist nicht in Innsbruck. Er teilt bei seinen Mitstreitern vermutlich dasselbe Schicksal wie das eine Plakat: Das G’riss ist groß.

Maria Chelucci ist Wahlkämpfen nicht neu. Im Gemeinderatswahlkampf 2016 hat sie mit ihrer unabhängigen Liste in Wiesing vier von 13 Mandaten geholt, zur Bürgermeisterin reichte es nicht. Jetzt verteilt Chelucci Flyer und Prospekte des Listengründers Pilz und hofft auf ein Grundmandat in Tirol. Dazu brauche es ungefähr 25.000 Stimmen, sagt sie. Ein hehres Ziel, das, wenn es erreicht wird, das Ticket in den Nationalrat bedeuten würde. Zum Vergleich: Die Grünen hatten 2013 rund 15 Prozent und 53.910 Stimmen eingefahren.

Chelucci ist zuversichtlich, im Gespräch mit potenziellen Wählern komme besonders gut an, dass die Liste Pilz wirklich unabhängig und eine neue Bewegung sei. Peter Pilz sei als Anti-Korruptionsjäger auch in Tirol sehr bekannt, meint Chelucci. Deren Namen spricht man mit „K“ aus, wie bei Chianti, meint die Wiesingerin. Eine Erklärung, die sie nicht nur im Wahlkampf stets parat habe, meint sie. Im Parlament würde sie sich um Tourismus und Raumordnung kümmern wollen.

Bei der Listenerstellung in Tirol gab es Brösel. Der Agrar-Hardliner Wilhelm Schlögl kandidiert hinter Ihnen auf Platz 2. War das ein Fehler, der in der Eile passiert ist und wie vertrauenswürdig ist dann die Auswahl der anderen Kandidaten?

Maria Chelucci: Wir mussten innerhalb von ein bis zwei Wochen die Liste erstellen. Die gesamte Liste Pilz gibt es erst seit acht Wochen. Daher war der Zeitdruck in Tirol groß. Wilhelm Schlögl konnte die Kandidatur nicht mehr zurückziehen, weil die Liste schon eingereicht war. Er hat aber schriftlich seinen Rückzug erklärt und ist auch nicht mehr dabei.

Peter Pilz funktioniert als Marke vor allem in Wien und im Osten Österreichs. Wie sehen denn die Tiroler Wähler Peter Pilz?

Chelucci: Ich war überrascht davon, wie gut der Peter auch in Tirol ankommt. Wir haben in vielen Gemeinden Flyer verteilt und sehr gute Rückmeldungen bekommen. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Parlament ist sein Bekanntheitsgrad offensichtlich auch in Tirol hoch. Ich bin ein unbekanntes Gesicht. Das ist klar, aber das stört die Wähler nicht, weil ich von einer unabhängigen Liste komme und sie vor allem das schätzen. Um in den Nationalrat einzuziehen, bräuchte es 25.000 Stimmen in ganz Tirol. Es geht nur über das Grundmandat in Tirol. Die Plätze auf der Bundesliste sind bereits alle vergeben.

Peter Pilz hat sich in den TV-Duellen gut geschlagen, hat jetzt aber im großen Wahlkampffinale keine Auftritte mehr im TV. Wie hinderlich ist das?

Chelucci: Die Auftritte hallen nach und die Argumente waren gut. Peter Pilz ist selbst täglich unterwegs, wir sind präsent und das kann alles zusammen etwas bewirken. Außerdem haben sich so knapp vor der Wahl bereits viele Wähler entschieden.

In Tirol haben wir eine Tradition mit Parteien, die sich vom bürgerlichen Lager abspalten, wir haben aber keine Erfahrung, wie sich das bei linken Parteien anlässt. Womit rechnen Sie?

Chelucci: Wir sind etwas Neues. Das fällt auf. Wir können unabhängig bleiben. Keine Parteizugehörigkeit und kein Klubzwang sind wichtiger als die Einteilung in links und rechts.

Woher, aus welchen Lagern wollen Sie denn die Stimmen bekommen?

Chelucci: Wir wollen gar nicht so sehr im roten oder grünen Teich fischen. Unsere Zielgruppe sind die Protestwähler und die Nichtwähler. Das ist ein großes Feld und auch eine wahlentscheidende Gruppe.

Viele Protestwähler haben in den letzten Jahren freiheitlich gewählt. Peter Pilz fährt eine sehr kritische Islamlinie. Versucht er damit, bei den FPÖ-Wählern zu punkten?

Chelucci: Die klare Ansage, gegen politischen Islam aufzustehen, hat sicher einige FPÖ-Wähler angesprochen, wirkt aber bei Wählern aller Couleurs.

Die Liste Pilz ist neu, Peter Pilz selbst ist wohl einer der langgedientesten Politiker Österreichs. Wird er so weitermachen wie bisher? Ist das das Programm?

Chelucci: Die offene Gesellschaft, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, eine unabhängige Justiz und die Pressefreiheit sind Werte, die wir sehr in den Mittelpunkt stellen und wofür wir uns einsetzen. Ich selbst würde mich um Tourismus und Raumordnung im Parlament kümmern wollen.