Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.02.2018


Burschenschaften

„Strache wird als Parteichef nicht in Frage gestellt“

Nationalratsmandatar und Burschenschafter Wendelin Mölzer glaubt nicht, dass Landbauers Demontage dem Obmann intern schadet.

© APAViele Burschenschafter sind innerhalb der FPÖ auf einflussreichen Posten. Auch Udo Landbauer war bis vor Kurzem Verbindungsmann.Foto: APA/Pfarrhofer



Von Karin Leitner

Wien – Die FPÖ-Oberen sind in der Zwickmühle. Um, jetzt erst recht als Regierungspartei, vom Image wegzukommen, ein Hort Ewiggestriger zu sein, müssen sie zeigen, dass solche in ihren Reihen keinen Platz mehr haben.

Damit legen sie sich zwangsläufig mit jenen an, die das Fundament der FPÖ bilden. Mehr als ein Drittel der Nationalratsabgeordneten sind Burschenschafter; viele Leute, die deutschnationalen Verbindungen angehören, sitzen in Ministerkabinetten. Und etlichen Korporierten missfällt, dass Strache, der selbst Burschenschafter ist (Vandalia Wien), Udo Landbauer wegen der NS-Liederbuch-Affäre in der Germania zum Polit-Abgang gedrängt hat.

Wie sieht Wendelin Mölzer, „Alter Herr“ der Studentenverbindungen Corps Vandalia Graz und Corps Suevia München, die Angelegenheit? Landbauers Rückzug sei „ein guter Schritt, um Druck von der Partei zu nehmen – und die Causa aufzuklären“, befindet er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Ebenfalls „völlig richtig“ sei das, was Strache beim Akademikerball gesagt habe („Antisemitismus, Totalitarismus, Rassismus, das ist ein Widerspruch zum burschenschaftlerischen Gedanken“): „Rassismus und Antisemitismus dürfen bei uns keinen Platz haben.“

Strache habe sich beim Ball nicht erstmals dahingehend geäußert; das habe er als FPÖ-Obmann immer wieder getan – und auch gehandelt. Mölzer verweist auf Susanne Winter. Die Abgeordnete ist 2015 wegen eines antisemitischen Postings aus der FPÖ ausgeschlossen worden. Und so sieht Mölzer nun auch kein internes Problem für Strache: „Er wird als Parteichef nicht in Frage gestellt werden.“

Auch der niederösterreichische FPÖ-Chef Walter Rosenkranz beteuert, „dass die FPÖ mit Antisemitismus, linkem und rechtem demokratiefeindlichen Totalitarismus sowie jeder Form von gewaltbereitem Extremismus nichts am Hut hat“ – was „ganz Österreich, von der Spitze des Staates abwärts“ wissen müsste. Er stellt sich aber hinter Landbauer: „Er ist kein Antisemit, kein Verbrecher, sondern ein unbescholtener Bürger dieses Landes. Er wird seitens der Staatsanwaltschaft (diese ermittelt in der Causa) nicht einmal als Beschuldigter, sondern als Zeuge behandelt.“ Und dann kommt das, was man von Blauen in so einer Situation gewohnt ist – ein Verbalschlag gegen Journalisten: Mit dem Polit-Aus gestehe Landbauer keine Schuld ein. Zurückgetreten sei er „wegen der politischen und medialen Hetze, die mit Femegerichten und Inquisition verglichen werden kann“. Die „Hexenjäger des 21. Jahrhunderts“ sollten sich bei Landbauer entschuldigen.