Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Exklusiv

Bundes-ÖVP distanziert sich von angeblichem Kurz-Brief

VP-Wahlwerber Schrott hat Briefe versandt, in denen VP-Chef Kurz zu Vorzugsstimmen für ihn aufruft. Die Wiener Bundes-VP dementiert.

© MittermayrDas Faksimile zeigt Auszüge des Briefes von Dominik Schrott an Haushalte im Bezirk Imst. Die Bundes-ÖVP distanziert sich davon. Eine persönliche Unterstützung eines Kandidaten gibt es nicht.



Von Helmut Mittermayr

Reutte. Imst, Landeck – Die Post bringt allen was – zumindest im Bezirk Imst und ausgesuchten Adressaten im Bezirk Landeck. Außerferner Postkästen blieben hingegen leer. Gemeint ist ein Schreiben der Lichtgestalt der derzeitigen Innenpolitik, Sebastian Kurz. Der Bundes-ÖVP-Chef griff vermeintlich direkt in den Wahlkampf im Oberland und Außerfern ein, um für die Nummer 2 der VP-Liste, Dominik Schrott, für Vorzugsstimmen aufzurufen. Von einem „langjährigen Weggefährten und Freund“ ist die Rede. Und weiter: „Geben Sie Ihre Vorzugsstimme einem jungen engagierten Politiker, [...] Dominik Schrott“, – bittet Kurz im Schreiben mit persönlicher Unterschrift.

Dominik Schrott auf diese doch ungewöhnliche persönliche Unterstützung angesprochen, die alle anderen VP-Kandidaten Österreichs nicht zuteil wird, erklärt, dass das Schreiben mit Parteichef Kurz abgesprochen und vollkommen in seinem Sinne sei. Überhaupt zeigte sich Schrott verärgert, was es an dem Brief eigentlich auszusetzen gebe.

Auszusetzen hat daran etwas die Bundes-ÖVP. Denn Kurz hat diesen Brief, auf dem seine Unterschrift draufsteht, nie gesehen. Der VP-Parteichef wusste nichts davon. Johannes Frischmann, Bundessprecher der Volkspartei: „Da ist ein Fehler passiert, also ein Kommunikationsfehler.“ Niemals sei es die Intention von Sebastian Kurz gewesen, im Vorzugsstimmenwahlkampf einen Kandidaten persönlich zu bevorzugen, lässt Frischmann – selbst Ötztaler wie Schrott – wissen. Er könne sich vorstellen, wie dieser Brief bei den Mitbewerbern um VP-Vorzugsstimmen im Wahlkreis Oberland/Außerfern angekommen sein muss. Denn nirgends in Österreich gebe es einen so intensiven Vorzugsstimmenwahlkampf wie im Tiroler Oberland.

Thomas Ziegler, Chef von Smart Ventures, der Agentur, die Schrott betreut und angestellt hat, widerspricht der Bundes-ÖVP: „Ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass Kurz das gesagt hat. Ich war beim Telefongespräch Kurz/Schrott anwesend.“

Die Reuttener VP-Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller – vor allem sie möchte Schrott als Erstgereihte der VP-Liste Oberland noch überholen – erklärt, sich über den angeblichen Kurz-Brief gewundert zu haben. „Aber ich habe vor der Wahl selbst genug zu tun und kann mich nicht um andere kümmern. Ich hoffe nur, dass jeder auch verantworten kann, was da vor sich geht.“

Die angeblichen Briefe mit der Unterschrift von Kurz wurden von Schrotts Agentur hergestellt. VP-Bundessprecher Frischmann zur verwendeten persönlichen Kurz-Signatur auf dem Werbebrief: „Das ist sicher der springende Punkt, das wird noch besprochen werden müssen.“ Vor Redaktionsschluss kam auch noch ein knappes offizielles Schreiben der Bundes-VP: „Grundsätzlich unterstützen wir im Wahlkampf alle Kandidatinnen und Kandidaten. Der Brief ist aufgrund eines Kommunikationsversehens zustande gekommen.“ Und auch Schrott noch schriftlich: „Von meinem Team und mir wurde der Brief umgesetzt und versendet.“