Letztes Update am Mi, 08.11.2017 10:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Hans Peter Doskozil: Burgenländischer Roter mit schnellem Abgang

Nach der SPÖ-Niederlage bei der Nationalratswahl ziegt sich der Krisenmanager zurück und kehrt als Kronprinz von Landeshauptmann Niessl heim ins Burgenland.

© APAHans Peter Doskozil kehrt als Landespolitiker zurück ins Burgenland.



Wien – Landespolitik statt Landesverteidigung: Hans Peter Doskozil hat keine Lust, nach der Niederlage der SPÖ bei der Nationalratswahl die Oppositionsbank zu drücken und tritt nun rascher als gedacht den Rückzug ins Burgenland an. Dort soll der Kronprinz von Landeshauptmann Hans Niessl zunächst Landesrat werden. Der als bodenständig geltende Minister dürfte durchaus Talent zum Landespolitiker haben.

Dass er zurück ins Burgenland will, hatte Doskozil eigentlich immer im Kopf, und das am liebsten als Finanzlandesrat. Nachdem die SPÖ auf Bundesebene nicht mehr in der Regierung vertreten sein wird, soll nun aber alles schneller gehen als gedacht: Statt wie die anderen bisherigen roten Regierungsmitglieder im Nationalrat Platz zu nehmen, brachte der zwischenzeitlich auch als Konkurrent von Christian Kern an der Parteispitze gehandelte Doskozil nun ziemlich rasch die Rückkehr in seine Heimat auf den Weg. Mittwochnachmittag tagt der Landesparteivorstand – und alles andere als die Erfüllung seines Wunsches wäre eine große Überraschung.

Heimkehr zum „Mentor“

Doskozil hat seine Pläne nämlich mit dem mächtigen Landesparteichef und Landeshauptmann Hans Niessl abgestimmt, bei dem er dereinst auch das politische Handwerk erlernte. Nach seiner Schullaufbahn im Burgenland heuerte er zunächst Ende der 1980er-Jahre bei der Polizei in Wien an, während der Arbeit studierte der ehrgeizige Doskozil erfolgreich Rechtswissenschaften an der Uni Wien. Nach Stationen bei der Sicherheitsdirektion Burgenland, im Fremdenpolizeilichen Büro der Bundespolizeidirektion Wien und im Innenministerium wurde Doskozil 2008 schließlich Referent im Niessl-Büro, zu dessen Leiter er dann auch aufstieg. Das damals entstandene Vertrauen hält bis heute, zwischen Niessl und Doskozil passt kein Blatt Papier – abgesehen vom Fußball, wo der leidenschaftliche Rapid-Fan Doskozil einem Violetten gegenübersteht.

Nicht nur beim runden Leder hat der 47-Jährige eine Vorliebe fürs Bodenständige, auch die Verbindung in seine Heimat brach Doskozil während seines knapp zwei Jahre währenden Gastspiels als Minister nie ab: Lebensmittelpunkt des zweifachen Vaters ist noch immer Grafenschachen im Bezirk Oberwart bzw. Eisenstadt, und auch nach zehrenden Arbeitstagen eines Spitzenpolitikers pflegte der gesellige „Dosko“ noch in den örtlichen Wirtshäusern seine Kontakte. Lohn für die Mühen waren zuletzt immerhin rund 14.000 Vorzugsstimmen in seinem Wahlkreis.

Auch am Wiener Parkett blieb der Verteidigungsminister authentisch – seinen Frack für den Offiziersball musste er sich ausborgen, weil er schlicht keinen besitzt. Bei Truppenbesuchen sorgte er dann und wann für Erstaunen bei den Militärs, weil es ihm sichtlich nicht behagt, komplett im Mittelpunkt zu stehen – und zwar nicht nur, damit er sich zwischendurch für eine schnelle Rauchpause davonstehlen kann. In der Truppe kam das jedenfalls gut an, der bullige Ressortchef ist beliebt.

Modernisierung und Strukturreform beim Bundesheeres

Die Voraussetzungen zur Amtsübernahme waren für Doskozil aber auch ideal: Seinen Vorgängern, dem unglücklichen Norbert Darabos und dem glücklosen Gerald Klug, weinte unter den Soldaten kaum jemand eine Träne nach. Hinzu kam, dass im Verteidigungsministerium infolge der Flüchtlingskrise nach Jahren des finanziellen Aushungerns, als sogar der Sprit für Fahrzeuge gefehlt hatte, plötzlich wieder Geld verfügbar war. Doskozil investierte in die Modernisierung des Heeres und gönnte der Truppe gepanzerte Fahrzeuge oder auch neue Schutzausrüstung. Auch mithilfe des Assistenzeinsatzes an der Grenze versuchte Doskozil das Heeres-Image als „Garant für die Sicherheit der Bevölkerung“ aufzupolieren.

Die Flüchtlingskrise begleitete überhaupt Doskozils Karriere in den vergangenen Jahren: Die Tragödie um 71 tote Flüchtlinge in einem Schlepper-Lkw auf der Ostautobahn und der wochenlange Flüchtlings-Andrang in Nickelsdorf im Spätsommer 2015 rückten den damaligen burgenländischen Polizeichef ins mediale Rampenlicht. Wegen seiner Troubleshooter-Qualitäten wurde man auch in Wien auf ihn aufmerksam und holte ihn schließlich im Jänner 2016 ins Verteidigungs- und Sportressort. Bei der dortigen Führung verschaffte sich der Burgenländer ebenfalls rasch Respekt, indem er auch in Krisensituationen ruhig und besonnen reagiert haben soll.

Neben den Investitionen schaffte der Minister eine ordentliche Strukturreform im Heer, um es für neue Bedrohungen wie Terrorismus zu wappnen. Einen PR-Coup landete Doskozil mit seiner Betrugsanzeige gegen den Eurofighter-Hersteller Airbus und seiner Ankündigung, aus dem umstrittenen Jet-System aussteigen zu wollen. Die Entscheidung über die Zukunft der Luftraumüberwachung trifft nun aber eine neue Regierung. Kritiker warfen Doskozil auch vor, allzu viel Macht ans Heer ziehen zu wollen. Seinen Wunsch, den Schutz der kritischen Infrastruktur durch Milizsoldaten als neue originäre Aufgabe für das Heer durchzusetzen, bremste allerdings das Innenministerium aus.

Nicht bei allen beliebt machte sich Doskozil auch mit seiner harten Linie in Asyl- und Migrationsfragen. Vor allem im linken Flügel der SPÖ gefiel das weniger, für die rot-blaue Koalition im Burgenland dürfte dies allerdings kein Hindernis sein. Dort soll er nun zunächst Landesrat werden, nächstes Jahr könnte er dann die Landespartei übernehmen und bei der Landtagswahl 2020 als Spitzenkandidat antreten. (APA)