Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.10.2017


NR-Wahl 2017

So hat Tirol gewählt: ÖVP und FPÖ feiern, die SPÖ atmet durch

Tirols VP-Chef Günther Platter ist „sehr zufrieden“, Koalitionsvarianten will er keine nennen. ÖVP, FPÖ und SPÖ legten auch mit Mandaten zu. FP-Chef Abwerzger spricht sich für eine Zusammenarbeit mit der ÖVP im Bund aus, SPÖ-Vorsitzende Blanik bedauert „deutlichen Rechtsruck“.

V.l.: Markus Abwerzger (FPÖ), LH Günther Platter (ÖVP), Selma Yildirim (SPÖ), Dominik Oberhofer (NEOS) und Gebi Mair (Grüne) am Sonntagabend im ORF Landesstudio.

© TT/Thomas BöhmV.l.: Markus Abwerzger (FPÖ), LH Günther Platter (ÖVP), Selma Yildirim (SPÖ), Dominik Oberhofer (NEOS) und Gebi Mair (Grüne) am Sonntagabend im ORF Landesstudio.



Von Anita Heubacher und Peter Nindler

Innsbruck — Wäre da nicht die negative Olympiavolksbefragung gewesen, für die Tiroler Volkspartei wäre der gestrige Wahlsonntag wirklich so makellos gewesen wie das Wetter. So gab es bei den politischen Wahlgewinnern laut vorläufigem Wahlergebnis ohne Wahlkarten auch auf Tiroler Ebene jeweils einen Makel: für die ÖVP (38,6 Prozent/+6,3 Prozentpunkte) die Olympiavolksbefragung. Die FPÖ (26,2 %/+6,8 %) schaffte es im Bund nicht, an der SPÖ vorbeizuziehen, die Sozialdemokraten (20,7 %/+2,4 %) verlieren den Kanzler und die NEOS (5,4 %/+0,5 %), die zwar die Grünen überholen konnten, haben aber erneut keinen Tiroler Nationalrat. Die Wahlkarten dürften die Ergebnisse aber noch leicht verändern.

LH Günther Platter (VP) jubelte mit Spitzenkandidatin Kira Grünberg und den Parteigranden über das Ergebnis in Tirol und für Sebastian Kurz.
LH Günther Platter (VP) jubelte mit Spitzenkandidatin Kira Grünberg und den Parteigranden über das Ergebnis in Tirol und für Sebastian Kurz.
- zeitungsfoto.at

ÖVP und FPÖ waren trotzdem die großen Wahlsieger. Bei Prosecco und kleinen Häppchen ließen sich die ÖVP-Granden den Wahlsieg schmecken. „Wahlen sind immer ein Wechselbad der Gefühle", meinte Tirols ÖVP-Chef, LH Günther Platter. Er sei mit dem Ergebnis „sehr zufrieden". In Tirol sei die Stimmung „hervorragend".

Klare Nummer zwei in Tirol: FPÖ-Spitzenkandidat Peter Wurm und Parteichef Abwerzger sprechen auch von massivem Rückenwind für die Landtagswahl.
Klare Nummer zwei in Tirol: FPÖ-Spitzenkandidat Peter Wurm und Parteichef Abwerzger sprechen auch von massivem Rückenwind für die Landtagswahl.
- zeitungsfoto.at

Platter, der zumindest auf Landesebene als kein Freund von Schwarz-Blau gilt, meinte gestern. „Was Koalitionen betrifft, habe ich mich noch nie in irgendeine Richtung geäußert." Gestern Abend konnte die Tiroler ÖVP mit einem Landesmandat und vier Grundmandaten in den Wahlkreisen rechnen. Dass Kira Grünberg das Bundesmandat annehmen könnte, davon sei nicht auszugehen, hieß es gestern. Sie würde also über das Landesmandat einziehen.

Agrar-Minister Andrä Rupprechter hat das Grundmandat im Unterland. Offen ist, ob Wirtschaftsbund-Obmann Franz Hörl den Sprung in den Nationalrat schafft. Alle Vorzugsstimmenritter müssen sich noch gedulden, bis die Wahlkarten ausgezählt sind. Parteichef Platter ist mit den Seinen zufrieden, aber was sagt er zum Desaster der Grünen, die mit ihm in Tirol in einer Regierung sitzen? „Die Wähler kennen den Unterschied zwischen Nationalrats- und Landtagswahlen", meint er.

In der FPÖ war die Stimmung naturgemäß ausgezeichnet. „Die Zugewinne in Tirol sind fulminant, das gibt uns natürlich Rückenwind für die Landtagswahl", betont Parteiobmann Markus Abwerzger. Den Schwung gelte es jetzt mitzunehmen, sein Mitleid „mit dem wahrscheinlichen Rausfliegen der Grünen aus dem Nationalrat" halte sich naturgemäß in Grenzen. Der Platz zwei in Tirol mit den deutlichen Zuwächsen lasse auch den dritten Platz auf Bundesebene verschmerzen. „Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir in allen Bundesländern zugelegt haben." Und wie soll es jetzt im Bund weitergehen? Auch wenn ihm Blau-Schwarz natürlich lieber gewesen wäre: „Ich habe mich immer für eine Regierungsbeteiligung mit der ÖVP ausgesprochen, deshalb ist für mich eine Koalition mit der Volkspartei vorstellbar." Wichtig sei allerdings, dass die freiheitlichen Grundsätze umgesetzt werden. Auch Richtung Landtagswahl.

Die Tiroler SPÖ hat zwar den Abwärtstrend gestoppt, doch die Enttäuschung über den Verlust von Platz eins im Bund ist groß. Außerdem bedauert SPÖ-Vorsitzende Elisabeth Blanik den „deutlichen Rechtsruck" in Österreich. „Der positive Trend in Tirol freut mich natürlich und ist Ansporn für die Landtagswahl im Februar." Nur so einen Wahlkampf wie für die Nationalratswahl dürfe es nicht mehr geben. Blanik hofft, dass die Migrationsfrage im Landeswahlkampf nicht so sehr in den Vordergrund gerückt werde.

SPÖ-Spitzenkandidatin Selma Yildirim analysierte mit SPÖ-Partei-Vize Georg Dornauer die ersten Hochrechnungen.
SPÖ-Spitzenkandidatin Selma Yildirim analysierte mit SPÖ-Partei-Vize Georg Dornauer die ersten Hochrechnungen.
- zetungsfoto.at

Zufrieden ist der Landessprecher der NEOS Dominik Oberhofer. „Wir hoffen noch auf die Wahlkarten, dass es mit einem Tiroler Nationalrat doch noch ausgeht und Hannes Margreiter über die Bundesliste ins Parlament einzieht. Aber insgesamt konnten wir unseren Stimmenanteil in Tirol um 25 Prozent erhöhen."

Schrott und Lettenbichler preschten vor

Innsbruck — Mit Ausnahme von Peter Pilz konnten die Kleinparteien in Tirol keine Meter machen. Pilz kam aus dem Stand heraus auf beachtliche 3,59 Prozent. Die Liste des ehemaligen Freiheitlichen Karl Schnell/FLÖ (0,17 %), die KPÖ und die Jungen Grünen (0,56 %), die Liste des Kabarettisten Roland Düringer/GILT (0,76 %) sowie die Weißen (0,21 %) blieben unter ein Prozent der Stimmen.

Wie viele Abgeordnete werden die Tiroler Parteien jetzt nach Wien schicken? Das steht erst nach Auszählung der Wahlkarten und bei der ÖVP nach dem Ergebnis der Vorzugsstimmen fest. Jedenfalls konnte die Tiroler Volkspartei ein Mandat dazugewinnen, nämlich im Wahlkreis Innsbruck-Land und Schwaz. Statt vier hat sie künftig fünf Vertreter im Nationalrat. Gestern Abend sickerten bereits Vorzugsstimmenergebnisse aus den Wahlkreisen Oberland und Unterland durch. Im Oberland soll Dominik Schrott die vor ihm gereihte Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller überholt, im Unterland NR Josef Lettenbichler sich hinter Landwirtschaftsminister Rupprechter platziert haben. Bleibt Rupprechter in der Regierung, kann Lettenbichler in den Nationalrat nachrücken.

Die FPÖ dürfte zu ihren zwei noch zwei Sitze dazugewinnen. Das vierte Mandat wackelt jedoch. Peter Wurm, Gerald Hauser und Carmen Schimanek sind jedoch fix im Nationalrat.

Die Tiroler SPÖ hat voraussichtlich von zwei auf drei Mandate zugelegt. Frauenvorsitzende Selma Yildirim, der Wörgler Christian Kovacevic und NR Max Unterrainer werden künftig die Genossen in Wien vertreten. Besonders bitter ist es für die Tiroler Grünen, die seit Eva Lichtenberger (1999) nicht mehr im Nationalrat vertreten sind. Zuletzt hatte man zwei Abgeordnete.

Für die NEOS reichte es vorerst nicht, die Hoffnung liegt jetzt in den Wahlkarten. Bei einem Mandat mehr würde der Haller Johannes Margreiter doch noch einen Nationalratssitz ergattern.


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