Letztes Update am Mo, 29.01.2018 18:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steiermark

Rief FPÖ-Jugendorganisation zu Mobbing von Journalistin auf?

Der steirische Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) nannte eine Journalistin auf Facebook namentlich und postete Foto und E-Mail-Adresse. In den Kommentaren ist von einem Aufruf zu Mobbing die Rede. Der RFJ Steiermark verteidigte das Posting.

Falls man „Colette etwas zu sagen“ habe, veröffentlichen die jungen Freiheitlichen auch ihre Email-Adresse, aus der auch ihr Nachname zu entnehmen ist.

© Screenshot/Facebook RFJ SteiermaFalls man „Colette etwas zu sagen“ habe, veröffentlichen die jungen Freiheitlichen auch ihre Email-Adresse, aus der auch ihr Nachname zu entnehmen ist.



Innsbruck — Ein Facebook-Posting vom Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) Steiermark sorgt in sozialen Medien für eine Diskussion um Anstiftung zu Cyber-Mobbing. Die Freiheitlichen zeigten in dem Posting Colette Schmidt, eine Journalistin des Standard, und nennen unter anderem ihre dienstliche Email-Adresse. In den Kommentaren war von einem Aufruf zu Mobbing die Rede. Der RFJ Steiermark verteidigte das Posting, löschte es aber am Montag gegen 18 Uhr. Stattdessen posteten der RFJ einen Beitrag mit einer Stellungnahme.

Konkret handelte es sich bei dem ersten Posting um einen Link zu einem Videostill aus einem Archiv der ÖVP-Veranstaltungsreihe DiensTalk, auf dem Schmidt zu sehen ist. Der RFJ schrieb in dem Posting dazu: „Das ist Colette. Colette schreibt für den Standard und stellt gerne FPÖ-ler an den Pranger." Falls man „Colette etwas zu sagen" habe, veröffentlichen die jungen Freiheitlichen auch ihre Email-Adresse, aus der auch ihr Nachname zu entnehmen ist.

RFJ: „Kein Mobbing-Aufruf"

In den Kommentaren unter dem Posting wurde der RFJ von Facebook-Usern aufgefordert, das Posting zu löschen und die Rolle von Journalisten zu akzeptieren. Manche bezeichnen den Beitrag als „würde- und geschmacklos". Jürgen Angerer, geschäftsführender Landesobmann des RFJ, meinte auf APA-Nachfrage, dass das Posting „nicht als Mobbing-Aufruf zu sehen" sei. Anlassfall sei ein „unsäglicher Versuch von Schmidt" gewesen, einen „Konnex zwischen unbescholtenen Menschen" mit Vereinsmitgliedschaft und dem Liederbuch-Skandal herzustellen.

Damit bezog sich Angerer auf einen Artikel, der vergangenen Freitag im Standard unter dem Titel „Korporierte in den Kabinetten" erschienen war, den Schmidt mit anderen zusammen recherchiert und geschrieben hatte. Einen solchen Konnex hält Angerer für „unzulässig". Mit der „sogenannten Recherche" seien „Unbescholtene an den Pranger" gestellt worden. Er meinte, „Leserbriefe tun keinem weh" und man „muss damit leben, wenn man polarisierend berichtet". Es sei in seinen Augen kein Aufruf zu Mobbing. „Der Schelm denkt, wie er ist."

Der Vorwurf zum Aufruf sei aus der Luft gegriffen und die Debatte „hochgespielt". Dass nur Schmidt und keine anderen Journalisten, die ebenfalls über gleiche Themen berichten, in dem Posting genannt werden, begründete Angerer damit, dass sie es losgetreten habe. Man wolle mit dem Posting nur darauf „hinweisen, Berichte zu schreiben, ohne eine Gruppe unter Generalverdacht zu stellen."

Standard kündigte juristisches Vorgehen an

Anders sah man dies offenbar beim Standard: Die Tageszeitung will juristisch gegen die Urheber des Postings vorgehen und lässt „der freiheitlichen Parteijugend einen anwaltlichen Brief zukommen", hieß es Montagnachmittag in der Online-Ausgabe. Der Standard kritisierte darin auch, dass das Posting auch nach Tagen immer noch abrufbar war, obwohl es mehrfach gemeldet wurde.

Übrigens war desselbe verwendete Bild von Schmidt bei einem Artikel der rechten Zeitschrift „Zur Zeit", der laut ihrem Twitter-Beitrag „Unwahrheiten und Beleidigungen" über sie enthielt, schon einmal Teil eines Zivilrechtsstreits mit den Herausgebern dieser Zeitschrift gewesen. Damals verlor „Zur Zeit" den Prozess und musste eine Gegendarstellung drucken.

Angerer sah dagegen „keinen Verstoß gegen die Rechtsvorschriften". Das verwendete Foto sei über eine gewöhnliche Google-Suche zu finden, Copyright oder Persönlichkeitsrechte seien nicht verletzt, auch die Email-Adresse sei öffentlich bekannt.

Seitens der ÖVP Steiermark hieß es Montagnachmittag, dass man bei der FPÖ Steiermark urgiert habe, die "Urheber- und Fotorechte" zu akzeptieren und daher auf das verlinkte Foto zu verzichten. Gegen 18.00 Uhr war der Beitrag des RFJ Steiermark über "Standard"-Journalistin Colette Schmidt auf Facebook verschwunden.

In einem neuen Posting rechtfertigte sich die Nachwuchsorganisation für die Verwendung des Fotos sowie für die Worte, unterstrichen aber ihre Haltung: "Sämtliche Unterstellungen strafrechtlich relevanter Absichten weisen wir ausdrücklich zurück."