Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.10.2017


NR-Wahl 2017

Vorzugsstimmenmodell hat nicht nur Vorzüge

Die ÖVP dürfte das Vorzugsstimmenmodell auch im Landtagswahl-kampf übernehmen. Das sorgt für Gewinner und Verlierer.

Wirtschaftsbündler Franz Hörl (l.) könnte noch baden gehen. Ungemach für Parteichef Günther Platter ist daher nicht ausgeschlossen. Kira Grünberg und Andrä Rupprechter (r.) haben ihr Ticket in den Nationalrat.

© zeitungsfoto.atWirtschaftsbündler Franz Hörl (l.) könnte noch baden gehen. Ungemach für Parteichef Günther Platter ist daher nicht ausgeschlossen. Kira Grünberg und Andrä Rupprechter (r.) haben ihr Ticket in den Nationalrat.



Innsbruck – Offiziell sind die Vorzugsstimmen der ÖVP-Kandidaten noch gar nicht ausgezählt. Das dauert bis Donnerstag, bis die Wahlkarten alle berücksichtigt sind. Dennoch bedankten sich die siegessicheren Kandidaten bereits bei ihren Fans und Wählern. So gut wie fix im nächsten Nationalrat sitzen JVP-Obmann Dominik Schrott, die Bauernbündler Hermann Gahr und Andrä Rupprechter sowie Spitzenkandidatin Kira Grünberg.

Weiter zittern um ihren Einzug müssen Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl sowie die Wirtschaftsbündler Josef Lettenbichler und Rebecca Kirchbaumer. Letztere dürfte sehr wahrscheinlich über das zweite Grundmandat in Innsbruck-Land/Schwaz in den Nationalrat einziehen. Dann ginge Hörl als Zweitplatzierter auf der Landesliste leer aus.

Lettenbichler muss hoffen, dass Rupprechter Minister wird, sonst rückt er trotz Vorzugsstimmen nicht nach. Ausgeschieden, weil von Lettenbichler überholt, ist die Unternehmerin Brigitte Lackner. Dasselbe Schicksal ereilt Nationalrätin und Frauenbund-Chefin Elisabeth Pfurtscheller. Sie wurde von Schrott per Vorzugsstimmen im Oberland ausgebootet.

Das Vorzugsstimmenmodell und seine Folgen waren gestern auch Thema im Landesparteivorstand. „Wir diskutieren darüber, das Modell auf die Landtagswahlen umzulegen“, sagt Landesgeschäftsführer Martin Malaun. Das Modell bringe „Chancengleichheit“. Dass, wie von vielen vorausgesagt, zwei Frauen dem Vorzugsstimmenmodell zum Opfer fallen würden, sieht Malaun nicht an das Geschlecht, sondern an das Geschick der Kandidaten geknüpft.

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Franz Hörl gab sich gestern zurückhaltend. Vieles sei noch offen, weil noch immer nicht klar sei, ob die Grünen in den Nationalrat einziehen oder nicht. Das wirkt sich auf die Verteilung der Mandate auch für die anderen Parteien aus.

Kira Grünberg ist nicht nur auf der Landesliste, sondern auch auf der Bundesliste auf Platz 10 zu finden. Sie könnte auch dieses Mandat annehmen, dann fiele das auf der Landesliste an Hörl. „Es gibt keine Absprache zwischen Kira und mir, auch keine zwischen Parteichef Platter oder Kurz und mir“, sagt Hörl. Er hat viel Geld in die Hand genommen, viele Unternehmer, darunter die Adler Runde, wollten Hörl auf jeden Fall „als starke Stimme“ in Wien sehen. Das brachte Parteichef Günther Platter in Zugzwang. Ob ein Scheitern Hörls wieder Ungemach für die Parteispitze brächte? „Eine gewisse Restunsicherheit besteht“, meint Malaun.

Frauenbund-Chefin Pfurtscheller wollte gestern „die Flinte noch nicht ins Korn werfen“. Sie hofft auf Verschiebungen auf der Bundes- und Landesliste. Auf Letzterer ist sie Drittplatzierte. Das Vorzugsstimmenmodell verteufeln wollte Pfurtscheller nicht. „Ich weiß gar nicht, ob es österreichweit so ein stark umkämpftes Gebiet gab wie das Oberland.“ (aheu)