Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


Exklusiv

Hofinger: ,,Wahltag ohne Überraschung wäre größte Überraschung“

Zwischen Differenzschätzung und Wählerströmen: Christoph Hofinger, Hochrechner der Nation, sagt uns knapp nach 17 Uhr, wie Österreich gewählt hat.

Christoph Hofinger (SORA) präsentiert die ORF-Hochrechnung.

© ORFChristoph Hofinger (SORA) präsentiert die ORF-Hochrechnung.



Von Michael Sprenger

Wien – Um 17 Uhr schließen am Sonntag die letzten Wahllokale. Was sich dann abspielt, ist für einen Normalverbraucher schwer vorstellbar. Alle bereits ausgezählten Gemeinden (in vielen Gemeinden sperren die Wahllokale schon früher zu, Vorarlberg hat zu diesem Zeitpunkt schon ein fertiges Landesergebnis) werden binnen weniger Augenblicke vom Innenministerium in das Computersystem von Christoph Hofinger (SORA) übertragen. Dann werden die zuvor bis ins Detail ausgetüftelten Rechenmodelle aktiviert. Nach knapp zwei bis drei Minuten sollte dann der Computer auswerfen, worauf Österreich wartet. „Ich gehe davon aus, dass ich zwischen 17.10 Uhr und 17.15 Uhr mit einer Schwankungsbreite von zwei Prozent die erste Hochrechnung im ORF verkünde. Inklusive einer Briefwahlschätzung“, sagt Hofinger.

Zu diesem Zeitpunkt fehlen noch die Ergebnisse aus Wien und die meisten großen Städte. Doch die Modelle, mit denen Hofinger arbeitet, sind so ausgeklügelt und mit jeder Hochrechnung verfeinert worden, dass der gebürtige Innsbrucker auf alles vorbereitet ist. Er arbeitet mit Wählerstromanalysen und Differenzschätzungen samt „raffinierter Gewichtung“. Zudem ist für jede Partei ein individueller Mix aus beiden Modellen entwickelt worden. Weiters sieht das Modell Vergleichsgemeinden vor. Allein 25 Varianten wurden erarbeitet, um das Ergebnis für Wien vorwegzunehmen.

Einen Tipp für die Wahl gibt Hofinger nicht ab. Nur mit einem geübten Blick zurück auf frühere Wahlen sagt er: „Ein Wahltag ohne Überraschung wäre für mich die größte Überraschung.“