Letztes Update am Di, 10.10.2017 22:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NR-Wahl 2017

Kurz und Strache im Duell: Von Nettigkeiten zum Schlagabtausch

ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache kuscheln beim ORF-Duell nicht. Es gibt gegenseitige Vorwürfe.

© APAFPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Moderator Tarek Leitner und ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz.



Von Karin Leitner und Serdar Sahin

Wien — „Einer von uns beiden wird als Erster durchs Ziel gehen." Das hat ÖVP-Chef Sebastian Kurz kürzlich im Puls4-Duell mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache befunden. Teils harmonisch ist die Debatte verlaufen. Nun sitzen sie einander wieder gegenüber, im ORF-Studio.

Die Debatte beginnt mit Höflichkeiten. Strache qualifiziert Kurz als „sympathischen jungen Mann". Kurz urteilt, nicht nur er, auch der FPÖ-Chef habe im Wahlkampf „einen guten Lauf". Erneut sieht er diesen oder sich als künftigen Kanzler.

Dann ist Schluss mit Nettigkeiten. Strache zeiht Kurz einmal mehr, als Integrationsminister „dramatisch versagt" zu haben. Und er ortet „Vernetzungen" von Großspendern" für die ÖVP, „wo man sich fragen muss, ob es Erwartungshaltungen gibt". Kurz' Replik: „Schwachsinnig" sei der Vorhalt, dass versucht werde, „auf unser Programm Einfluss zu nehmen". Schon wieder werde versucht, ihn „anzupatzen".

Dann geht es zum Hauptwahlkampfthema der beiden, zur Migrationscausa. Strache pocht neuerlich darauf, das Original zu sein, Kurz befindet, der Blaue sei gut darin, Probleme aufzuzeigen, „bei der Umsetzung gibt es Luft nach oben". Er habe agiert. Es folgt sein Mantra: „Ich habe die Balkanroute geschlossen." Strache konfrontiert Kurz erneut mit Aussagen von 2015 (etwa „Sie haben gesagt, der Islam gehört zu Österreich"). Kurz kontert: „Herr Strache ist ein bisschen im falschen TV-Duell. Sie versuchen, ein Bild zu zeichnen, als würden Sie mit einem Vertreter des linken Flügels hier sitzen." Immer heftiger wird die Diskussion. „Herr Strache, lassen Sie mich kurz ausreden", sagt Kurz immer wieder. Er und Strache reden gleichzeitig. Moderator Tarek Leitner tut sich schwer, zu Wort zu kommen.

Auch in Sachen EU geraten Kurz und Strache aneinander, beim Brexit sind sie ebenfalls nicht eines Sinnes; detto bei den Freihandelsabkommen. Beim Thema Pensionen sieht Strache auch keine Annäherung zur ÖVP.

Wie schaut es trotz jetziger Differenzen mit einer Koalition nach der Wahl aus? Dazu sagt der eine wie der andere nur so viel: Strache will wissen, dass Rote und Schwarze wohl wieder zusammengehen würden. Kurz sieht anderes im Schwange: Der ÖVP-Obmann sagt, „im Hintergrund" gebe es bereits Gespräche in Richtung eines rot-blauen Paktes nach dem 15. Oktober.