Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.02.2018


Österreich

Neuer ÖGB-Chef Katzian: „Ich bevorzuge den Dialog“

Der neue ÖGB-Frontmann Wolfgang Katzian will nicht auf Konfrontation mit der schwarz-blauen Regierung gehen. Das missfällt Vorarlbergs Gewerkschaftschef.

© APASpitzenwechsel bei AK und ÖGB: Renate Anderl folgt Kaske nach, Wolfgang Katzian Foglar.



Wien – Die Wachablöse bei den Arbeitnehmervertretern geht weiter. Rudolf Kaske hat schon vor Weihnachten kundgetan, von der Spitze der Arbeiterkammer zu weichen – Ende April. Und aus privaten Gründen: „Meine Frau braucht mich jetzt“; sie sei sehr krank.

Nun hat ÖGB-Boss Erich Foglar seinen Rückzug quasi amtlich gemacht. Warum geht er? Es hätte seiner Lebensplanung widersprochen, noch einmal eine gesamte Funktionsperiode – damit bis zum 68. Lebensjahr – zur Verfügung zu stehen.

Foglar wollte, dass ihm der niederösterreichische AK-und ÖGB-Chef Markus Wieser nachfolgt; intern hatte er sich darum bemüht.

Tatsächlich beerben wird ihn der Frontmann der sozialdemokratischen Gewerkschafter und GPA-Vorsitzende Wolfgang Katzian. „PRO-GE“-Chef Rainer Wimmer wird fortan den roten Gewerkschaftern vorstehen. Und ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl steigt zur Arbeiterkammer-Präsidentin auf.

Weil auf die Gewerkschaft und die Kammer ob der schwarz-blauen Regierung wohl harte Zeiten zukommen, setzen sie auf Job-Erprobte. Katzian und Wimmer leiten seit Jahren die zwei größten roten Gewerkschaften – ergo haben sie auch als „Königsmacher“ gegolten.

Sein Mandat im Nationalrat wird Katzian zurücklegen, Anderl ihres im Bundesrat. Präsident des Fußball-Klubs Austria Wien wird Katzian bleiben: Man möge ihm auch in seiner neuen Funktion ein Hobby zugestehen.

Katzian will nicht auf Konfrontation mit den Koalitionären gehen: „Ich bin ein Mensch, der den Dialog bevorzugt. Ich gehe nicht zuerst auf die Barrikaden, sondern zum Heurigen.“ Er fügt aber an: „Wenn es jemanden gibt, der uns diese Bereitschaft zum Dialog als Schwäche auslegt, werden wir – wenn notwendig – auch in den Widerstand treten.“ Dem roten Ländle-ÖGB-Chef Norbert Loacker missfällt die von Katzian ausgerufene sanfte Tour. „Wenn der künftige ÖGB-Präsident bei dieser Regierungskonstellation auf Dialog setzen möchte, ist das für mich eine gewaltige Enttäuschung“, sagt er in den Vorarlberger Nachrichten. Loacker will einen kämpferischen Katzian. „Wenn dieser jetzt schon die Handbremse zieht, bevor er überhaupt Gas gibt, hat er das Autorennen bereits verloren.“

Gegen Vorhaben der Regierung zu kämpfen haben wird jedenfalls die AK. Finanziell könnte es für diese in den kommenden Jahren nämlich schlechter laufen als bisher. ÖVP und FPÖ drohen ja indirekt, der Kammer Mittel zu entziehen, sollte dort nicht gespart werden. Kaskes Replik angesichts dieses Ansinnens: ein „Mitgliederdialog“. Anderl lässt dahingehend noch nichts wissen.

Ihre Posten als ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenchefin übernimmt – mit Korinna Schumann – eine rote Vertreterin der schwarzen Beamtengewerkschaft. Eine weitere Frau, die aufsteigt, ist Barbara Teiber. Die 40-Jährige wird Vorsitzende der GPA – ein Generationenwechsel in der größten Einzelgewerkschaft.

Wirtschaftskammer-Boss Christoph Leitl, der ebenfalls bald als solcher scheidet, dankt AK-Mann Kaske und ÖGB-Mann Foglar: „Man kann heute schon sagen: Auch wenn uns nicht alles gelungen ist, so haben wir doch einiges für die Österreicher und Österreicherinnen zusammengebracht.“ (kale)